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Anschlag in Würzburg: Bitte hört auf, die persönlichen Bilder zu teilen!

Teelichter, Kerzen, Gedenkfeier, Andacht, Anschlag in Würzburg
Pixabay.com / pexel2013
geschrieben von Christian Erxleben

Am 25. Juni 2021 sind bei einem Anschlag in Würzburg drei Frauen brutal mit einem Messer erstochen worden. Von zweien kursieren Bilder im Internet. Ebenso wird gefordert, die Namen zu nennen. Bitte hört auf damit! Das sagt sogar die Polizei. Ein Kommentar.

Anschlag in Würzburg: 3 Frauen erstochen

Der Anschlag in Würzburg vom 25. Juni ist noch keine Woche her und hat trotzdem schon unsere Welt verändert. Ein 24-jähriger Somalier hatte in der Würzburger Innenstadt drei Frauen erstochen und noch sieben weitere Personen teilweise lebensgefährlich verletzt.

Die genauen Hintergründe zur Tat sind noch nicht bekannt. Der Mann soll an einer psychischen Erkrankung leiden. Ebenso ist ein islamistisches Motiv für den Angriff nicht auszuschließen. Die Ermittlungen dazu laufen noch.


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Bilder der Getöteten werden tausendfach geteilt

Währenddessen nehmen überall in Deutschland Menschen Anteil am persönlichen Schicksal der drei Getöteten sowie deren Bekannten und Angehörigen. Dafür teilen viele User eine Collage mit einer Kerze sowie zwei Fotos der ermordeten Frauen.

Unter Hashtags wie #WuerzburgAttack, #SagtIhreNamen und #SayTheirNames fordern zahlreiche Menschen, dass die Polizei endlich die drei Namen der Getöteten nennt. Bislang sind lediglich die Vornamen sowie das Alter der Opfer aus Würzburg bekannt.

Polizei bittet darum, keine persönlichen Bilder und Namen zu teilen

Die zuständige Polizei Unterfranken teilt jedoch stattdessen auf Facebook ein Statement, in dem sie darum bittet, die angesprochene Collage und die vollständigen Namen nicht zu teilen.

Nicht richtig ist es aus unserer Sicht, die Namen und noch schlimmer Fotos der Verstorbenen im Internet zu verbreiten und teilweise für politische Botschaften zu missbrauchen.

Und weiter:

Denkt bitte an die Angehörigen, die den schmerzlichen Verlust eines geliebten Menschen verkraften und verarbeiten müssen. Die Verbreitung der Namen und Fotos in den sozialen Medien ist hier nicht hilfreich und zeugt eben nicht von wirklicher Anteilnahme.

Die Zustimmung der User in den Kommentaren zeigt, dass es der richtige Weg ist.

AfD-Politiker und Rechte instrumentalisieren Bilder für ihre Anschauung

Wer sich auf den entsprechenden Plattformen – vor allem auf Twitter – umschaut, stellt fest, dass genau das passiert, was die Polizei Unterfranken befürchtet. Allen voran teilen AfD-Politiker, Rechte sowie Menschen mit Deutschland-Flaggen und #NoMerkel-Hashtags die Motive.

So schreibt beispielsweise ein User: „Steffi W. und Christiane H. sind zwei der Todesopfer von Würzburg. Zwei Frauen, die aufgrund der verfehlten Einwanderungspolitik der Bundesregierung ihr Leben lassen mussten.“

AfD-Politiker Bernhard Zimniok schreibt: „Während Die Mannschaft bei #ENGGER durch ihren pietätlosen Kniefall ihre Verachtung für die Opfer von #Wuerzburg zum Ausdruck brachte, werden wir ihnen die Stimme geben, die sie verdient haben: Johanna H. (82) Christiane H. (49) Steffi W. (24).“

Zahlreiche andere Mitglieder und Anhänger der Partei schließen sich an. Sie alle nutzen die drei Opfer, um Stimmung für die eigene Politik und gegen Migranten zu machen.

Erzählt die Geschichten der Opfer vom Anschlag in Würzburg

Weder das Nennen der vollständigen Namen noch das Zeigen und Verbreiten der Bilder ist für die Angehörigen ein Trost. Es ist schlichtweg auch nicht notwendig. Stattdessen sollten wir die Geschichten der drei Getöteten erzählen.

Die 24-Jährige Steffi W. war am schicksalhaften Freitag in Würzburg, um sich ein Kleid für die Hochzeit ihrer besten Freundin zu kaufen. Die Feier wurde verschoben. Erleben wird sie Steffi W. nicht mehr.

Die 49-jährige Christiane H. war gerade mit ihrer elfjährigen Tochter beim Shoppen unterwegs. Nach der ersten Messerattacke warf sie sich schützend vor ihre Tochter. Sie bezahlte mit ihrem Leben. Die Tochter kämpft schwerverletzt noch um ihr Leben.

Das dritte Opfer, Johanna H., lenkt die Aufmerksamkeit des Attentäters auf sich, um die elfjährige Tochter von Christiane H. nach deren Tod zu schützen. Während das Kind schwer verletzt aus dem Laden floh, wurde die 82-jährige Johanna ebenfalls grausam ermordet.

Woher stammen die Bilder überhaupt?

Diese Frage stellen sich offensichtlich die wenigsten User. Die Antwort ist dabei vermutlich so einfach wie traurig: Es handelt sich um Bilder aus dem Internet.

Das Motiv von Steffi W. stammt beispielsweise aus dem Jahr 2015. Es ist somit weder aktuell, noch gibt es Aussagen dazu, ob die Eltern dem Teilen zugestimmt haben. Und auch das Bild von Christiane H. ist offensichtlich ein Schnappschuss.

Und warum enthält die Collage der drei Opfer kein Bild zur 82-jährigen Johanna? Vermutlich weil die erstellende Person auf die Schnelle kein Bild im Internet gefunden hat. Dabei handelt es sich zwar um eine spekulative These. Naheliegend ist sie trotzdem.

Anteilnahme erfordert keine Fotos

Es ist richtig und wichtig, der drei getöteten Frauen zu gedenken. Wer sich solidarisch zeigen will, soll das machen. Auch wir sind betroffen und in Gedanken bei den Opfern und Angehörigen. Um jedoch Mitgefühl auszudrücken, braucht es weder (entwendete) Motive noch vollständige Namen.

Wir haben bewusst auf das Setzen von Links zu Twitter verzichtet, um die Privatsphäre der Opfer zu respektieren.

Hinweis: Aufgrund von zahlreichen persönlichen Beleidigungen und verfassungswidrigen, ideologischen Äußerungen haben wir uns dazu entschieden, die Kommentare unter diesem Beitrag zu schließen.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

2 Kommentare

  • Aber eins dürfte ja wohl klar sein. Hätte man den Mörder nicht in Deutschland hereingelassen, würden die drei Frauen noch leben.

  • Das macht überhaupt keinen Sinn. Wenn ein 5 jähriger Flüchtling ertrinkt, werden auch seine Bilder (sogar von seinem Tod) und seinen Namen geteilt. Es wird dann von Linken instrumentalisiert, dass wir doch noch mehr Flüchtlinge aufnehmen sollten. Wieso ist es bei diesem Fall in Würzburg anders?