Wirtschaft

Warum es Zeit für ein G20 Entrepreneur Visa Program ist

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Es muss für Unternehmer einfacher werden, im Ausland zu gründen. (Foto: Pixabay.com / jackmac34)
geschrieben von Carsten Lexa

Wenn Unternehmer und Gründer ihre Firma internationalisieren wollen, stehen ihnen zahlreiche Hindernisse im Weg. Ein neues Visum für Unternehmer kann dabei Abhilfe schaffen. Doch was versteckt sich genau hinter dem G20 Entrepreneur Visa Program?

Auf dem G20-Gipfel in China 2016 wurde die Frage gestellt: „Wie kann Unternehmertum unterstützt werden, um mehr Menschen in Beschäftigungsverhältnisse zu bringen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Beschäftigung von jungen Menschen liegt?“

Diese Frage wurde 2017 im Rahmen des Gipfels der G20 Young Entrepreneurs‘ Alliance erneut aufgegriffen. Dabei handelt es sich um die weltweit größte Vereinigung junger Unternehmerinnen und Unternehmer in den G20-Staaten.

Und gerade jetzt in der Corona-Zeit ist es dringender denn je, dass wir uns fragen, wie wir die Wirtschaft stärken können, um die negativen Folgen für die Menschen abzufedern. Eine Maßnahme, die massiv helfen würde, ist ein G20 Entrepreneur Visa Program.

Die Probleme von jungen Gründern

Wie jeder Unternehmer weiß, sind die Schwierigkeiten bei der Gründung und bei den ersten Schritten eines Unternehmens vielfältig. Es gilt, Finanzmittel zu beschaffen sowie rechtliche und administrative Hürden zu überwinden.

Ebenso ist es wichtig, Kunden in einer Welt zu erreichen, die sich auf Plattformen konzentriert. Ein weiteres Problem, das jedoch nicht immer so schnell erkannt wird, ist Mobilität. Der Aufbau eines Unternehmens im Ausland und die Rekrutierung von Talenten vor Ort ist unheimlich stressig.

Es überrascht nicht, dass nach Angaben der US Small Business Administration in den USA beispielsweise nur etwa 1,5 Prozent der Unternehmen international tätig sind. In vielen anderen Ländern sind die Zahlen vergleichbar.

Darüber hinaus sind derzeit aufgrund der Corona-Beschränkungen viele Volkswirtschaften der Welt mit verlangsamten Wachstumsraten und steigender Arbeitslosigkeit konfrontiert. Besonders betroffen sind dabei junge Menschen. Dabei liegt hier ein besonderes Potenzial.

Junge Unternehmen stellen grundsätzlich mehr junge Menschen ein als durchschnittliche Unternehmen. Nach Untersuchungen der G20 Young Entrepreneurs‘ Alliance (G20 YEA) betonten junge Unternehmer, dass sie deutlich mehr Arbeitsplätze schaffen würden.

Die Voraussetzung: Es muss einfacher werden, Unternehmen zu internationalisieren.

Das G20 Entrepreneur Visa Program als Chance

Natürlich ist eine Internationalisierung nicht für alle Unternehmen so einfach möglich. Die digitale Wirtschaft und ihre neuen Handelsplattformen eröffnen jedoch auch sehr kleinen Unternehmen die Möglichkeit, Kunden im Ausland zu erreichen.

Viele Geschäftsmodelle ändern sich. Sie können leicht global aufgestellt oder so angepasst werden, um global durchgeführt zu werden. Aus diesem Grund ist die G20 YEA der Ansicht, dass die Unterstützung (junger) Unternehmen bei der Internationalisierung ein wesentlicher Bestandteil der Lösung der Jugendarbeitslosigkeit ist.

Eine Möglichkeit, die gewaltiges Potential verspricht, ist das G20 Entrepreneur Visa Programm. Dieses stärkt nicht nur die Wirtschaft einzelner Länder. Es schafft auch Arbeitsplätze und erleichtert die Internationalisierung.

