Wirtschaft

Die (Un)Vereinigten Staaten von Amerika: Wie das Land auseinander bricht

USA, Wolkenkratzer
Die Wirtschaftskrise in den USA nimmt ihren Lauf. Warum schreiten die großen Tech-Konzerne nicht ein? (Foto: Pixabay.com / jplenio)
geschrieben von Vivien Stellmach

Die Tech-Riesen Google, Apple, Facebook und Amazon verzeichnen auch in der Corona-Krise weiter Milliardengewinne und übertreffen die Markterwartungen. Währenddessen steigen die Arbeitslosenzahlen massiv. Brechen die USA langsam auseinander? Eine kommentierende Analyse.

Die vier großen Tech-Konzerne Google, Apple, Facebook und Amazon (GAFA) verbuchen auch in der Corona-Pandemie Milliardengewinne.

Amazon konnte natürlich von der großen Nachfrage beim Online-Shopping profitieren. Das Unternehmen machte im zweiten Jahresquartal 2020 ein Umsatzplus von 40 Prozent auf 88,9 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn verdoppelte sich beinahe auf 5,2 Milliarden US-Dollar im Vergleich zu 2019.


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Facebook ist in der Corona-Krise zwar langsamer als sonst gewachsen, konnte seinen Umsatz aber immer noch um elf Prozent auf 18,8 Milliarden US-Dollar steigern. Normal lag das Wachstum vor der Krise bei rund 20 Prozent.

Googles Gewinn brach im Jahresvergleich von 9,95 Milliarden auf 6,96 Milliarden US-Dollar ein. Der Konzern musste in der Krise höhere Kosten und sinkende Werbe-Einnahmen hinnehmen. Deshalb gingen zum ersten Mal überhaupt die Erlöse zurück, nämlich um acht Prozent auf 29,9 Milliarden US-Dollar.

Und bei Apple stieg der iPhone-Umsatz etwas überraschend um 1,7 Prozent auf 26,4 Milliarden US-Dollar. Der Gesamtumsatz stieg sogar um elf Prozent auf 59,7 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Gewinnwachstum von zwölf Prozent auf 11,25 Milliarden US-Dollar.

USA: Tech-Riesen verzeichnen Gewinne in Milliardenhöhe während Arbeitslosenzahlen steigen

Die Tech-Riesen in den USA verzeichnen also weiter milliardenschwere Gewinne – trotz anhaltender Corona-Krise. Aber geht mit so einer großen Marktmacht nicht eigentlich auch genauso viel Verantwortung einher?

Denn während sich Facebook und Co. die Taschen voll machen, steigen gleichzeitig auch die Arbeitslosenzahlen der Unter- und Mittelschicht in den USA rasant an.

Der Spiegel berichtet, dass, begünstigt durch die Corona-Pandemie, rund 1,4 Millionen Menschen einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt haben – in nur einer einzigen Woche.

Vor den getroffenen Corona-Maßnahmen soll die Zahl der wöchentlichen Neuanträge selten über 100.000 gestiegen sein. Weil die USA ihre Wirtschaft im Frühjahr aber stark heruntergefahren hat, stiegen sie teilweise auf mehr als fünf Millionen pro Woche.

Wirtschaftseinbruch in den USA: Müssen Facebook und Co. helfen?

Laut der US-amerikanischen Regierung schrumpfte von April bis einschließlich Juni 2020 demnach auch das Bruttoinlandsprodukt aufs Jahr hochgerechnet um 32,9 Prozent. Die Wirtschaftslage in den USA ist also kritisch – und die Schere zwischen Arm und Reich scheint auch immer weiter auseinander zu gehen.

Womit wir bei der Frage wären: Müssen Facebook und Co. mit ihrer enormen Marktmacht nun nicht eigentlich helfen, etwas gegen den Wirtschaftseinbruch in den USA zu unternehmen?

Tech-Konzerne sind keine Arbeitsagenturen, aber …

Natürlich stehen die Tech-Konzerne nicht unbedingt in der Pflicht, die Wirtschaft in den USA anzukurbeln und Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Das gilt aber nur dann, wenn wir von einer kapitalistischen, profitgierigen Gesellschaft ausgehen.

In der leben wir aktuell leider auch. Wenn man die Sache aber von einer anderen Seite angeht, könnten Facebook und Co. aus Menschlichkeit und Nächstenliebe ihre Marktmacht nutzen und zum Beispiel neue Arbeitsplätze schaffen.

Das Problem in den USA ist nämlich, dass das soziale Arbeits- und Rückfallsystem – zum Beispiel Kurzarbeit – nur in marginaler Ausprägung existiert. Das heißt: Wenn Amerikaner ihren Job verlieren, fällt ihnen auch die soziale Sicherung weg.

Die Reichen werden de facto immer reicher, die Armen immer ärmer – und die USA brechen immer weiter auseinander.

Mit Macht kommt Verantwortung

Genau da könnten Google, Apple, Facebook und Amazon mit ihrer starken Ausgangslage gezielt Einfluss nehmen. Denn mit Macht kommt schließlich Verantwortung.

Bislang haben die großen Technologie-Konzerne sie aber nicht angenommen und sich hauptsächlich auf sich konzentriert. Ob man ihnen dazu einen Vorwurf machen kann? Vielleicht.


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Über den Autor

Vivien Stellmach

Vivien Stellmach ist seit Mai 2019 Redakteurin bei BASIC thinking. Nebenbei schreibt sie als freie Autorin über alternative Musik für das VISIONS Magazin. Sie liebt Fußball, steht seit ihrem siebten Lebensjahr selbst auf dem Rasen und hält zum SV Werder Bremen.

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