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Wenn der Hype zur Gefahr wird: Tik Tok verbieten?

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Wenn der Hype zur Gefahr wird. (Foto: Pixabay.com/ PublicDomainPictures)
geschrieben von Fabian Peters

Tik Tok zählt zu den beliebtesten und umstrittensten Apps. Seit 2018 knackt die Videoplattform einen Download-Rekord nach dem anderen. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen ist die Anwendung sehr beliebt. Dabei birgt Tik Tok seit jeher ein enormes Gefahrenpotential. Eine Analyse.

Der anfängliche Hype scheint abzuebben. Der tragische Todesfall einer zehnjährigen Italienerin offenbart den traurigen Höhepunkt eines schleichenden Negativtrends und zeigt: Tik Tok steht mehr denn je in der Kritik. Und folgerichtig auch im Fokus der Behörden und Ermittler.

Gefährliche Inhalte und Challenges

„Neuer Tik-Tok-Trend“, „die besten Tik-Tok-Challenges“, „Tik-Tok-Challenge geht viral“: Nahezu täglich berichten zahlreiche Medien über die aktuellen Entwicklungen und Mutproben bei Tik Tok, die sogenannten Challenges.


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Dabei macht es keinen Unterschied, ob es um die als Spendenaktion gedachte Ice-Bucket-Challenge geht, bei der sich Prominente einen Eimer Eiswasser über den Kopf schütten, oder die Zimt-Challenge, bei der Teilnehmer ihren Mut unter beweisen stellen wollen, indem sie einen Löffel Zimt essen.

Viele Challenges sollen Spaß machen, unterhalten oder auf wichtige Themen hinweisen. Doch viele Aktionen stellen auch eine große Gesundheitsgefahr dar. Vor allem für Kinder und Jugendliche.

So auch beim tragischen Fall in Italien, bei dem sich ein junges Mädchen mit einem Gürtel erdrosselt hat. Die zehnjährige Antonella aus Palermo wollte vermutlich an der Blackout-Challenge teilnehmen. Dabei strangulieren sich die Teilnehmer, filmen sich mit ihrem Smartphone und wollen so ihren Mut unter Beweis stellen.

Missbrauch und Cyber-Grooming

Viele Tik-Tok-User posten freizügige und sehr persönliche Inhalte. Unbekannte nutzen diese Naivität oftmals aus. Sie bauen zunächst ein Vertrauensverhältnis zu den Minderjährigen auf, setzen sie anschließend unter Druck und verlangen weitere Fotos oder Videos. Ein Szenario, das der Begriff Cyber-Grooming umschreibt.

Wenn die Kinder und Jugendlichen den Aufforderungen nachkommen, folgen Einschüchterungen und weitere sexuelle Belästigungen. Die Täter drohen damit, das Bildmaterial zu veröffentlichen und verlangen weitere Aufnahmen. Oftmals werden Betroffene auch zu persönlichen Treffen gedrängt.

Altersnachweis und Nutzungsbedingungen

Laut einer Statistik der Analyse-Software App Annie sind 69 Prozent der aktiven Tik-Tok-Nutzer im Durchschnitt zwischen 16 und 24 Jahre alt. Zum Vergleich: Bei Instagram liegt der Anteil in einer vergleichbaren Altersgruppe knapp bei der Hälfte.

Im Oktober 2020 waren rund 37 Prozent der aktive Instagram-User gemäß einer Statistik der Online-Plattform Statista zwischen 13 und 24 Jahre alt. Damit spricht Tik Tok grundsätzlich ein wesentlich jüngeres Publikum an. Und das birgt grundsätzlich mehr Gefahren.

Die Realität spricht jedoch noch eine weitaus verheerendere Sprache. Obwohl die Tik-Tok-AGB ein Mindestalter von 13 Jahren vorschreiben und Minderjährige laut offiziellen Angaben eine Einverständniserklärung der Eltern benötigen, gibt es zahlreiche User unter 13 Jahren oder ohne elterliche Erlaubnis.

Der einfache wie banale Trick: Jugendliche und Kinder machen sich bei der Registrierung einfach älter als sie sind. Nutzeranforderungen und Kontrollen können so – im wahrsten Sinne des Wortes – kinderleicht umgangen werden.

Doch wer trägt die Verantwortung für diese Entwicklung? Tik Tok selbst? Das Elternhaus und soziale Umfeld? Oder der Gesetzgeber? Und wie können weitere Fälle wie der in Italien verhindert werden?

Verantwortung und Kontrolle

Auch wenn die Nutzungsbedingungen etwas anderes suggerieren: Tik Tok überprüft das Alter bei der Registrierung nicht. Das Unternehmen verlässt sich ausschließlich auf eine Selbstauskunft. So kann die Plattform das Alter für keinen einzigen User mit Sicherheit feststellen.

Die Schuld jedoch ausschließlich bei den Social-Media-Unternehmen zu suchen, greift oftmals zu kurz. Die Verantwortung lastet auf mehreren Schultern. Sowohl Tik Tok als auch Erziehungsberechtigte sollten in die Pflicht genommen werden.

Grundsätzlich stellt sich auch die Frage, ob Kinder überhaupt einen unbeaufsichtigten Zugang zu Smartphones haben sollten.

Da Eltern ihre Kinder jedoch auch nicht auf Schritt und Tritt verfolgen und kontrollieren können, steht vor allem Tik Tok in der Verantwortung. Sollte das Video-Portal keinen angemessenen Schutz im Sinne einer umfassenden Altersüberprüfung gewährleisten können, bleibt nur eine weitere Option: Das Verbot!

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Über den Autor

Fabian Peters

Schreibt seit Januar 2021 für BASIC thinking. Studierte Germanistik & Politikwissenschaft and der Universität Kassel (Bachelor), Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master). Hat bereits für die Frankfurter Rundschau sowie die Magazine Pressesprecher und Politik&Kommunikation geschrieben.

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