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Stress in Teams: Welcher Stresstyp bist du – und wie wirst du integriert?

Frau mit Pullover, schüchtern, Zurückhaltung, Stresstyp
Welcher Stresstyp steckt in dir? (Foto: Pixabay.com / StockSnap)

Konflikte in Teams passieren oft unterschwellig. Sie bremsen sowohl das Ergebnis als auch die Leistungsbereitschaft jedes Einzelnen. Mit der Stresstyp-Typologie lässt sich das lösen! Bio-Medizinerin und Wissenschaftsredakteurin Verena Kauzleben stellt dir die fünf Stresstypen einmal vor.

Es gibt fünf Persönlichkeitsstrukturen, die Stress auslösen. Sie definieren laut Transaktionsanalyse unseren „Stresstypen“. Eine wissenschaftliche Methode, um Persönlichkeiten zu analysieren und weiterzuentwickeln.

Dieser individuelle Stresstyp ist laut Experten für 90 Prozent des Stresses verantwortlich, den wir empfinden. Der äußere Reiz, also zum Beispiel die Deadline eines Projektes machen nur zehn Prozent aus! Das, was wirklich unter Druck setzt, ist die innere Bewertung. Also Gedanken wie „Ich schaffe es nicht, diese Deadline zu halten!“


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Solche Bewertungen sind je nach Stresstyp unterschiedlich. Dazu später mehr. Klar ist, um ein erfolgreiches Team zu bilden, sollten Mitarbeiter und Kollegen unbedingt entsprechend ihres Typen eingesetzt werden: einen Perfektionisten zum Beispiel immer für den letzten Schliff und nie für die Konzept-Entwicklung.

Außerdem sind die fünf Stresstypen für Missverständnisse, Konflikte und eine unpassende Chemie in Teams verantwortlich, weil sie absolut unterschiedlich ticken. Und das bremst! Oft sind es die unterschwelligen Konflikte, die das Durchstarten verhindern und nicht die offensichtlichen Baustellen.

Doch welche Stresstypen gibt es eigentlich und wie harmonisieren sie miteinander?

Stresstyp 1: Der Perfektionist – oder auch „Perfect Paul“

Er ist gründlich, sorgfältig und präzise. Dabei verheddert er sich immer wieder in Details und Nebensächlichkeiten, sodass Aufwand und Ergebnis oft nicht im Verhältnis stehen. Ihm ist es wichtig, Prinzipien und Regeln korrekt anzuwenden – auch wenn dies aufwändige Workflows bedeutet.

Er plant minutiös und wird durch aufwändige Recherchen zum Experten für ein Thema. Da er stark auf Details fokussiert ist, findet er immer wieder das Haar in der Suppe. Das führt auch dazu, dass er andere selten lobt. Das motiviert seine Team-Kollegen nicht. Außerdem neigt er dazu, ausufernd auf Fragen zu antworten.

Darauf solltet Ihr im Umgang mit „Perfect Paul“ achten:

  • Klare Grenzen und klare Arbeitsaufteilungen: Das kann Paul gut annehmen. Es befreit ihn sogar von dem Bedürfnis, auch die Arbeit der Kollegen detailgetreu zu überprüfen. Und den Kollegen erspart es lange Vorträge und Kritik.
  • Trotzdem sollten Perfect Pauls Stärken unbedingt genutzt werden. Und zwar indem er in der Finalisierungsphase eines Projektes aktiv wird.
  • Gesprächsdauer vorher festlegen.
  • Flüchtigkeitsfehler vermeiden.

Ein perfekter Team-Partner für „Perfect Paul“ ist der nächste Stresstyp. Allerdings braucht diese Beziehung gute gegenseitige Kenntnis und die Bereitschaft, sich wertschätzend auf die Perspektive des anderen einzulassen. Hieran lässt sich gezielt arbeiten.

Stresstyp 2: Die Schnellen – oder auch „Speedy Bees“

Ihnen geht alles zu langsam. Sie sind Meister im Multitasking. In Diskussionen unterbrechen sie andere oft und sind übertrieben pragmatisch. Dadurch entstehen Lösungen, ohne dass alle wichtigen Perspektiven berücksichtigt wurden. Flüchtigkeitsfehler sind wahrscheinlicher.