Die Vorteile für Länder, die ausländische Unternehmen bei Aktivitäten in ihrem Land unterstützen, sind bezeichnend:

  • Erstens würde sich dies direkt positiv auf die Zahl der neuen Unternehmen und Arbeitsplätze auswirken. In Irland beispielsweise haben 20 Unternehmer, denen ein Visum erteilt wurde, zwischen April 2012 und März 2014 insgesamt 220 Arbeitsplätze erschaffen.
  • Zweitens ist das G20 Entrepreneur Visa Program eine effiziente und schnellere Möglichkeit, Migranten zu integrieren. Es stellt zudem sicher, dass sie zur lokalen Wirtschaft beitragen. Sie müssen Steuern zahlen und die Geschäftsregeln eines Landes lernen.
  • Schließlich senden Visumpolitiken, die Start-ups und (junge) Unternehmer anziehen sollen, ein starkes Signal an die Welt, dass dieses Land offen ist. Darüber hinaus machen sie ein Land für vermögende Investoren und erfolgreiche Unternehmer sichtbarer und attraktiver. In Chile hat ein solches Programm in den ersten fünf Jahren nach der Umsetzung über 100 Millionen US-Dollar an privatem Kapital aufgebracht. Hinzu kommen mehr als 2.000 neue Unternehmer.

Der Gedanke hinter dem G20 Entrepreneur Visa Program

Die Idee der G20 YEA für das G20 Entrepreneur Visa Programm – oder kurz Unternehmervisum – basiert auf denselben Grundsätzen wie das „Working Holiday Visum“. Das ist eine Art eines Visums, das in vielen Ländern bereits vorhanden ist.

Dazu gehören Argentinien, Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Indonesien, Italien, Japan, Korea, Mexiko, das Vereinigte Königreich und die USA.

Das G20 Entrepreneur Visa Program ist ein ähnlicher und einfacher Prozess mit Mobilitätsvorteilen, starker administrativer Vereinfachung bei Themen, die für junge Unternehmer relevant sind, und mit starker Unterstützung für das Unternehmertum.

1. Die Dauer

Das Unternehmervisum sollte für bis zu zwei Jahre eingeführt werden. In dieser Zeit betreiben junge Unternehmerinnen und Unternehmer und ihre Familien ihre Geschäfte im Ausland. Es sollte sich um ein Visum für die mehrfache Einreise mit einer maximalen Aufenthaltsdauer von zwei Jahren handeln.

Um Missbrauch zu begrenzen, braucht es bestimmte Kriterien für die Auswahl relevanter Kandidaten. Diese Kriterien sollten jedoch zwischen den G20-Staaten koordiniert werden und Unternehmer unterstützen und sie nicht daran hindern, das Unternehmervisum zu beantragen.

2. Der Antrag

Die Verfahren zur Erlangung des Unternehmervisums sollten so einfach wie das Working Holiday Visum sein. Ziel ist es, die Kosten für den Antrag zu senken. Die Kosten sind in diesem Fall natürlich Geld. Aber es ist eben auch – und vielleicht noch wichtiger – Zeit.

Ideal wäre es, wenn es Unternehmern für einen bestimmten Zeitraum erlaubt wäre, in einem anderen Land Geschäfte zu machen, wie als wären sie in ihrem eigenen Land.

3. Die Voraussetzungen

Das Unternehmervisum sollte den Unternehmern Zugang zu dem jeweiligen Land gewähren. Außerdem sollte es ihnen ermöglichen, während des Zeitraums des G20 Entrepreneur Visa Program ihre Geschäfte im Ausland zu tätigen, ohne ein Unternehmen im jeweiligen Land registrieren zu müssen.

Wenn sie jedoch ein Unternehmen für ihr Geschäft benötigen, sollten sie in der Lage sein, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung online zu gründen und zu registrieren. Die Kosten sollten dabei gering ausfallen. Ebenso sollte auf beteiligte Institutionen verzichtet werden.

