Wirtschaft

Burnout und Home Office: So verstärkt Corona psychische Belastungen

Burnout, Burnout-Syndrom, Burnout-Symptome
Du fühlst dich ausgebrannt? Corona kann Burnout-Effekt verstärken. (Foto: Unsplash.com / Jacqueline Day)
geschrieben von Marinela Potor

Burnout im Home Office ist immer eine Gefahr. Doch besonders in der Corona-Krise können Lockdown, enge Räume und Sorgen um die Zukunft das Phänomen verstärken. Wir erklären, warum das so ist und was Führungskräfte tun können, um ihre Mitarbeiter zu schützen. 

Wenn man die sozialen Medien nach dem Stichwort „Burnout“ durchsucht, finden sich derzeit natürlich vor allem Hinweise auf Mitarbeiter im Gesundheitswesen und wie sehr die Sorge um das Coronavirus uns derzeit auch psychisch belastet.

Doch ein Thema wird kaum erwähnt: Die Tatsache, dass nun alle im Home Office ständig erreichbar sind – und plötzlich viel mehr arbeiten als vorher.


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Droht Burnout-Welle durch Corona?

Es ist ja eigentlich ein altes Vorurteil: Mitarbeiter im Home Office arbeiten weniger.

Seit Jahren versuchen Befürworter des Arbeitsmodells, Psychologen und Freelancer zugleich zu zeigen, dass das Gegenteil der Fall ist. Tatsächlich arbeiten Mitarbeiter im Home Office oft sogar länger als ihre Kollegen im Büro.

Eine Studie der Universität Stanford hat zum Beispiel gezeigt, dass das Arbeitspensum im Home Office um bis zu 13 Prozent steigt.

Das liegt zum einen daran, dass man schlechter zwischen Arbeitszeit und Freizeit unterscheiden kann, wenn das Büro im eigenen Wohnzimmer ist. Eine E-Mail, die um 21 Uhr noch hereinkommt? Kann man ja noch schnell beantworten. Im Büro dagegen hätte der Kunde wahrscheinlich erst am nächsten Morgen eine Antwort bekommen.

Zum anderen spüren Angestellte im Home Office natürlich auch die Vorurteile vieler Kollegen. Weil sie zeigen wollen, dass sie nicht nur im Schlafanzug Netflix-Serien anschauen, arbeiten sie oft unterbewusst länger.

Wer aber auf Dauer so viel arbeitet, ist irgendwann ausgelaugt und dann ist das Burnout nicht weit. Was schon im normalen Alltag ein Problem ist, wird nun durch die Corona-Krise verstärkt.

Wohnung ist Büro, Schule und Heim zugleich

Denn gefühlt hält nun jeder von uns Videokonferenzen im Wohnzimmer ab, während man „nebenher“ noch Schulaufgaben mit den Kindern macht und das Abendessen für die Familie vorbereitet. Auch für Menschen, die vor Corona im Home Office gearbeitet haben, ist so viel Vermischung von Arbeit und Freizeit neu.

Denn davor waren die Kinder zumindest einen Teil des Tages in der Schule oder in der Kita oder konnten anderweitig betreut werden. Auch als Arbeitsplatz hatte man mehr Optionen als nur das eigene Haus.

Viele Home-Office-Mitarbeiter gehen beispielsweise bewusst während ihrer Arbeitszeit in einen Coworking-Space oder mieten Büroräume an.

Psychologen betonen immer wieder, wie wichtig es ist, klare Grenzen zwischen Job und Feierabend zu ziehen. Und zwar nicht, um dadurch seine Arbeit zu entwerten, sondern auch um im Gehirn eine klare Aufgabenteilung zu schaffen: Jetzt arbeite ich – und jetzt tue ich etwas anderes.

Denn nur wer Arbeit und Freizeit klar trennt, kann im Feierabend dann auch wirklich vom Bürostress abschalten.

Doch das ist nun mit Corona sehr viel schwieriger. Wie soll man klare Grenzen ziehen, wenn das eigene Haus plötzlich zum Büro, zur Schule und zum Familienheim wird? Kein Wunder, dass diese neue Home-Office-Situation viele noch mehr belastet.

Teufelskreis der Sorgen

Hinzu kommt natürlich die generelle Sorge, um die Gesundheit, die Familie und die Zukunft. Schließlich fragen sich auch viele, was eigentlich mit ihrem Job nach Corona wird? Daraus ergibt sich aber auch ein gefährlicher Teufelskreis.

Um diesen Sorgen zu entkommen und sich abzulenken, stürzen sich viele derzeit in ihre Arbeit. Das ist für viele der einzige Bereich, den sie im aktuellen Chaos und bei all der Unsicherheit noch voll im Griff haben.

Auch ist die Einstellung vieler Kunden oder Vorgesetzten derzeit so: Wenn wir schon eh nichts zu tun haben, können wir auch mehr arbeiten. Genau das ist aber der Anfang vom Burnout.

Always-On-Mentalität macht krank

Wie sich das jetzt schon auswirkt, zeigt eine „Geständnis-Serie“ in der Fachpublikation Digiday. Darin berichten Mitarbeiter aus der Medien- und Marketing-Branche aus dem Home Office offen und ehrlich über ihre aktuelle Situation.

Eine Werbe-Texterin gesteht darin etwa: „Es ist irgendwie so, als müsstest du ständig erreichbar sein. Nun geht es darum, wie man Grenzen ziehen kann. Ich habe diese Woche versucht klarer zu sein und zu sagen, wenn ich mich ausklinke und anderen mitzuteilen, wenn ich nicht mehr über die Arbeit sprechen möchte. “

Die durch die Corona-Krise verstärkte „Always-On-Mentalität“ im Home Office ist nämlich nicht nur anstrengend. Wer auf lange Sicht so viel arbeitet und mit einem derart hohen Stresslevel zu kämpfen hat, dem droht tatsächlich der Burnout.

Führungskräfte müssen Pausen ermöglichen

Gerade jetzt, wo wir körperlich und mental besonders stark gefordert sind, ist es wichtig, dass wir uns im Home Office Pausen gönnen und nicht endlose Stunden arbeiten.

Genauso wie du Arbeitszeiten festsetzt, solltest du darum auch feste Zeiten für Pausen haben. Und in diesen dann bewusst nicht auf deine E-Mails schauen oder Kundenanrufe beantworten.

Das kann natürlich ein Mitarbeiter nicht alleine entscheiden. Vielmehr sollten Führungskräfte dies ermöglichen und fördern. Dazu gehört es zum Beispiel, Zeit für Mittagspausen einzuräumen oder die Anzahl der Video- und Telefonkonferenzen pro Tag zu beschränken. Auch sollten klare Regelungen zu Arbeitszeiten gelten.

Eventuell kann es dem Team auch helfen, wenn sie Zugang zu Beratern und Psychologen haben, die ihnen in dieser Zeit zur Seite stehen können.

Denn langfristig ist es einfach nicht sinnvoll seine Mitarbeiter zu überfordern. Schließlich will kein Unternehmen nach Corona das Büro voller Mitarbeiter mit Burnout haben.


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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