Wirtschaft

Venture Debt vs. Venture Capital: Wo liegen die Unterschiede?

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Gründer sollten sich nicht auf eine Finanzierungsmethode versteifen. (Foto: Pixabay.com / geralt)
geschrieben von Carsten Lexa

Venture Debt vs. Venture Capital: Welche Vorteile bringen beide Finanzierungsformen mit sich und welche Nachteile gibt es? Für welchen Gründer und welches Start-up lohnt sich welche Finanzierung? Das erklären wir in einer Gegenüberstellung.

Finanzierungen sind für Start-ups oftmals eine Herausforderung. Die richtige Art der Finanzierung ist dabei vielfach entscheidend für das Überleben und die Rentabilität.

In diesem Beitrag soll es deshalb um zwei Finanzierungsformen gehen, die für Gründer regelmäßig wichtig sind: Venture Capital und Venture Debt. Ich stelle die Vor- und Nachteile dieser Finanzierungsformen dar und versuche zu zeigen, wann welche Variante sinnvoll ist.


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Venture Debt vs. Venture Capital: Venture Capital als Finanzierungsinstrument

Was ist Venture Capital – beziehungsweise Wagniskapital oder Risikokapital? Bei dieser Finanzierungsform erhalten Investoren und Investmentgesellschaften gegen eine finanzielle Beteiligung Anteile am Kapital der Gesellschaft.

Für Investoren rechnet sich diese Finanzierungsform regelmäßig dann, wenn das Start-up aufgekauft wird oder an die Börse geht. Zu diesem Zeitpunkt realisieren VCs ihre Gewinne aus ihrer ursprünglichen Investition. Venture Capital zeichnet sich durch hohes Risiko bei hohem Ertragspotential aus.

Vorteile von Venture Capital

Der Vorteil von Venture Capital für Gründer besteht grundsätzlich darin, dass dieses, anders als bei einem Darlehen, nicht an die Investoren zurückgezahlt werden muss. Darüber hinaus ist diese Art der Finanzierung zinsfrei.

VCs bieten aber regelmäßig neben Kapital noch mehr. VCs kennen sich regelmäßig in diversen Branchen aus und sind gut vernetzt. Sie können Start-ups deshalb mit zusätzlichen Ressourcen, Verbindungen und Marktzugängen dienen.

Nachteile von Venture Capital

Venture Capital ist aber auch mit Nachteilen verbunden. Beginnen wir mit dem Verlust der Kontrolle. Wenn man einen VC an Bord hat, tauscht man Eigenkapital gegen Finanzmittel.

Dadurch erhalten VCs ein Mitspracherecht bezüglich des Unternehmens, an dem sie beteiligt sind. Wenn die Interessen des VC und der Gründer auseinandergehen, kann das zu Problemen und Streitigkeiten führen.

Sodann kann die Investmententscheidung lange dauern. Die Beteiligung eines VCs erfolgt regelmäßig einen formalisierten Prozesses. Dieser bringt die Durchleuchtung des Start-ups, rechtliche Fragestellungen und diverse Verhandlungsrunden mit sich.

Dieser Prozess ist für die VCs wichtig, weil sie mit dem Investment das Risiko eingehen, Geld zu verlieren. Dieses Risiko soll gering bleiben. Für Gründer ist die lange Dauer jedoch problematisch, wenn der Geldbedarf im Start-up groß ist.

Venture Debt vs. Venture Capital: Venture Debt als Finanzierungsinstrument

Für manche Gründer bringt Venture Capital zu viele Nachteile mit sich. Venture Debt ist dann eine Alternative. Im Grunde handelt es sich um Fremdkapital in Form eines Darlehens. Dieses Darlehen stammt jedoch nicht von einer Bank vergeben, sondern von einem spezialisierten Venture-Debt-Fonds.

Dieser sammelt das Geld von Risikoinvestoren ein. Solche Darlehen gehen regelmäßig an etablierte Start-ups, die schon Finanzierungsrunden erfolgreich abgeschlossen haben.

