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So landen scheinbar harmlose Alltagsfotos in Kinderpornografie-Foren

Maria Gramsch
Fotos aus sozialen Netzwerken können schnell in Kinderpornografie-Foren landen. (Foto: Pixabay.com / Tracy Le Blanc)

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Wenn Eltern Fotos von ihren Kindern im Netz posten, können die sich meist noch nicht dagegen wehren. Welche Folgen das haben kann, haben nun die Magazine Panorama und STRG_F recherchiert. Gelandet sind sie in einschlägigen Kinderpornografie-Foren.

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet und in den sozialen Netzwerken ist ein heiß diskutiertes Thema. Immer wieder müssen die Plattformbetreiber nachbessern, weil es zum Beispiel zu Missbrauch oder gar tödlichen Unfällen durch sogenannte Challenges kommt.

Doch oft sind es auch die Eltern selbst, die ihre Jüngsten im Netz „entblößen“ – mit vermeintlich harmlosen Fotos aus deren Alltag.

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Das ARD-Politikmagazin Panorama (Donnerstag, 22. April 2021, 21.45 Uhr) und das investigative Funk-Format STRG_F (ab 27. April 2021, 17.00 Uhr auf dem YouTube-Kanal von STRG_F) haben recherchiert, dass genau diese Bilder von Kindern „verstärkt im Fokus von Pädosexuellen“ stehen.

Von Instagram direkt in die Kinderpornografie-Foren

Täter:innen „klauen massenhaft Aufnahmen aus privaten Social-Media-Profilen, um sie anschließend in Foren hochzuladen“, heißt es in der Pressemitteilung zu den Recherche-Ergebnissen.

Bei diesen Foren handle es sich um Plattformen, auf denen Pädosexuelle auch Inhalte mit schwerem Kindesmissbrauch posten und tauschen.

Panorama und STRG_F haben analysiert, dass „allein auf einer der größten illegalen Foto-Plattformen für Pädosexuelle“ mindestens jedes vierte Bild ursprünglich bei Facebook oder Instagram gepostet wurde. Die meisten Bilder tauchen hier dann in Kategorien wie „Non Nude“ auf.

Es komme häufig zu obszönen Kommentaren zu den jeweiligen Bildern. Zum Teil seien sogar die Namen und das jeweilige Alter der Kinder veröffentlicht worden – inklusive Link zum Social-Media-Account.

Das steckt hinter der Recherche

Bei der Recherche von Panorama und STRG_F wurde nun die „Herkunft von zahlreichen Aufnahmen auf einschlägigen Plattformen“ überprüft.

Dafür hat das Recherche-Team automatisiert mehrere Millionen Aufnahmen unter die Lupe genommen. In hunderttausenden Fällen sei nachgewiesen worden, dass die Bilder ursprünglich von Facebook oder Instagram stammen. Dieser Hinweis könne aus den „Metadaten einer jeden Bilddatei“ klar abgelesen werden.

Aber auch die bei Kindern beliebten Plattformen YouTube, TikTok und WhatsApp stehen laut der Recherche hoch im Kurs.

Ein Beispiel

Auf der Plattform „Cutie Garden“ hat das Recherche-Team 142.381 Fotos analysiert. Bei rund 23,5 Prozent habe es einen eindeutigen Hinweis gegeben, dass die Bilder von Facebook oder Instagram stammen.

Die Journalist:innen gehen jedoch von einer noch höheren Dunkelziffer aus, da die Hinweise auf die sozialen Netzwerke in den Metadaten der Aufnahmen verwischt werden können.

Reaktion der Eltern auf die Kinderpornografie-Foren

Als weiteres Beispiel führt das Recherche-Team ein YouTube-Video an, bei dem „zwei Jungen beim harmlosen Versteckspiel“ zu sehen sind. „In den Kommentaren fantasierten User über Analverkehr mit den Kindern, einer schrieb: ‚Und dann mache ich sie zu meinen Sex-Sklaven.'“

Nach der Recherche wurden zum Teil auch betroffene Eltern mit den Ergebnissen konfrontiert. Diese „zeigten sich erschüttert“ und haben laut Panorama und STRG_F teilweise ihre Social-Media-Profile gelöscht.

Fotos haben einen Hydra-Effekt

Die geklauten Fotos helfen den Pädosexuellen sogar dabei, an neues Bildmaterial zu kommen. Denn „User zahlen in den Foren nicht mit Geld, sondern mit Fotos und Videos“ – wer dort also Fotos postet, „erhält mehr Anerkennung und mehr Bilder von anderen Usern.“

Andreas Link von Jugendschutz.net, dem gemeinsamen Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für Jugendschutz im Internet, bezeichnet Pädosexuelle als „Jäger und Sammler, die gezielt solche Alltagsbilder suchen.“

Wenn Eltern und Jugendliche diese Fotos im Internet posten, dann machen sie es den Tätern oft sehr einfach, diese für ihre Zwecke zu nutzen.

So reagieren Facebook und Instagram

Die großen sozialen Netzwerke verweisen – konfrontiert mit den Recherche-Ergebnissen – auf ihre Privatsphäre-Einstellungen. „Wir unterstützen Eltern dabei zu entscheiden, mit wem sie ihre Alltagsbilder teilen möchten“, heißt es in der Pressemitteilung.

Doch das ist offenbar nicht genug: Denn bei der Recherche sind in einigen Fällen auch Bilder von nicht-öffentlichen Social-Media-Profilen aufgetaucht. YouTube ließ – konfrontiert mit den Ergebnissen – verlauten, „dass man stark in Technologie investiere, die Kindern und Familien den bestmöglichen Schutz biete.“

Und was machen die Behörden?

Die werden bei Alltagsbildern in Kinderpornografie-Foren nur „in den seltensten Fällen aktiv.“ Denn allein die Aufnahmen sind nicht strafbar – lediglich Kommentare, die sexuelle Handlungen beschreiben.

Eltern könnten natürlich das Recht am eigenen Bild geltend machen und Anzeige erstatten. „Aber die wissen zumeist gar nicht, dass ihre Fotos geklaut und in entsprechende Plattformen hochgeladen wurden“, erklärt Staatsanwältin Julia Bussweiler gegenüber Panorama und STRG_F.

Der sicherste Schutz für Kinder und Jugendliche sei es deshalb, gar keine Bilder offen ins Netz zu stellen.

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Maria ist freie Journalistin und technische Mitarbeiterin an der Universität Leipzig. Seit 2021 arbeitet sie als freie Autorin für BASIC thinking. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet hier unter anderem für die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig.