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So leichtfertig verspielt Samsung die Loyalität seiner Kunden

Philip Bolognesi
Samsung setzt aktuell aggressiv auf Werbung in hauseigenen Apps. (Foto: Unsplash.com / Kote Puerto)

Wie vergrätzt man Kunden? Samsung weiß es. Denn Smartphone-Besitzer des südkoreanischen Herstellers bekommen zunehmend Samsung-Werbung ausgespielt – und die Liste der Apps mit Eigenwerbung wird länger. Ist das wirklich nötig? Ein Kommentar.

Entweder du hast etwas gewonnen oder bist gerade das Ziel einer Hacker-Attacke: Das war den meisten von uns ja bislang bekannt. Dabei galt und gilt nach wie vor: Nur nichts antippen und keine persönlichen Informationen eingeben. Ansonsten könnte das nächste Abo ins eigene Haus flattern.

Doch machen wir uns nichts vor: Es ist ganz schön nervig. Immerhin konnten und können wir uns mit einer Drittanbieter-Sperre vor derartiger Werbung gut schützen. Und höchstwahrscheinlich werden diese Anzeigen durch die neuen Cookie-Richtlinien von unseren Smartphones verschwinden.

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Was jedoch wohl bestehen bleibt, sind In-App-Anzeigen – vom Smartphone-Hersteller selbst. Xiaomi machte es vor, Samsung legte nun nach: Ständige Werbebotschaften, die das eigene Smartphone zumüllen.

Samsung-Werbung: Eine alte Idee wird nochmal herausgeholt – doch um welchen Preis?

Gänzlich neu ist diese Maßnahme von Samsung nicht. Schon auf Smart-TVs der Südkoreaner wird Werbung ausgespielt. Dort lassen sich die Werbeanzeigen noch ganz einfach abschalten.

Bei Smartphones und Tablets sieht es leider anders aus. Die Werbung findet sich in hauseigenen Apps wie Samsung Health, Music, Pay, Weather sowie in der Anruf-App. Dabei betreibt Samsung Werbung in eigener Sache. Denn häufig preist der Hersteller die eigenen Produkte an.

Darüber hinaus erhalten Nutzer auch Push-Benachrichtigungen. Ob ein Adblocker helfen kann, wird sich erst herausstellen. Was jedoch schon jetzt richtig nervt: Sämtliche Anzeigen und Einblendungen lassen sich nicht deaktivieren.

Das Ziel von Samsung ist dabei relativ einleuchtend: Neue Daten versprechen mehr Anknüpfungspunkte, mehr Werbung und somit mehr Umsatz. Es mag ja wahrscheinlich Nutzer geben, die die aggressive Samsung-Werbung nicht stört. Doch dann sollte man es schon richtig machen.

So kann es durchaus sein, dass Nutzer eines neuen Samsung Galaxy S20* auch Werbung zu eben jenem Modell erhalten. Personalisiert ist also hier nichts, ein Targeting nicht existent. Das Prinzip Gießkanne wird einfach ausgerollt.

Wenig überraschend: Samsung-Kunden zeigen sich aktuell nicht erfreut über die Maßnahmen, mit denen der Konzern Nutzerdaten sammelt.

Kundenloyalität oder Gewinn?

Was ist also davon zu halten? Gewinnmaximierung um jeden Preis? Klar ist, dass Samsung mit den In-App-Anzeigen sehr viel Geld verdienen kann. Es ist ein sehr nützlicher Weg, um Werbeanzeigen individuell bei seinen Zielgruppen zu platzieren.

Und immerhin geht es hier um den größten Smartphone-Produzenten überhaupt. Werden wir also schwach, wenn wir auf unserem Galaxy Note noch eine hereinflatternde Samsung Watch zu Gesicht bekommen? Impulskäufe also, während man gerade einen Telefonanruf beendet?

Ich wage es zu bezweifeln. Samsung sollte eher überlegen, ob es nicht aus anderen Datenschutz-Skandalen seine Lehren ziehen sollte, ehe es Kunden mit solchen Ausspielungen vor den Kopf stößt.

Die oft zitierte Customer Experience bleibt dabei auf der Strecke. Und die Kundenloyalität wahrscheinlich auch.

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Philip Bolognesi war von 2018 bis 2020 in der Redaktion von BASIC thinking tätig. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und ist zertifizierter Social-Media-Manager. Zuvor hat er als freiberuflicher Online-Redakteur für CrispyContent (Serviceplan Berlin) gearbeitet und mittelständische Unternehmen in ihrer Online-Kommunikation beraten. Ihn trifft man häufig im Coworking-Space Hafven in Hannover.