Diese Arten der Darlehen sind regelmäßig kurz- bis mittelfristig mit Laufzeiten von ein bis drei Jahren. Sie sind normalerweise eine Ergänzung zur Eigenkapitalfinanzierung und weisen einen relativ hohen Zinssatz von zehn Prozent oder mehr aus.

Darüber hinaus besteht oftmals noch die Option, das Darlehen in Eigenkapital umzuwandeln, um an einem Verkauf oder einem Börsengang zu partizipieren.

Was ist bei der Finanzierung durch Venture Debt wichtig?

Insbesondere die Höhe des Darlehens und die Laufzeit, der Zinssatz und die weiteren Gebühren, besondere Pflichten, die in Form von Covenants bestehen – zum Beispiel Klauseln, nach denen das Darlehen fällig wird, wenn ein Verstoß gegen bestimmte Klauseln vorliegt oder Drittverzugsklauseln, nach denen die Einhaltung von Verträgen Dritter Auswirkungen auf das Darlehen haben – und die Strafzahlungen oder Kündigungsmöglichkeiten enthalten sowie der Zeitpunkt der Tilgung.

Vorteile von Venture Debt

Risikofinanzierungen können dazu beitragen, den finanziellen Spielraum eines Start-ups zu vergrößern, ohne eine Verwässerung der Beteiligung der bisherigen Gesellschafter herbeizuführen.

Die Gründer laufen insbesondere nicht Gefahr, durch die Aufnahme eines Investors die Kontrolle über ihr Unternehmen teilweise oder ganz zu verlieren.

Nachteile von Venture Debt

Venture Debt ist kein Finanzierungsinstrument für jedes Start-up. Ein Unternehmen muss sich regelmäßig schon etabliert haben, bevor eine Finanzierung über Venture Debt in Betracht gezogen werden kann. Unternehmen, die Venture Debt erhalten, befinden sich normalerweise schon in einer späteren Finanzierungsphase.

Dies liegt daran, dass Unternehmen in ihrer Start-Phase regelmäßig keine Unterstützung von VCs bekommen. Sie besteht erst zu einem späteren Zeitpunkt. Venture-Debt-Fonds suchen aber bei Start-ups nach einer starken VC-Unterstützung, weil diese die Vertrauenswürdigkeit des jungen Unternehmens zeigt.

Sodann sind Zinsen und die Tilgung zu leisten, was bei einer Eigenkapitalfinanzierung nicht der Fall ist. Darüber hinaus müssen die Darlehensgeber bei Laune gehalten werden. Das geschieht zum Beispiel in Form von Berichterstattungen über den Geschäftsverlauf. Das erwarten allerdings auch Risikokapitalgeber.

Schließlich können sich die Kapitalgeber durch Venture Debt Rechte an den Assets des Start-ups vorbehalten, was die Handlungsmöglichkeiten des Unternehmens einschränken kann.

Einer der am meisten unterschätzten Nachteile sind schließlich die sogenannten Covenants. Wenn beispielsweise das Geschäft nicht so schnell ausgebaut werden kann, wie es erwartet wurde, werden unter Umständen bestimmte vereinbarte Kennzahlen nicht erreicht.

Wenn das Erreichen dieser Kennzahlen eine besondere Bedingung für die Darlehensvergabe war, kann das Verfehlen der Kennzahlen zu Sonderkündigungsrechten führen, was in der Folge die Gefahr einer Insolvenz mit sich bringt.

Venture Debt vs. Venture Capital: Welche Finanzierungsform passt am besten?

Pauschal ist die Frage, welche Finanzierungsform am besten ist, nicht zu beantworten. Venture Capital und Venture Debt sind beides valide Optionen, die jedoch bestimmte Situationen erfordern.

