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Warum Instagram und Co. nicht für digitale Erziehung verantwortlich sind

Digitale Erziehung, Digitalisierung, Social Media
Digitale Erziehung ist nicht Sache von Instagram und Co, sondern der Eltern. (Foto: Pixabay.com / finelightarts)
geschrieben von Vivien Stellmach

Instagram verschärft die Vorkehrungen für junge Nutzer. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Doch wir dürfen die sozialen Netzwerke nicht hauptverantwortlich für digitale Erziehung machen. Wir müssen uns selbst in die Pflicht nehmen. Ein Kommentar.

Das Internet kann ein schöner oder ein unschöner Ort sein. Das kommt ganz darauf an, wie man sich in der digitalen Welt bewegt und welche Einstellung man beispielsweise zu sozialen Netzwerken hat.

Viele Eltern machen sich Sorgen, dass ihre Kinder nicht sicher sind, wenn sie auf Instagram, Tik Tok und Co. herumhängen. Sie fordern vielleicht sogar die Plattformen selbst dazu auf, maximale Sicherheit zu schaffen und vor allem junge Nutzer vor ungeeigneten Inhalten und fremden Kontaktversuchen zu schützen.

Eine solche Forderung ist allerdings utopisch. Wir können kein Netzwerk dafür verantwortlich machen, wenn wir mit kontroversen Inhalten konfrontiert werden, die wir nicht sehen wollen. Im realen Leben funktioniert das schließlich auch nicht. Warum dann in der digitalen Welt?

Digitale Erziehung: Niemand kann uns Sicherheit garantieren – außer wir selbst

Natürlich stehen soziale Netzwerke in der Pflicht, eine tolerante Plattform ohne Gewalt, Rassismus, Sexismus, Homophobie und andere diskriminierende Formen zu schaffen. Das ist auf echten Veranstaltungen nicht anders.

Doch auch im realen Leben kann uns trotz rechtlicher Gesetze niemand garantieren, dass wir und unsere Kinder immer und überall geschützt sind – außer wir selbst, wenn wir Verantwortung für uns übernehmen und unseren Kindern dasselbe beibringen.

Im Kindergarten können wir unseren Nachwuchs schließlich auch nicht davor bewahren, wenn ein anderes Kind einmal gemein zu ihm sein sollte, obwohl eigentlich festgelegt ist, dass alle lieb und nett zueinander sind.

Im Umkehrschluss heißt das also, dass wir selbst für uns verantwortlich sind. Und das betrifft auch unsere Kinder – egal wie alt sie sind. Das Zauberwort heißt Erziehung und die fängt zu Hause an.

Instagram kündigt Updates für mehr Sicherheit an

Eine Plattform wie Instagram kann nur den Rahmen für geregelte Kommunikation schaffen. Das Foto-Netzwerk hat jetzt zum Beispiel zwei Updates für mehr Sicherheit angekündigt.

Zum einen wird in den kommenden Wochen eine neue Funktion für private Nachrichten eingeführt. Nutzer können dann selbst entscheiden, von wem sie Nachrichten erhalten oder zu Gruppen hinzugefügt werden möchten – entweder von allen Personen oder nur von den Menschen, denen sie selbst folgen.

Bislang konnten einen zum Beispiel Bots ungefragt in Gruppen hinzufügen. Aufmerksam wurde man darauf oft nur durch eine entsprechende Benachrichtigung in den privaten Nachrichten. Dafür musste man sie aber zuerst einmal aufrufen. Sonst hätte man nichts davon mitbekommen.

Zum anderen hat Instagram die Altersgrenze für Nutzer auf mindestens 13 Jahre festgelegt. Wer sich auf der Foto-Plattform anmelden will, muss vorher ab sofort sein Geburtsdatum angeben. Die Alters-Informationen sind für andere Nutzer aber natürlich nicht sichtbar.

Verantwortung für digitale Erziehung übernehmen

Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass die Altersbegrenzung für Jugendliche unter 13 Jahren, die unbedingt auf Instagram abhängen wollen, kein Hindernis darstellt. Sie können schließlich einfach ein anderes Geburtsjahr angeben – fertig.

Hat Instagram also zu oberflächlich geplant? Nein, denn wir dürfen der Plattform nun nicht die hauptsächliche Verantwortung für digitale Erziehung und unser Handeln in der digitalen Welt überlassen. Das wäre schlichtweg feige und faul.

Übrigens ist der Ansatz in puncto Hass im Netz der selbe: Instagram, Facebook und Co. können so viel gegen Beleidigungen vorgehen wie sie wollen. Letztendlich sind nicht die Plattformen, die etwas ändern müssen, sondern jeder einzelne Nutzer.

Wie sieht also die Lösung aus? Ganz einfach: Wir dürfen lernen, die sozialen Netzwerke zuallererst einmal selbst friedlich und tolerant zu nutzen. Anschließend dürfen wir uns fragen, wie wir mit Bots, Hass und anderen kontroversen Inhalten am besten umgehen können – und wie wir das auch unseren Kindern beibringen.

Warum Plattformen hilfreiche Richtlinien veröffentlichen sollten

Die digitale Erziehung sollte also wie die normale Erziehung eine Aufgabe der Eltern sein. Dabei spielt es keine bedeutende Rolle, ob Mutter und Vater sich mit der Digitalisierung auskennen oder nicht. Es geht im Kern um die Kommunikation mit und das Verhalten gegenüber anderen Menschen.

Wünschenswert wäre es allerdings trotzdem, wenn Instagram und Co. so etwas wie einen Leitfaden dazu veröffentlichen würden, wie Nutzer auf Hass-Kommentare reagieren oder grundsätzlich mit negativen Situationen umgehen können.

Vor allem müssen wir lernen, dass uns andere Menschen und Situationen nicht emotional verletzen können. Wir lassen uns davon verletzen, wenn unser Selbstwert nicht stark genug ist oder wir andere Menschen und äußere Umstände dafür verantwortlich machen, wie wir uns fühlen.

Es geht also nicht darum, jeden diskriminierenden oder beleidigenden Kommentar aus dem Netz zu verbannen, sondern darum zu lernen, wie wir mit ihnen umgehen, damit wir uns gut fühlen.


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Über den Autor

Vivien Stellmach

Vivien Stellmach ist seit Mai 2019 Redakteurin bei BASIC thinking. Nebenbei schreibt sie als freie Autorin über alternative Musik für das VISIONS Magazin. Sie liebt Fußball, steht seit ihrem siebten Lebensjahr selbst auf dem Rasen und hält zum SV Werder Bremen.

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