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Bald kein Facebook und Instagram mehr in Europa? Facebook macht Druck

Facebook, Facebook und Instagram
Europa ohne Facebook und Instagram? Das ist äußerst unwahrscheinlich. (Foto: Unsplash.com / thoughtcatalog)
geschrieben von Vivien Stellmach

Der Datenaustausch zwischen Europa und den USA obliegt strengen Richtlinien. Das scheint Facebook und Instagram gar nicht zu gefallen, denn nun macht Mark Zuckerberg Druck damit, den europäischen Markt zu verlassen. Aber ist das überhaupt wahrscheinlich?

Die irische Data Protection Commission (DPC) hat entschieden, dass vorerst keine europäischen Nutzerdaten mehr in die USA übermittelt und dort ausgewertet werden dürfen.

Diese Verfügung folgt auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes, laut dem das EU-US-Privacy Shield, das als Grundlage für einen Großteil von Datentransfers aus der EU in die USA diente, ungültig sei.


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Hintergrund dafür war unter anderem die Sorge, dass der US-amerikanische Geheimdienst die Facebook-Nutzerdaten untersuchen könnte. Es heißt, die Daten von EU-Bürgern müssen besser geschützt werden.

Mit der strengeren Regelung scheinen Facebook und das Tochter-Unternehmen Instagram allerdings überhaupt nicht zufrieden zu sein.

Die irische Facebook-Datenchefin Yvonne Cunnane sagt gegenüber dem Magazin Vice: „Es ist nicht ersichtlich, wie wir unter diesen Umständen weiterhin die Dienste von Facebook und Instagram in der EU bereitstellen könnten.“

Bald kein Facebook und Instagram mehr in Europa?

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes betraf rund 5.000 Firmen. Facebook bemängelt an der Klage der DPC nun allerdings, dass es bislang als einziges Unternehmen wirklich mit der neuen Regelung konfrontiert wird.

Dass Facebook und Instagram sich aus diesem Grund aus Europa zurückziehen wollen, soll laut einem Sprecher aber nicht als Drohung zu verstehen sein. Es handele sich lediglich um eine Überlegung und Beschreibung der technischen Lage.

Facebook hat 410 Millionen Nutzer in Europa

Wie das Motiv auch aussehen mag: Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass Facebook und Instagram ihre Dienste in Europa einstellen. Schließlich hat Facebook 410 Millionen Nutzer in der EU.

Hinzu kommt, dass laut den Angaben von Facebook europäische Unternehmen über die eigene Plattform Verkäufe in Höhe von 200 Milliarden Euro im Jahr 2019 generiert haben.

Zudem beschuldigte Cunnane die irische Datenschutzbeauftragte Helen Dixon, die Entscheidung als Einzelperson getroffen und Facebook damit ungünstig behandelt zu haben.

Es scheint demnach, als würde Facebook alles unternehmen, um die besten Bedingungen für den europäischen Betrieb herauszuholen. Cunnane beklagte nämlich auch, dass die DPC das Unternehmen zu spät über die anstehenden Entscheidungen informiert habe.

Facebook hat jetzt noch drei Wochen Zeit, auf die strengeren Datenschutz-Regelungen zu reagieren.

So groß ist der europäische Markt im weltweiten Vergleich

Die 410 Millionen europäischen Nutzer machen einen gewichtigen Anteil im weltweiten Vergleich aus. Insgesamt nutzen Facebook und Instagram nämlich rund 1,8 Milliarden Menschen täglich und 2,7 Milliarden monatlich.

Wenn der Umsatz von rund einem Viertel der weltweiten Nutzer wegfällt, bemerkt das Facebook definitiv. Im zweiten Quartal 2020 hat Facebook insgesamt 18,6 Milliarden US-Dollar Umsatz generiert. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einer Steigerung um zehn Prozent.

Abgesehen vom amerikanischen Heimatmarkt verzeichnet Facebook die zweitmeisten Nutzer in der Region Asien-Pazifik. Dennoch liegt es nicht im Interesse von Facebook, den europäischen Markt zu vernachlässigen oder gar komplett aufzugeben.


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Über den Autor

Vivien Stellmach

Vivien Stellmach ist seit Mai 2019 Redakteurin bei BASIC thinking. Nebenbei schreibt sie als freie Autorin über alternative Musik für das VISIONS Magazin. Sie liebt Fußball, steht seit ihrem siebten Lebensjahr selbst auf dem Rasen und hält zum SV Werder Bremen.

2 Kommentare

  • Irgendwie glaube ich an sowas nicht. 741 Millionen Leuten gibt es in Europa. Und von so vielen Menschen jetzt einfach so aufzugeben scheint für mich unrealistisch aus.

  • Oft habe ich mich gefragt, warum ich dystopische Erzählungen so mag. Ich ahne es. Weil es in vielen dieser Erzählungen Licht am Ende des Tunnels gibt. Und weil wir längst auf der Schwelle einer Dystopie stehen. Das Internet, das eine so fundamental veränderte Möglichkeit bietet für globale Kommunikation und – vielleicht – Einigung, es gehört nicht den Nutzern und nicht jenen, die Inhalte produzieren. Instagram, Facebook, Google Search, Twitter, Youtube, diverse Blog-Plattformen… KEINE dieser Plattformen garantiert und, dass dort gespiegelte Lebensläufe dauerhaft verfügbar sind. Es gibt KEINEN Weg des Umzugs zu alternativen Plattformen, keine funktionierende Möglichkeit, Backups offline anzusehen, und wenn wir uns kritisch äußern, wird es in naher Zukunft so sein, dass sei uns einfach individuell von der Nutzung ausschließen. Die Mechanismen haben ihnen teils unsere eigenen Regierungen aufgebürdet: nämlich ohne Transparenz und öffentliche Gerichtsbarkeit Urteile über Inhalte fällen zu sollen.

    Die 741 Millionen Menschen mögen eine kleine Verzögerung bewirken – aber letztlich werden weltumspannende Konzerne problemlos auf ein paar Milliarden verzichten, wenn sie so zumindest anderswo ihre Position stärken und ihren Willen durchsetzen können.

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