Wirtschaft

Home-Office-Steuer? Ich glaube, mein Schwein pfeift!

Deutsche Bank, Niederlassung, Home-Office-Steuer
Luke Templeman von der Deutschen Bank hat eine Home-Office-Steuer ins Spiel gebracht. (Foto: Pixabay.com / sheadquarters)
geschrieben von Christian Erxleben

Luke Templeman ist so etwas wie der Heilige der Präsenz-Liebhaber, Home-Office-Verweigerer und Menschenmassengänger. Der Makrostratege der Deutschen Bank hat eine absurde Home-Office-Steuer von 7,69 Euro am Tag vorgeschlagen. Ein Kommentar.

Eigentlich kommt es im Leben immer darauf an, wie viel Geld man selbst besitzt. Je mehr es ist und je mehr jeden Monat durch das Gehalt dazukommt, desto leichter ist es, über Abgaben und zusätzliche Zahlungen zu schwadronieren.

Was sind schon ein paar Euro am Tag, wenn ich im Monat 10.000 oder sogar 20.000 Euro verdiene? Peanuts! Bei Luke Templeman muss die finanzielle Situation auch gut aussehen. Schließlich arbeitet er als führender Ökonom und Makrostratege für die Deutsche Bank.


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Und außerdem hat er kürzlich mit einem absurden Vorschlag auf sich aufmerksam gemacht: Er fordert eine Home-Office-Steuer in Höhe von 7,69 Euro in Deutschland – pro Tag.

Ich arbeite im Home Office, deswegen esse ich nichts

Wie kommt der Banker auf diese Idee? Seine Argumentation entstammt einem Papier mit Vorschlägen für eine Post-Corona-Zeit. Sein Argument für seinen Steuervorschlag: Wer im Home Office arbeitet, nutzt keine Öffentlichen Verkehrsmittel und unterstützt auch keine lokalen Geschäfte beim Mittagessen und Co.

Verkürzt und überspitzt ausgedrückt könnte man sagen: Wer im Home Office arbeitet, ist ein Schmarotzer, der die Gesellschaft schamlos ausnutzt.

Weil wer weiß das nicht? Sobald du deinen Arbeitsplatz in deinen eigenen vier Wänden aufstellst, braucht dein Körper keine Nahrung mehr. Es ist ein magischer Zustand. Wir Menschen brauchen dann weder Essen noch Trinken. Wir funktionieren einfach so wie Maschinen.

Und was ich ganz vergessen habe: Natürlich produzieren wir unseren Strom und unsere Heizung mit Liebe und gedanklicher Kraft. Mehrkosten auf der Energie-Abrechnung durch Home Office? Was für eine absurde Vorstellung!

Wir brauchen keine Home-Office-Steuer! Wir brauchen Realismus!

Templeman stützt seine Argumentationskette darauf, dass die Lokale in der Innenstadt ohne die braven Büro-Hengste und Büro-Hengstinnen keinen Zulauf mehr haben, weil die täglichen Mittagessen in Restaurants ebenso ausfallen wie die Kneipenbesuche nach Feierabend. Nicht einmal teure Bürokleidung sei nötig.

Anstelle eine Home-Office-Steuer vorzuschlagen, sollte Templeman vielleicht einmal in den Alltag eines normalen Arbeitnehmers schauen. Der kann es sich auch ohne Home-Office-Steuer nicht leisten, jeden Tag für 20 Euro beim Italiener zu essen.

Für ihn ist das Monatsticket für die Öffentlichen in Höhe von 50, 80 oder 130 Euro eine Belastung und kein Fliegenschiss. Natürlich ändert sich die Perspektive, wenn man bei der Deutschen Bank einen gut bezahlten Job hat. Dann ist ein Tag, an dem man den Armani-Anzug vom Vortag anzieht, wohl ein verschwendeter Tag.

Mit der Realität hat das nichts zu tun.

Höhere Steuern für Spitzenverdiener oder weniger Staatshilfen?

Natürlich sieht Luke Templeman auch ein Ziel für seine Steuer. Die vorgerechneten 15,4 Milliarden Euro pro Jahr sollen als Zuschuss an das ärmste Achtel der Bevölkerung gehen. Sie müssten laut Templeman als Reinigungskräfte und Dienstleister schließlich von unterwegs arbeiten.

Die Idee an sich ist gut: Wieso unterstützen die Besserverdiener nicht die Menschen, die schlechter gestellt sind? Eine Home-Office-Steuer, die auch Normal-Verdiener ab 40.000 Euro betrifft, ist dafür allerdings der falsche Ansatz.

Wie wäre es beispielsweise, wenn wir den Spitzensteuersatz von Top-Verdienern um ein paar Prozentpunkte anheben? Ob Luke Templeman davon betroffen wäre? Ich weiß es nicht. Bei der Absurdität seiner Idee könnte es allerdings der Fall sein.

Und allgemein: Ist er sich eigentlich bewusst darüber, dass sein Arbeitgeber nur aufgrund von Staatshilfen die letzten Krisen überstanden hat? Da wäre etwas weniger Überheblichkeit und Nähe zum Alltag angebracht. Aber das ist nur meine Meinung.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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