Technologie

Nervig! Muss es wirklich immer ein Zoom Call sein?

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Nein, ich würde gerne einfach gerne telefonieren. (Foto: Pexels.com / cottonbro)
geschrieben von Christian Erxleben

Wer im Jahr 2020 mit Kollegen oder Geschäftspartnern telefonieren möchte, setzt kurzerhand eine Zoom-Konferenz auf. Normale Telefonate sterben scheinbar aus. Ohne Zoom Call geht nichts mehr. Das nervt gewaltig. Ein Kurzkommentar.

Ich hatte kürzlich ein interessantes Telefonat. Ich hatte meine Gesprächspartnerin längere Zeit nicht gesprochen und so haben wir gemeinsam auf dieses außergewöhnliche Jahr zurückgeblickt.

Dabei habe ich beiläufig gesagt, dass ich mich sehr darüber freue, dass wir miteinander telefonieren. Dabei habe ich mich jedoch nicht nur über den Austausch an sich gefreut, sondern auch über die Art der Kommunikation. Das ist ein Punkt, den man im Jahr 2020 nicht außer Acht lassen darf.


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Denn ein „normales“ klassisches Telefonat – am einen Ende sitzt eine Person an ihrem Smartphone und am anderen Ende sitzt eine Person an ihrem Smartphone – ohne Video-Komponente gibt es fast nicht mehr.

Umso mehr hat mich die Reaktion meiner Gesprächspartnerin gefreut. Auch sie kann nicht verstehen, warum es plötzlich immer ein Zoom Call sein muss, wenn über Jahre hinweg auch ein Telefonat gereicht hat.

Jede Einladung ist ein Zoom Call

Denn selbstverständlich gibt es Situationen, in denen ein Zoom Meeting die bessere Option ist. Die digitale Weihnachtsfeier oder das monatliche gemeinsame Mittagessen ergeben einfach mit Bild und Ton viel mehr Sinn.

Wenn es jedoch darum geht, kurz einen Prozess abzustimmen, einen Termin zu besprechen oder über eine aktuelle Entwicklung zu diskutieren, reicht ein klassisches Telefonat völlig aus. Ich weiß, dass das alle Zoom-Liebhaber und Video-Fetischisten nur ungerne hören.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich in der Zwischenzeit fast allergisch auf Zoom-Videokonferenzen reagiere. Alleine der Einladungslink ruft bei mir Ablehnung hervor – und das nicht erst seit gestern.

Deshalb habe ich auf meinem Computer Zoom überhaupt nicht installiert. Am Smartphone lade ich die App sporadisch herunter und lösche sie direkt danach wieder, weil ich sie sowieso nicht dauerhaft nutzen möchte.

Zoom Meetings überfordern unser Gehirn

Doch Zoom-Konferenzen sind nicht nur zeitraubend. Sie sind auch für unseren Körper und unser Gehirn anstrengend. Zoom-Fatigue heißen die Schwäche-Erscheinungen, die wir nach einem Tag mit vielen Zoom Meetings verspüren.

Denn unser Gehirn muss bei jedem Zoom Call Höchstleistungen vollbringen. Das liegt daran, dass wir in der Regel nur das Gesicht und einen Teil des Oberkörpers unseres Gesprächspartners sehen.

Da jedoch alle Bewegungen und die gesamte Mimik für uns enorm wichtig sind, muss unser Gehirn die fehlenden Informationen außerhalb der Bildschirmkamera konstruieren.

Hinzu kommt dann noch das gesteigerte Ablenkungspotenzial. Das beginnt bei den mehr oder weniger lustigen Zoom-Hintergründen und endet bei den wiederkehrenden Diskussionen darüber, wie erstaunlich es doch ist, wenn die Zoom-Technologie einige Körperteile einfach als Teil des Hintergrunds ausblendet.

Wir überfordern unser Gehirn nicht nur durch fehlende Informationen, sondern überschwemmen es mit Eindrücken, die dazu führen, dass wir uns im Zoom-Meeting oftmals nicht richtig konzentrieren können.

Bitte greift öfter mal zum Hörer!

Zusammengefasst sind Zoom-Videokonferenzen in der Regel also überspitzt ausgedrückt unnötig, anstrengend und unproduktiv. Noch einmal möchte ich betonen: Es gibt durchaus eine Berechtigung für einen Zoom Call. In vielen Fällen jedoch ist ein klassisches Telefonat die bessere Lösung.

Ob Zoom das selbst so sieht, ist natürlich eine andere Frage. War eine Aktie des Unternehmens am 1. Januar 2020 noch knapp 59 Euro wert, liegt der Preis nun bei stabilen 334 Euro. Und auch die Nutzerzahlen haben sich in einer vergleichbaren Geschwindigkeit entwickelt.

Trotzdem lautet mein Wunsch für 2021: Greift wieder öfter zum Hörer! Lasst die Kamera aus, konzentriert euch auf das Wichtige und kommuniziert effizient und nicht per Video, weil es „hip“ oder „angesagt“ ist und schon gar nicht, weil „es ja alle machen.“

In diesem Sinn: Wir hören uns!

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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