Unglücklich, traurig, niedergeschlagen, Arbeit macht glücklich

Deine Arbeit macht dich nicht glücklich? Das ist kein Problem!

Christian Erxleben
Das Ziel deiner Arbeit ist nicht Glück. (Foto: Unsplash.com / arash payam)

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Wenn man so manche Texte liest oder Aussagen hört, könnte man glauben, dass es nur um eines geht: Arbeit macht glücklich – oder sie sollte es zumindest. Wer im Beruf nicht glücklich wird, sucht zwanghaft neue Stellen. Dabei geht es bei der Arbeit nicht um das Glücklichsein. Ein Kommentar.

„Mir geht es darum, dass mich meine Arbeit glücklich macht.“ „Ich will einen neuen Job, weil mich meine derzeitige Stelle nicht mehr glücklich macht.“ Wenn ich Aussagen wie diese lese oder in Gesprächen höre, werde ich in der Zwischenzeit zumindest innerlich wütend.

Privilegierte Arbeitnehmer suchen nach dem großen Glück

Denn es geht im Berufsleben nun einmal nicht darum, der Vorstellung nachzujagen, dass uns unsere Arbeit glücklich machen muss. Deine Arbeit macht glücklich? Das ist perfekt und du darfst dich sehr glücklich schätzen, denn du zählst zur absoluten Minderheit.

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Besonders oft stammen die oben genannten Zitate von jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die ein mehrjähriges Studium absolviert (und finanziert bekommen) haben und nach wenigen Bewerbungen eine feste Anstellung mit überdurchschnittlichen Gehalt gefunden haben.

Trotzdem sind sie unzufrieden, weil sie nicht jeden Tag freudestrahlend durchs Büro – oder Home Office – springen. Sie können sich nicht mit ihrem Glück abgeben und wollen immer mehr.

Die Suche nach dem Glück ist respektlos

Dass alleine der Umstand, dass sie einen gut bezahlten und gesellschaftlich anerkannten Job haben, glücklich machen sollte, vergessen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Alltag. Es fehlt schlichtweg der Perspektivwechsel in andere Länder oder Schichten.

Wer mit Masterstudium und einem mittleren fünfstelligen Jahresgehalt jammert, zollt dem Großteil der Gesellschaft keinen Respekt, denn in den allermeisten Berufen gibt es so etwas wie berufliches Glück nicht.

Man muss dabei nur an all die Berufe denken, die unseren Alltag ermöglichen: U-Bahn-Fahrer, Paketboten, Altenpfleger, Reinigungskräfte und und und. Diese Liste lässt sich beinahe beliebig ergänzen. Alle jene Personen sind in der Regel zufrieden mit ihrem Job jedoch nicht zwanghaft glücklich.

Deine Arbeit braucht einen Sinn – das ist die wahre Bestimmung

Damit haben diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer den wichtigsten Schritt gemacht. Sie haben verstanden, was wirklich wichtig im Berufsleben ist: Erfüllung und Sinnhaftigkeit.

(Fast) alle Menschen wollen mit ihrer Arbeit etwas verändern. Sie wollen anderen Menschen helfen, sich für ihre eigenen Ziele und Wertvorstellungen einsetzen, die Gesellschaft informieren oder zu einem besseren Ort machen und jeden Tag etwas Essenzielles bewegen.

Und genau diesen Sinn können wir alle in unseren Berufen finden. Und damit wiederum finden wir dann auch Erfüllung und Zufriedenheit, denn jeder Job hat eine Bedeutung für andere Menschen – auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind.

Die Essenz der Demotivation

Das hat übrigens auch der Psychologe Dan Ariely in einem Experiment nachhaltig bewiesen. Er hatte seine Probanden dafür bezahlt, Konstruktionen aus Lego zu bauen.

Bei der Hälfte der Testpersonen zerlegten die Studienbetreuer die Türme noch während der Arbeit. Wer also in dieser Studie seinen dritten Turm gebaut hat, hat dafür wissentlich die Steine des ersten, schon wieder zerlegten Turms genommen.

Dieser Vorgang hat die Motivation der Probanden signifikant gesenkt. Sie brachen das Experiment deutlich früher ab als die Personen der anderen Testgruppe, deren Bauwerke nicht vor den Augen der Erbauer wieder zerlegt wurden.

Da in beiden Fällen die Bezahlung gleich war, wird deutlich, dass es bei Arbeit eben nicht um Geld oder um Glück, sondern um einen Sinn geht. Wer etwas baut, das sofort wieder zerstört wird, verliert innerhalb kürzester Zeit sämtliche Motivation. Dieses Bild sollten wir uns alle im Kopf abspeichern.

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Christian Erxleben arbeitet als freier Redakteur für BASIC thinking. Von Ende 2017 bis Ende 2021 war er Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig.