Wirtschaft

Elon Musk liebt Brainteaser – trotzdem bringen sie im Job-Interview (fast) nichts

Verzweifelt, nachdenklich, traurig, Brainteaser
Brainteaser bringen uns manchmal an den Rand der Verzweiflung. (Foto: Pixabay.com / Peggy_Marco)
geschrieben von Christian Erxleben

Brainteaser sind komplizierte Denksportaufgaben, die in immer mehr Job-Interviews zum Einsatz kommen. Das Problem dabei: In den meisten Vorstellungsgesprächen sind sie unangebracht. Außerdem zeigt die Wissenschaft: Ihre Wirkung verfehlen sie auch. Eine Analyse.

Was sind Brainteaser?

„Wie viele Katzen gibt es in Deutschland?“ „Eineinhalb Hühner legen in eineinhalb Tagen eineinhalb Eier. Wie viele Eier legt ein Huhn am Tag?“ „Warum sind Kanaldeckel rund?“

Fragen wie diese kennen wir alle aus Vorstellungsgesprächen oder zumindest aus Erzählungen. Im Fachjargon wird diese Kategorie an Fragen als Brainteaser bezeichnet.


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Dahinter verbergen sich per Definition kniffelige Fragestellungen, die dazu dienen, „um Kreativität und logisches Denkvermögen von Bewerbern zu testen. Dabei kommt es nicht in erster Linie darauf an, dass der Bewerber die Aufgabe tatsächlich löst, sondern wie er an die Lösung herangeht.“

Welche Formen eines Brainteasers gibt es?

Tatsächlich geht es in den meisten Fällen also nicht darum, die richtige Antwort zu finden. In manchen Fällen gibt es diese überhaupt nicht. Vielmehr wohlen Personal-Verantwortliche mit diesen Fragen also deine Fähigkeiten testen. Dabei gibt es drei unterschiedliche Bereiche.

1. Echte Brainteaser

Dahinter verbergen sich in der Regel Trick- oder Fangfragen, die zu schnellen Antworten verleiten sollen.

  • Wie viel Erde befindet sich in einem Loch mit den Maßen 5 x 5 x 2 Meter? (Antwort: keine)
  • Wenn ein Tischtennisschläger und ein Tischtennisball 1,10 Euro kosten und der Schläger ein Euro teurer ist als der Ball – wie viel kostet dann der Ball? (Antwort: 5 Cent)

Wer hier vorprescht, zeigt, dass er tendenziell ungeduldig ist und gestellte Aufgaben nicht grundlegend reflektiert. Deshalb nimm dir Zeit und greife nicht auf die logisch erscheinende Antwort zurück. Sie ist in der Regel falsch.

2. Schätzfragen

„Wie schwer ist Manhatten?“ „Wie viele Seile hat die Golden Gate Bridge?“ oder „Wie viele Bücher werden in Berlin an einem Tag verkauft?“ Bei dieser Form des Brainteasers geht es nicht darum, dass du die Antwort kennst oder errätst.

Vielmehr geht es dem Interview-Partner darum, dein mathematisches Verständnis und dein logisches Denken abfragen. Auch hier ist der Weg das Ziel. Lass dein Gegenüber an deinen Gedankengängen teilhaben und schweige nicht in dich hinein.

3. Business Cases

„Wieso bricht der Umsatz von Dieters Dönerstand ein, obwohl er das Konzept nicht verändert hat?“ In diesem Fall gibt es wieder keine richtige Antwort – woher auch? Vielmehr werden durch diese Brainteaser dein methodisches und wirtschaftliches Verständnis überprüft.

Hast du schon einmal etwas von den 4P (Preis, Produkt, Place, Promotion) oder der SWOT-Analyse gehört? Jetzt sind sie gefragt. Bei den Business Cases geht es folglich darum, Nachfragen zu stellen, sich einem Problem anzunähern und mögliche Ursachen herauszuarbeiten.

Brainteaser haben mehr negative als positive Auswirkungen

Tatsächlich sind Brainteaser im Job-Interview sehr beliebt. Elon Musk ist beispielsweise in bekennender Fan. Und auch in anderen Firmen und Branchen gehören Denksportaufgaben regelmäßig zum Repertoire eines Vorstellungsgesprächs.

Doch dabei ist Vorsicht geboten. Eine Studie der Psychologen Scott Highhouse, Christopher Nye und Don Zhang an der Louisiana State University hat im Jahr 2018 beispielsweise ergeben, dass Brainteaser (falsch angewendet) oftmals primär negative Folgen haben.

Ein Anzeichen für Narzissmus und Sadismus

So betonen die Bewerber:innen, dass Fragesteller:innen, die auf Brainteaser setzen, narzisstische und sadistische Züge an sich haben. Je stärker die Charakterzüge ausgeprägt waren, desto häufiger sind derartige Fragen zum Einsatz gekommen.

Dieser Zusammenhang legt nahe, dass es nicht um das Abfragen von Wissen oder Logik geht, sondern darum, Bewerber:innen gezielt zu schikanieren und in Unruhe zu versetzen.

Negatives Unternehmensimage entsteht

Das wiederum sorgt laut den Forschern dazu, dass das Image des Unternehmens leidet. So projizieren die Bewerber:innen ihre schlechten Erfahrungen direkt auf die Firma.

Wenn diese Erlebnisse dann noch in den sozialen Medien via LinkedIn oder Xing oder auf Bewertungsplattformen wie Kununu oder Glassdoor landen, entsteht durch eine (dumme) Frage im Vorstellungsgespräch schnell eine negative Image-Spirale.

Wann sind Brainteaser sinnvoll – und wann nicht?

Zweifelsohne haben Brainteaser eine Berechtigung. So benötigen beispielsweise Ingenieure durchaus ein mathematisches Verständnis, um im späteren Berufsleben erfolgreich zu sein. Und auch Logikfragen sind für bestimmte Branchen essenziell.

Nichtsdestotrotz sind Brainteaser in den allermeisten Fällen nicht angebracht, weil sie schlichtweg keinen konkreten Bezug zum zukünftigen Beruf haben.

Sozialpädagog:innen, Journalist:innen oder Kassierer:innen müssen einfach nicht wissen, wo ein Mensch ist, wenn er einen Kilometer nach Süden, einen nach Westen und einen nach Norden geht und am Startpunkt wieder ankommt. Sie brauchen dieses physikalische Verständnis nicht. (Die richtige Antwort ist übrigens der Nordpol.)

Dementsprechend sollten Personal-Verantwortliche ihre Job-Interviews dringend auf Sinnhaftigkeit überprüfen. Brainteaser sind nur dann gerechtfertigt, wenn sie ein konkretes Ziel verfolgen und eine Berechtigung besitzen.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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