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Nostalgie: Warum Amerikaner plötzlich die Technologie der 90er lieben

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In ihrer Kolumne beschäftigt sich Marinela mit Entwicklungen in den USA.
geschrieben von Marinela Potor

Die USA sind eine der größten Tech-Nationen dieser Welt. Doch wie stehen eigentlich die Amerikaner selbst zu all dem? Welche Trends begeistern sie, welche gehen völlig an ihnen vorbei? Genau darüber berichtet Marinela Potor – direkt aus den USA – im BASIC thinking US-Update. Diesmal: der neue seltsame Hang von US-Amerikanern zu alter Technologie der 90er.

Normalerweise lieben US-Amerikaner ja alles was neu ist. Das neue Restaurant. Die neue super-scharfe Sauce. Das neueste Smartphone-Modell. Alles, was neu ist, weckt (anders als bei uns Deutschen) grundsätzlich Interesse und Neugierde.

Umso überraschter bin ich deshalb, dass ich um mich herum einen Nostalgie-Trend ausgemacht habe: Amis scheinen neuerdings alte Technologie aus den 90er Jahren zu lieben.


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1990er sind plötzlich cool

Dia-Projektoren, Nintendo-Spielkonsolen und sogar Kassettenrekorder: Als meine Freunde mir in letzter Zeit immer häufiger stolz ihre Nostalgie-Technologie aus den 90ern zeigten, dachte ich mir noch nicht so viel dabei.

Die 90er ist schließlich das Jahrzehnt, in dem wir alle Teenager waren und irgendwann kommt man wahrscheinlich in die Lebensphase, in der man gerne in diesen Erinnerungen schwelgt.

Doch bei genauerem Hinsehen wurde mir klar: Das Revival der 1990er geht über meine Altersgruppe hinaus. Technologie aus den 90ern liegt einfach im Trend in den USA.

Technologie der 90er: Motorola Razr und Sega-Genesis

Wer sich noch an die erste Generation der „coolen“ Handys erinnert, kennt sicherlich auch noch das Motorola Razr.

Weil man ja damals außer Telefonieren und SMS verschicken noch nicht so wirklich viel mit seinem Handy tun konnte, war die neue Klappfunktion beim Razr der letzte Schrei.

Dieses Kult-Handy erlebt jetzt gerade ein Comeback. Zumindest das Design.

Denn Motorola hat sich entschieden, sein Klapphandy neu aufzulegen. Von außen sieht es dabei (fast) genauso aus wie der Klassiker aus den 90ern. Beim Aufklappen ist das neue Motorola Razr aber ein Smartphone.

Egal, was man jetzt von der Technologie darin hält, die Tatsache, dass junge Internet-Nutzer es in sozialen Netzwerken wie Reddit als das „immer noch coolste Handy“  bezeichnen, zeigt mir, dass die Technologie der 90er Jahre eindeutig im Trend liegt.

Dazu gehört zum Beispiel auch die Tatsache, dass es in den USA einen neuen Markt für nostalgische Spielkonsolen der 90er gibt, wie etwa Sega Genesis  und Apple sogar kurzzeitig eine App hatte, mit der dein iPhone wie ein alter iPad aussah.

Wenn man noch etwas weiter blickt, sieht man auch, dass beispielsweise Disney-Klassiker aus dieser Zeit bei US-Amerikanern plötzlich sehr beliebt sind und es kommt sicher auch nicht von ungefähr, dass die 90er Jahre Kult-Serie „Friends“ zu den beliebtesten Shows auf Netflix gehört.

Woher kommt die neue Nostalgie-Welle?

Als jemand, der noch Musik per Walkman gehört hat und sich Nächte mit Tetris spielen um die Ohren geschlagen hat, kann ich die Nostalgie rund um die Technologie der 90er natürlich persönlich gut nachvollziehen.

Doch ich denke, es steckt ein bisschen mehr dahinter als eine Generation, die sich an ihre Jugend erinnert.

Wir stehen gerade am Anfang eines neuen Jahrzehnts mit vielen neuen Herausforderungen. Damit sind auch neue Technologien gemeint, die viele skeptisch sehen oder sogar als bedrohlich empfinden – und das sogar einem Land wie den USA.

Werden Roboter unsere Arbeitsplätze wegnehmen? Macht Big Data uns zum gläsernen Bürger? Werden all unsere Nachrichten in sozialen Netzwerken manipuliert?

Wenn man dazu noch die Sorge um die globale Erwärmung nimmt, die auch in den USA viele teilen, ist der neue Hang zu einem „simpleren“ Technologie-Jahrzehnt aber vielleicht verständlich und in gewisser Weise auch ein normaler Reflex.

In den 90ern hatten wir eine ziemlich große Nostalgie für Dinge aus den 70er Jahren und Angst vor Y2K.

So bin ich mir auch ziemlich sicher, dass wir in 20 oder 30 Jahren mindestens genauso nostalgisch auf das iPhone 11 oder auf die erste Generation der Sprachassistenten wie Siri oder Alexa blicken…

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor hat als klassische Radiojournalistin angefangen, und ist dann unklassisch (und nicht ganz freiwillig) zur digitalen Nomadin geworden. Seit 3 Jahren reist sie um die Welt und schreibt zu politischen, sozialen und digitalen Themen.

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