Gleichzeitig sind sie sehr motivierend für Teams und extrem produktiv. Sie nutzen Chancen und bereichern Projekte durch ihre Kreativität. Deswegen sollten sie in der Konzeptions- und Weiter-Entwicklungsphase zum Einsatz kommen.

Dieser Stresstyp hat eine sehr hohe Stressresistenz, jedoch auch die höchste Wahrscheinlichkeit ein Burnout zu erleiden. In stressigen Situationen steigen Stresshormone bei diesem Typen schneller an als bei anderen und das Risiko für Herzerkankungen ist ebenfalls erhöht.

Daher sollten sie sich nicht nur selber Erholung verordnen, sondern auch der Arbeitgeber und die Kollegen sie ab und zu bremsen. Ihr Kommunikationsstil ist direkt. Diplomatie ist ihnen fremd. Auf andere wirken sie oft autoritär, fordernd und hektisch.

Um Konflikte zu vermeiden, ist für diesen Stresstypen ein Kommunikationstraining sinnvoll.

Darauf solltet ihr im Umgang mit „Speedy Bees“ achten:

  • Offene Kommunikation. Das heißt auch, zu verbalisieren, wenn 100 Prozent Aufmerksamkeit nötig sind – und für wie lange.
  • Transparente Zeitpläne
  • Wenn es Unstimmigkeiten gibt, sprecht sie direkt an. Keine Scheu, damit kann dieser Typ gut umgehen!

Für den Stresstypen „Speedy Bee“ ist die Selbsterkenntnis besonders wichtig. Denn ihm ist der Zusammenhang zwischen seinen typischen Verhaltensweisen, Konflikten und seiner Persönlichkeit meist nicht bewusst.

Mit einem wissenschaftlichen 50-Fragen-Test lässt sich herausfinden, wie stark die einzelnen Stresstypen in einer Person ausgeprägt sind.

Stresstyp 3: Die Angepassten – oder auch die „Liebe Lisa“

Die „Liebe Lisa“ ist der Stresstyp, der stets freundlich, loyal und bemüht ist. Sie möchte anderen unbedingt gefallen. Und fühlt sich verantwortlich für deren Wohl.

Für Teams sind „Liebe Lisas“ – hierbei gibt es natürlich auch männliche Vertreter – die guten Seelen und oft der Kitt, der das Team zusammenhält und Konflikte abpuffert. Sie haben ein offenes Ohr und man vertraut sich ihnen gerne an. Jedoch werden ihre Bedürfnisse oft übersehen.

Das liegt vor allem daran, dass sie diese kaum verbalisieren. Und immer wieder Ja sagen, obwohl sie Nein meinen. Das macht es den Team-Kollegen schwer, diese Personen einzuschätzen. Und sie selbst werden mit der Zeit deprimiert, weil sie sich nicht beachtet fühlen.

So solltet ihr mit „Lieben Lisas“ umgehen:

  • Unterstützt sie in gewissem Rahmen bei Entscheidungen. Denn sie zu treffen, fällt ihnen schwer. Sie sollte aber auch nicht ganz von der Verantwortung entbunden werden, um daran wachsen zu können.
  • Wenn sie unsichere Fragen stellen, fragt erstmal nach ihrer eigenen Haltung, um sie zu stärken.
  • Stärkt sie in ihrer Eigenverantwortung.
  • Bekräftigt sie im Handeln! Ermutigt sie, auch wenn sie mal scheitern!
  • Lasst sie nicht ins kalte Wasser springen, sondern ins lauwarme. Sonst trauen sie sich kein zweites Mal!

Erstaunlicherweise harmonieren „Liebe Lisas“ und „Harte Hasen“ (zu ihnen später mehr) oft sehr gut. Weil zweitere sich nicht gefährdet sehen und erstere sich im Schatten der Harten zurückziehen können.

Für ein Team ist diese Kombination sehr zu empfehlen, weil Lisas oftmals die verbindende Brücke zwischen den „Harten Hasen“ und den anderen Team-Mitgliedern bauen.

Stresstyp 4: Die Disziplinierten – oder der „Sture Stefan“

Menschen, bei denen der Stresstyp „Sturer Stefan“ ausgeprägt ist, haben häufig wenig Spaß an der Arbeit. Hintergrund ist ein langer Prozess von verbissenem Anstrengungen. Denn ihr Lebensmotto lautet: Von nichts kommt nichts. Diese Einstellung birgt natürlich ein großes Potential.