Die Gründung sollte mit sehr geringem oder keinem Mindestkapital erfolgen. Dies könnte bis zu einem bestimmten Umsatz gelten. Wenn diese Umsatzschwelle erreicht ist, muss das Unternehmen in ein reguläres Unternehmen im jeweiligen Land umgewandelt werden.

Die Verwaltungsaufgaben wie die Registrierung eines Wohnsitzes oder die Einreichung einer Steuererklärung sollten einfach, leicht und – wenn möglich – online machbar sein. Die Compliance-Kosten sollten niedrig ausfallen.

Das ist zum Beispiel durch Vereinfachung bestehender Gesetze und Vorschriften für Unternehmer durch das G20 Entrepreneur Visa Program möglich. Das Ziel: Die Belastungen für solche Unternehmen gering halten.

4. Die Unterstützung

Unternehmer sollten sich auf das konzentrieren, was sie am besten wissen und können. Das ist ihr Geschäft. Daher besteht ein wesentlicher Bestandteil des G20 Entrepreneur Visa Program darin, Unternehmen bei der Förderung des Unternehmertums in einem Land zu unterstützen.

Wie die Untersuchungen immer wieder zeigen, ist Mentoring dafür ein extrem hilfreiches Instrument. Das Programm soll Unternehmern Zugang zu Mentoring-Programmen bieten.

Für die Mentoring-Programme bietet sich eine Zusammenarbeit mit Regierungsorganisationen, Inkubationszentren, Universitäten und privaten Organisationen an. Sie zielen darauf ab, Unternehmern beim Aufbau ihrer Netzwerke zu helfen.

Zudem sollen sie praktische Empfehlungen geben und den Zugang zu Finanzmitteln erleichtern. Es geht also darum, den Unternehmen zu helfen, ihr Geschäft vor Ort zu stärken. Gleichzeitig wird die Zeit dafür reduziert und es wird ihnen geholfen, kostspielige Fehler zu vermeiden.

Fazit zum G20 Entrepreneur Visa Program

Wenn jetzt darüber nachgedacht wird, wie in der Post-Corona-Phase die Wirtschaft eines Landes gestärkt werden kann, stellt das G20 Entrepreneur Visa Program eine starke Maßnahme dar.

Die G20-Staaten sollten Unternehmerinnen und Unternehmer einladen, Firmen in ihren Ländern zu gründen. Dabei müssen die Hürden möglichst niedrig sein. Eine koordinierte Initiative auf G20-Ebene würde die Geschäftstätigkeit in den größten Volkswirtschaften der Welt erheblich erleichtern.

Das wiederum ist ein starkes Signal für die restliche Welt. Es zeigt, wie wichtig Unternehmertum ist und dass sich die Unterstützung von Unternehmertum auszahlt. Wäre das nicht lohnenswert?

Hinweis: Ich hatte die Ehre, von 2016 bis2017 die G20 YEA Deutschland und darüber hinaus 2017 die G20 YEA International, das weltweit größte Sprachrohr junger Unternehmer mit rund 500.000 Mitgliedern, als Präsident zu leiten.

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Über den Autor

Carsten Lexa

RA Carsten Lexa berät seit über 10 Jahren deutsche und internationale Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschaftsrechtlicher Art, z.B. bei Gründungen, Strukturierungen oder Vertragsgestaltungen aber auch zu rechtlich-strategischen Fragen. Darüber hinaus war er Weltpräsident der G20 Young Entrepreneurs´ Alliance (G20 YEA), Mitglied der B20 Taskforces und Rechtsbeistand der Wirtschaftsjunioren Deutschland. Er ist Mitinitiator der Gründerinitiative Gründen@Würzburg und Botschafter der Oskar-Patzelt-Stiftung für die Auszeichnung „Großer Preis des Mittelstands“. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und unternehmensrechtlichen Fragen.

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