Wirtschaft

Droht der Trading-App Robinhood das Aus?

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Robinhood verharmlost die Risiken des Tradings. (Foto: Unsplash.com / Niklas Tidbury)
geschrieben von Christian Erxleben

Die in Kalifornien gegründete Trading-App Robinhood gehört zu den Vorreitern unter den Online-Brokern. Doch die Kritik am Unternehmen und an der App wächst. Sie kläre Nutzer nicht genug über Risiken auf. Jetzt erhebt der US-Bundesstaat Massachusetts Klage. Droht das Aus?

Vladimir Tenev und Jaiju Bhatt haben sich während ihres Studiums an der Stanford University kennengelernt. Nach dem erfolgreichen Abschluss zog es die beiden nach New York, wo sie beide bei großen Hedge Fonds gearbeitet haben.

Robinhood: Der Vorreiter der Online-Broker

Dadurch haben sie bemerkt, dass die großen Trading-Firmen an der New Yorker Börse kaum Gebühren bezahlen, die Anleger jedoch für jeden Trade. Daraus entstand ihre Mission: Sie wollten den Handel mit Aktien vereinfachen und somit einer breiten Masse Zugang zur Börse verschaffen.

Die Lösung dafür präsentierten sie im Jahr 2013 mit ihrem Unternehmen und der gleichnamigen App und Website Robinhood. Das Besondere dabei: Wer über das Angebot in Aktien, ETFs, Optionsscheine oder auch Kryptowährungen investieren möchte, zahlt keine Gebühren.

Stattdessen finanziert sich Robinhood primär über die Zinserträge der Guthaben der Nutzer sowie aus Informationen über Verkaufsaufträge an Hochfrequenz-Trader.

War das Modell von Robinhood im Jahr 2013 noch eine Besonderheit, sieht die Situation heute anders aus. Mit Anbietern wie Trade Republic, Smartbroker und Co. gibt es inzwischen auch zahlreiche deutsche Online-Broker. Deren Geschäftsmodell ist zwar ähnlich – jedoch gibt es einen großen Unterschied: das Risiko.

Wertpapieraufsichtsbehörde verklagt Robinhood

Ein großer Reiz von Robinhood ist die spielerische Gestaltung der App. Über geschenkte Aktien und die minimalistisch und kindlich-erklärende Art und Weise der App, mit der Robinhood sogar selbst wirbt, werden vor allem junge Anleger ungeahnten Risiken ausgesetzt.

Das will die Wertpapieraufsichtsbehörde im US-Bundesstaat Massachusetts nicht länger akzeptieren. In einer Verwaltungsklage geht die Behörde gegen Robinhood vor. Dabei gehe es darum junge Investoren (aus Massachusetts) zu schützen.

Kritisiert werden vor allem die „unnötigen Handelsrisiken“ und die Aufmachung „als eine Art Spiel, das man vielleicht gewinnen kann.“ Insgesamt seien die Warnungen und treuhänderischen Standards, die bei Smartbroker, Trade Republic und Co. fest implementiert sind, bei Robinhood unterrepräsentiert.

2020 ist für Robinhood ein schwieriges Jahr

Damit endet das Jahr 2020 für Robinhood mit einem Knall. Welche Strafen der Trading-App konkret drohen, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar. Ebenso unklar ist, ob sich weitere Staaten anschließen und die App sogar komplett gesperrt wird.

Fest steht jedoch, dass es auf der einen Seite viele Höhepunkte gab. So konnte Robinhood im August 2020 200 Millionen US-Dollar an Risiko-Kapital einsammeln. Dadurch stieg die Bewertung des Unternehmens auf 11,2 Milliarden US-Dollar und auch die Anzahl der Nutzer ist in diesem Jahr deutlich auf 13 Millionen gewachsen.

Auf der anderen Seite hatte der Anbieter jedoch auch mit großen Katastrophen zu kämpfen. So war die App im März während des Börsencrashs mehrfach nicht verfügbar, sodass viele Nutzer empfindliche Verluste nicht verhindern konnten, weil keine Trades ausgeführt worden sind. Daraufhin folgte eine Sammelklage in den USA.

Noch gravierender in der Bilanz von Robinhood liegt jedoch der Tod des 20-jährigen Alex Kearns, der im Juni 2020 Selbstmord beging, weil er in der App ein Minus von 750.000 US-Dollar angezeigt bekommen hatte.

Tatsächlich hatte Robinhood den Trade lediglich noch nicht vollständig ausgeführt, weshalb der Fehlbetrag entstand. Das ist jedoch nicht mehr als eine technische Erklärung und zeigt wieder einmal deutlich, warum der Trading-Anbieter jetzt mit der Klage konfrontiert ist.

Unabhängig vom Ausgang müssen sich Vladimir Tenev und Jaiju Bhatt ihrer Verantwortung bewusst werden. Sie verwalten Vermögen in Milliardenhöhe von mehrheitlich jungen Erwachsenen. Dass zu viel Spielerei dabei der falsche Ansatz ist, dürfte eigentlich selbstverständlich sein.

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mittwald

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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