Sie zeigen extrem hohen Einsatz und Durchhaltevermögen. Sie lassen nicht locker und können Unmögliches möglich machen. Dabei übersehen sie aber immer wieder einfache Lösungen. Scheitern kommt für sie nicht in Frage. Passiert es dennoch, fällt ihnen ein Umdenken schwer.

Statt Ziel oder Strategie zu überdenken, intensivieren sie ihre Anstrengungen. Wenn sie hingegen Erfolge erzielen, genießen sie sie kaum. Das führt zu einer kontinuierlichen Selbst-Entwertung: „Ich habe kein Recht auf Vergnügen, die nächste Bedrohung wartet schon.“

Das gibt einem Team zwar wichtige Bodenhaftung, aber entkräftet „Stefan“ auf Dauer. Er wird unzufrieden. Gleichzeitig vergleichen sie sich permanent mit Kollegen. Dadurch sind sie außergewöhnlich kritikempfindlich.

Das solltet ihr im Umgang mit „Sturen Stefans“ beachten:

  • Erfolge beglückwünschen, das entkräftet seine/ihre konkurrierenden Tendenzen und entspannt ein Team.
  • Aber: Kein billiges Lob. Das schädigt das Vertrauen.
  • Kritisieren nur wenn es unvermeidlich ist. Dabei solltet ihr sehr präzise sein und euch konkret auf ein Verhalten beziehen statt auf seine/ihre gesamte Person.
  • Stärken stärken. Stellt ihm/ihr Fragen, die den Fokus auf das Positive lenken.

„Stefan“ erfolgreich ins Teams zu integrieren und seine Stärken zu nutzen, funktioniert, wenn ihm nicht zu viel Verantwortung übertragen wird. Eine „Speedy Bee“ bereichert ihn, weil sie andere begeistern und mitreißen kann und sich weniger bedroht vom Scheitern fühlt.

Arbeiten diese beiden zusammen, muss auch das wieder auf der Basis eines bewussten Verständnisses für die Stärken und Schwächen des anderen passieren! Sonst kommt es zu unangenehmen Konflikten.

Stresstyp 5: Die Kalten – oder auch der „Harte Hase“

Menschen, bei denen der Stresstyp „Harter Hase“ ausgeprägt ist, wirken häufig kalt, rational und stoisch auf andere. Sie denken immer wieder: „Ich schaffe alles alleine.“

Das führt dazu, dass ihnen selten Hilfe angeboten wird und sie auch Tätigkeiten übernehmen, in denen sie nicht die Experten sind. Das kann das Ergebnis verschlechtern. An eine wandelnde Umwelt können sie sich nur langsam anpassen. Menschen mit diesem Persönlichkeitsprofil sind schwer zugänglich.

Dahinter verbirgt sich oft ein Schutzmechanismus vor Nähe und Verletzungen. Jedoch ist dieser Schutz so ausgeprägt, dass sie auch den Draht zu sich selbst und ihrer Intuition häufig verloren haben. Sie sprechen häufig von „man“ statt „ich“ und unterhalten selten nähere Beziehungen im Arbeitskontext.

In hitzigen Diskussionen bewahren sie einen kühlen Kopf und bringen das Gespräch zurück auf den Boden der Tatsachen. Sie sind sehr gute Beobachter und bringen Struktur in Teams. Deswegen sind sie wichtige Team-Mitglieder, sollten aber aktiv integriert werden.

Darauf solltet ihr im Umgang mit „Harten Hasen“ achten:


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  • Nicht ungefragt zu nah kommen, also auch keine unangemessen persönlichen Geschenke. Das würde ihn in Verlegenheit bringen statt freuen.
  • Ihn unbedingt zu Team-Events einladen und bewusst einbinden. Häufig brechen diese Veranstaltungen das Eis und ermöglichen dem Team eine neue Ebene der Zusammenarbeit!
  • Nicht emotional argumentieren, sondern auf Basis von Daten und Fakten.
  • Verhaltensbezogen kritisieren. Zum Beispiel: Ich habe dein Verhalten satt“, statt „Du bist so ein kalter Fisch.“ Denn sie sind sehr nachtragend!

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