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Twitter Fleets: Ist die neue Stories-Funktion von Twitter wirklich eine gute Idee?

Vivien Stellmach
Die Twitter Fleets sollen neuen Nutzern die Angst nehmen, Beiträge zu posten. (Foto: Unsplash.com / freestocks)

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Nach erfolgreichem Test können wir auf Twitter nun weltweit Nachrichten und Beiträge posten, die nach 24 Stunden verschwinden. Obwohl die Twitter Fleets eine andere Intention verfolgen als die bekannten Stories, sind die Unterschiede gering. Wir schauen uns die Funktion an.

Facebook, Instagram und Co. haben die ursprünglich von Snapchat stammenden Stories erfolgreich kopiert. Gerade bei Instagram kommt die Funktion extrem gut an, weil sie wie eine Spielwiese für Schnappschüsse und spontane Kurzvideos ist.

Twitter hat in den vergangenen Monaten ebenfalls mit Stories experimentiert. Der Kurznachrichten-Dienst testete die sogenannten Twitter Fleets in Brasilien, Italien, Indien und Südkorea.

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Der Test verlief so erfolgreich, dass Twitter die neue Funktion nun weltweit zur Verfügung stellt. Nutzer können ab sofort Nachrichten und Beiträge posten, die sich nach 24 Stunden selbst zerstören.

Was sind Twitter Fleets?

In den Twitter Fleets können Nutzer Fotos, Videos und Texte teilen. Bald sollen wie bei Instagram auch Sticker und Live-Übertragungen hinzukommen.

Die Wortschöpfung Fleets steht für „fleeting tweets“, was übersetzt soviel wie „flüchtige Tweets“ heißt. Sie erscheinen in der eigenen Timeline über den dauerhaft erhaltenen Tweets.

Fleets zerstören sich nach 24 Stunden selbst, damit Nutzer flüchtige Gedanken teilen können und sich keine Sorgen um deren Erhalt machen müssen. Man kann sie auch nicht retweeten oder liken.

Produktchef Kayvon Beykpour erklärt, dass man – wie bei Instagram – nur mit einer Direktnachricht auf Fleets reagieren kann.

Welches Ziel verfolgen die Fleets?

Twitter verfolgt mit den Fleets mehrere Ziele. Nutzer, die neu auf der Plattform sind, sollen sich zum Beispiel schneller auf ihr zurechtfinden, da sie die Struktur bereits von Instagram und Co. kennen.

Zudem möchte das Unternehmen die Hemmschwelle für schüchterne Nutzer senken, Beiträge zu posten. In den Testläufen habe Twitter bemerkt, dass neue und zurückhaltende Nutzer die Fleets gut aufgenommen hätten.

Die Fleets sollen also die Kommunikation fördern. Twitter erhofft sich offenbar, durch sie wieder mehr Interaktionen hervorzurufen.

„Wer neu bei Twitter war, fand die Fleets eine einfachere Möglichkeit, zu teilen, woran er gerade denkt“, sagen Twitter-Produktmanagerin Sam Haveson und Design-Direktor Joshua Harris.

Weil Fleets nach einem Tag aus dem Blickfeld verschwinden, falle es Menschen leichter, persönliche und flüchtige Gedanken, Meinungen und Gefühle zu teilen.

So reagiert die Community auf die Twitter Fleets

Allerdings nimmt die Community die Twitter Fleets nicht geschlossen positiv auf. Vor allem langjährige Nutzer reagieren mit Spott.

Der deutsche Fernsehmoderator und DJ Jan Köppen fragt zum Beispiel: „Twitter jetzt mit Stories, Insta mit Guides und Shops. Wollen wir das nicht einfach alles bündeln und Internet nennen?“

Und auch Titanic-Chefredakteur Moritz Hürtgen macht sich über die neue Funktion lustig: „Überlege, meine besten Fleets auch dem Instagram-Publikum zu präsentieren.“

Ein anderer Nutzer schreibt, dass die Fleets für stagnierende Likes sorgen würden. Das könnte eine berechtigte Sorge sein, wenn Nutzer sich mehr auf das Anschauen von Fleets konzentrieren. Allerdings stellen die selbstzerstörerischen Beiträge keine Alternative zu den normalen Tweets dar.

Wie sich das Nutzerverhalten auf Twitter verändert, sollten wir also erst einmal abwarten.

Braucht wirklich jedes soziale Netzwerk jetzt Stories?

Neben Instagram haben beispielsweise auch WhatsApp und LinkedIn die Stories-Funktion integriert. Doch braucht wirklich jedes soziale Netzwerk jetzt Stories? Wenn man sich die Reaktionen der Twitter-Nutzer anschaut, dürfte die Antwort auf diese Frage „Nein“ lauten.

Gerade Twitter sollte sich als Kurznachrichten-Dienst vor allem auf ebenjene Nachrichten konzentrieren. Und für Nachrichten braucht es keine selbstzerstörende Funktion. Twitter scheint sich jedoch immer mehr von seinem ursprünglichen Motiv zu entfernen und mit anderen Netzwerken mithalten zu wollen.

Wenn sich der Trend fortsetzt, sieht in einigen Jahren (oder Monaten) jedes soziale Netzwerk gleich aus. Dann verschwinden die Alleinstellungsmerkmale der einzelnen Plattformen. Und warum sollten wir dann noch in mehreren Netzwerken aktiv sein?

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Vivien Stellmach war von Mai 2019 bis November 2020 Redakteurin bei BASIC thinking.