Technologie

Macht Corona uns alle etwas „digisexueller“?

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Macht uns Corona digisexueller? (Foto: Unsplash.com / Charles Deluvio)
geschrieben von Marinela Potor

Wie lebt man eigentlich seine Sexualität im Lockdown aus? Für viele ist die Antwort: digital! Wandert Digisexualität damit aus der Nische in den Mainstream?

Wir haben in der Pandemie gelernt, online zu arbeiten, digital zu lernen und sogar übers Internet mit Freunden und Familien Hochzeiten und Geburtstage zu feiern. Doch wie sieht das mit dem Sexualleben aus?

Wie können Menschen ihre Sexualität ausleben, wenn sie allein im Lockdown sind? Für die einen mag die Antwort darauf schlicht Selbstbefriedigung oder auch ein klassisches Sexspielzeug sein. Andere wiederum führt ihre sexuelle Lust zur Digisexualität.


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Was ist Digisexualität?

Es waren die Psychologen Neil McArthur und Markie L.C. Twist, die den Begriff „Digisexualität“ 2017 zum ersten Mal in einem Forschungspapier veröffentlichten.

Sie definieren Digisexualität als „radikale neue Sextechnologien“ und „Digisexuelle“ als Menschen, die ihre sexuelle Identität in erster Linie durch die Nutzung von Technologie ausleben.

Als Klischee wird dabei gerne die Vorstellung von Sex mit Robotern herangezogen. Tatsächlich umfasst Digisexualität einen großen Rahmen und wird auch nicht immer gleich interpretiert.

Einige verstehen unter Digisexualität zum Beispiel ausschließlich Menschen, die ihre sexuelle Befriedigung nur über digitale Technologien finden. Andere wiederum fassen das Konzept viel weiter und nennen sämtliche Formen von digitaler Technologie im Sexleben „digisexuell“. Theoretisch wäre damit schon Sexting oder Online-Pornografie digisexuell.

Die Psychologin, Sextherapeutin und Familien- und Ehetherapeutin Holly Richmond beschreibt Digisexualität folgendermaßen:

Jemand, der sich am wohlsten dabei fühlt seine Sexualität durch oder über ein Stück Technologie auszudrücken.

Ihrer Erfahrung nach reicht Digisexualität daher von Menschen, die Sexualität ausschließlich über Internetpornografie oder digitale Sextoys erleben können bis hin zu Menschen, die ihre Sexualität mit anderen Partnern in erster Linie über digitale Technologien ausleben.

Ein Beispiel wäre dafür ein Paar, das in erster Linie Sex per Video-Chat oder Virtual-Reality-Technologien hat.

Daran ist nichts anstößig oder verwerflich. Es ist einfach eine weitere Form, um seine Sexualität auszuleben. McArthur und Twist vermuteten aber schon 2017: Digisexualität wird sich vermutlich mit dem Aufstieg digitaler Technologien noch stärker verbreiten.

Wenn man dazu noch eine Pandemie nimmt, in der physischer zwischenmenschlicher Kontakt stark eingeschränkt ist, werden plötzlich viele uns digisexuell.

Digisexualität in der Pandemie als Chance – auch für Paare

Das gilt übrigens nicht nur für Menschen, die allein im Lockdown sind und Sexualität um strikte Pandemie-Beschränkungen herum irgendwie sicher ausleben müssen, sondern auch für Paare, die zusammenleben.

Denn 24 Stunden lang aufeinander hocken, während man „nebenher“ im Home Office arbeitet, Kinder betreut, nichts langfristig planen kann und sich generell permanent Sorgen um Gesundheit und Sicherheit machen muss, ist für die meisten Paare nicht der Normalfall.

Gleichzeitig ist es unglaublich stressig. Und Stress ist einer der größten Lustkiller überhaupt. Eine aktuelle Umfrage unter Paaren in der Pandemie kommt zu dem Schluss, dass die meisten Paare (43,5 Prozent) derzeit einen Qualitätsverlust in ihrem Sexleben erleben.

Digitalsex kann daher aktuell für viele Menschen sowohl sexuelle Befriedigung bringen als auch eine emotionale Erleichterung. Gleichzeitig ist dies auch eine der sichersten Methoden, um derzeit Sex zu haben.

Digitalsex ist dabei auch viel mehr als allein einen Porno im Netz anzuschauen. Sowohl allein als auch mit einem Partner kann man dabei durchaus kreativ werden.

Vom Sexting und dem gemeinsamen Masturbieren vor der Webcam über die Real Doll (eine Sexpuppe, die über moderne Technologien „echte“ Geräusche von sich gibt) bis hin zum smarten Vibrator sind der Fantasie dabei keine Grenzen gesetzt.

Es mag nicht das sein, was dich künftig immer befriedigen wird und es heißt auch nicht, dass du dadurch langfristig digisexuell wirst. Es ist aber auch eine Möglichkeit, mal etwas Neues auszuprobieren, etwas Abwechslung ins Sexleben zu bringen und vielleicht auch neue lustbringende Praktiken zu entdecken.

Mehr Akzeptanz für Digisexualität

Gleichzeitig ist es eine Chance für weniger Vorurteile in unserer Gesellschaft. Denn Digisexualität ist oftmals etwas, das viele zunächst als „traurig“ oder „unnormal“ ablehnen, weil sie es eben nicht kennen.

Wenn wir jetzt durch die Pandemie alle etwas digisexueller werden, kann dies dabei helfen, künftig andere für ihre sexuellen Praktiken nicht mehr zu verurteilen. Und wenn digitale Technologien uns dabei helfen können toleranter zu werden – warum nicht?!

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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