Beispiel 1

Ein Unternehmen hat eine App auf den Markt gebracht, über die täglich frisch zubereitete Mahlzeiten bestellt werden können. Eine erste Finanzierungsrunde wurde über einen Business Angel abgeschlossen und die Gründer hoffen, dass sie das Geschäft so weit skalieren können, bis sie eine Marktbewertung erreichen, mit der sie die erste Runde der Risikokapitalfinanzierung erhalten. Die monatlichen Einnahmen sind jedoch nicht so hoch wie geplant, weil das Unternehmen Schwierigkeiten hat, gegen die Wettbewerber zu bestehen. Es fehlt an einem USP. Dir Firma kann ihr Geschäftsmodell gegenüber den Kunden nicht ausreichend von denen der Wettbewerber abgrenzen. Das Start-up beschließt deshalb, seine Strategie zu ändern, neue Funktionen wie eine wöchentliche Lieferung einzuführen und über entsprechendes Marketing neue Arten von Kunden zu gewinnen.

In diesem Fall ergibt eine Finanzierung über Venture Capital Sinn. Das Unternehmen benötigt Geld, um in Marketing zu investieren und etwaige Investitionsausgaben zu decken.

Da noch keine Gewinne erzielt werden, muss auf Investoren zugegangen werden, die nicht an regelmäßigen Verzinsungen interessiert sind, sondern die sicherstellen, dass das junge Unternehmen über eine ausreichende finanzielle Ausstattung verfügt, bis genügend Einnahmen erzielt werden können, um in der Zukunft profitabel zu werden.

Die Gründer müssen jemanden finden, der ihr Geschäft und ihre Ziele versteht, mit dem Risiko vertraut und bereit ist, eine Kreditstruktur bereitzustellen, die es dem Start-up ermöglicht, finanziell auf sicheren Füßen zu stehen.

Beispiel 2

Ein Unternehmen hat eine App für die Abwicklung der Entsorgung von Lebensmittelabfällen entwickelt. Durch die App können insbesondere die Produktion von überschüssigen Lebensmitteln vermieden und schon produzierte überschüssige Lebensmittel umverteilt werden. VCs sind schon investiert und das Unternehmen ist am Markt aktiv und fährt die ersten Gewinne ein. Die Gründer haben nun die nächste Investitionsrunde im Auge. Allerdings sind aufgrund der Covid19-Pandemie Investoren im Hinblick auf Risikokapitalanlagen vorsichtiger geworden.

Da das Unternehmen bereits gut etabliert ist und einen First-Mover-Vorteil zu haben scheint, ist Venture Debt eine Option, insbesondere weil durch diese Art der Finanzierung die bisherigen Investoren nicht befürchten müssen, dass ihre Anteile verwässert werden.

Venture Debt vs. Venture Capital: Ein Fazit

Es gibt also keine Finanzierungsmethode, die grundsätzlich besser ist als die andere. Es kommt immer auf die Situation des Start-ups an.

Venture Capital eignet sich hervorragend für wachsende Start-ups, die ihre Business-Angel-Finanzierungsrunde abgeschlossen haben, skalieren und deren langfristige Wachstumsaussichten positiv ist. Dann ist eine steigende Bewertung zu erwarten, was die Eigenkapitalbeteiligung immer wertvoller macht.

Venture Debt eignet sich dagegen für Unternehmen, die freies Kapital oder Geld zur Finanzierung von Investitionen benötigen, schon am Markt etabliert sind und Einnahmen erwarten lassen, die den Schuldendienst ermöglichen.

Gründer sollten sich also nicht voreilig auf die eine oder die andere Finanzierungsform konzentrieren, sondern vielmehr alle Optionen unter Berücksichtigung der äußeren Umstände sowie der Umstände ihres Unternehmen abwägen.

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Über den Autor

Carsten Lexa

RA Carsten Lexa berät seit über 10 Jahren deutsche und internationale Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschaftsrechtlicher Art, z.B. bei Gründungen, Strukturierungen oder Vertragsgestaltungen aber auch zu rechtlich-strategischen Fragen. Darüber hinaus war er Weltpräsident der G20 Young Entrepreneurs´ Alliance (G20 YEA), Mitglied der B20 Taskforces und Rechtsbeistand der Wirtschaftsjunioren Deutschland. Er ist Mitinitiator der Gründerinitiative Gründen@Würzburg und Botschafter der Oskar-Patzelt-Stiftung für die Auszeichnung „Großer Preis des Mittelstands“. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und unternehmensrechtlichen Fragen.

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