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Facebook ändert seinen Algorithmus – und trotzdem ändert sich nichts

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Mit seinen Anpassungen will Facebook vertrauenswürdige Quellen und Posts bevorzugen. (Foto: Unsplash.com / Glen Carrie)
geschrieben von Philip Bolognesi

Das größte soziale Netzwerk der Welt will ein Zeichen für mehr Transparenz setzen. Doch was steckt konkret hinter den Anpassungen? Was bringt ein neuer Facebook-Algorithmus? Und ändert sich überhaupt was? Eine kritische Einordnung.

Seit Wochen können wir über die Medien bei Facebook angeregte Betriebsamkeit feststellen. Dazu gehört auch eine Ankündigung aus den letzten Juni-Tagen des Jahres 2020. Da teilte die Plattform nämlich mit, wichtige Änderungen am Facebook-Algorithmus vornehmen zu wollen.

Und dabei geht es – das wird viele von uns überraschen – nicht um Werbung und Einnahmen, sondern um Journalismus. Konkret im Fokus stehen dabei zwei wesentliche Einfluss- und Ranking-Faktoren, die verantwortlich für unseren Newsfeed sind.


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Neuer Facebook-Algorithmus soll sich auf Primärquellen fokussieren

Facebook will laut eigener Aussage Primärquellen von Nachrichten bevorzugt behandeln. Die Neuerungen gelten nicht nur für Mitteilungen mit nachrichtlichem Wert, sondern auch für detaillierte Recherchen und Augenzeugenberichte.

Der neue Facebook-Algorithmus wird künftig also die ursprüngliche Quelle einer bestimmten Nachricht höher ranken und entsprechend im Feed ausspielen. Um dies überhaupt feststellen zu können, will Facebook künftig Nachrichten zu einem bestimmten Thema gruppieren.

Die zweite Änderung beruft sich auf die journalistische Transparenz. Enthält eine Nachricht keine weiterführenden Angaben zum Autoren oder zum Publisher, stuft das Netzwerk den Post herunter.

Facebook gibt an, damit auf das Feedback seiner Nutzer zu reagieren. Ebenso kommt der Konzern wissenschaftlichen Empfehlungen entgegen. Originale Inhalte seien wichtig für die Informationverbreitung und somit essenziell für die Menschen weltweit, bekundet Facebook.

Lippenbekenntnisse aufgrund fallender Werbeeinnahmen?

Der Zeitpunkt dieser Änderungen lässt uns aufhorchen. Denn aktuell boykottieren immer mehr Unternehmen Facebook und verzichten auf Werbeanzeigen auf der größten Social-Media-Plattform. Da ergibt ein neuer Facebook-Algorithmus, der Vertrauen schafft, natürlich Sinn.

So hängen beide Faktoren vermutlich zusammen, obwohl Facebook bekundet, dass die bislang nur für englischsprachige Beiträge umgesetzten Änderungen schon länger geplant seien.

Die jüngsten Diskussionen um die Richtlinien und die Haltung Facebooks gegenüber Hate Speech, Rassismus und Fake News hätten beim aktuellen Vorhaben keine Rolle gespielt.

Ob diese Aussage der Wahrheit entspricht, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Und Facebook verspielt hier eine wichtige Chance, mit einer eindeutigen und transparenten Positionierung sich gegen Hasskommentare und fingierte Nachrichten, die keiner kritischen Überprüfung standhalten, auszusprechen.

Doch vielleicht sind die Ankündigungen von Facebook auch zu kurz gedacht.

Kann sich der Facebook-Algorithmus überhaupt neu erfinden?

Halten wir uns vor Augen, wie der Newsfeed bei Facebook funktioniert. Dieser ist maßgeblich davon beeinflusst, wie wir Nutzer mit Beiträgen interagieren. Und so kann Facebook uns nicht aufzwingen, welche Primärquellen wir nun schlussendlich verbreiten sollen und welche als unglaubwürdig betrachtet werden.

Denn jeder Nutzer hat seine eigenen Präferenzen und viele von ihnen schenken eher einzelnen Personen ohne offensichtlichen monetären Hintergrund ihr Vertrauen als einem großen Medienverlag.

Doch die Änderungen und die Motive von Facebook nach mehr Transparenz und Originalität sind durchaus als positiv zu bewerten.

Schlussendlich haben wir es selbst in der Hand, wie wir die Welt sehen wollen und sich Facebook entwickelt. Und vor der anstehenden Präsidentschaftswahl in den USA ist das kein falsches Signal.


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Über den Autor

Philip Bolognesi

Philip Bolognesi arbeitet seit Anfang September 2018 in der Redaktion von BASIC thinking. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und ist zertifizierter Social-Media-Manager. Zuvor hat er als freiberuflicher Online-Redakteur für CrispyContent (Serviceplan Berlin) gearbeitet und mittelständische Unternehmen in ihrer Online-Kommunikation beraten. Ihn trifft man häufig im Coworking-Space Hafven in Hannover. Er ist begeisterter Tischtennisspieler, Fitness-Fan und permanent auf der Suche nach interessanten Themen aus den Bereichen Social Media, Marketing und Ernährung.

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