Wirtschaft

Warum Demut die wichtigste Eigenschaft für Manager ist

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Unsplash.com / Ben White
geschrieben von Christian Erxleben

Demut hat vom Ursprung des Worts über die Jahrhunderte hinweg oftmals einen christlichen Bezug gehabt. Jedoch erleben Bescheidenheit und Zufriedenheit jetzt einen Aufschwung. Insbesondere die Etablierung einer Fehlerkultur macht Demut im Job zur wichtigsten Eigenschaft von Managern.

Die (historische) Definition von Demut

Demut leitet sich vom althochdeutschen Wort „diomuoti“ ab, das so viel bedeutet wie „Gesinnung eines Dienenden“. Die einzelnen Bestandteile des Wortes wiederum sind „dionon“ (für dienen) und „muot“ (für Mut).

Über Jahrhunderte hinweg wurde der Begriff der Demut vor allem im christlichen und religiösen Kontext verwendet. Dahinter verbirgt sich die unterordnende Haltung des Gläubigen gegenüber dem allmächtigen Schöpfer. Die Unvollkommenheit des Menschen steht dabei im Vordergrund.


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Eine modernere Definition bezeichnet Demut als „das Zurücknehmen der eigenen Interessen gegenüber einer höheren Macht oder gegenüber einer Gemeinschaft.“

Demut im Job als Grundlage für ein erfolgreiches Fehlermanagement

Vor allem die Rücksichtnahme gegenüber der Gemeinschaft spielt im Kontext von Demut im Job eine zentrale Grundlage.

In einer Studie haben sich Christoph Seckler von der ESCP Berlin, Sebastian Fischer von der Hamm-Lippstadt University of Applied Sciences und Kathrin Rosing von der Universität Kassel mit den wichtigsten Management-Eigenschaften zum Aufbau einer Fehlerkultur in Unternehmen beschäftigt.

Sie definieren Demut im Job als „die Bereitschaft sich selbst akkurat einschätzen zu wollen, Wertschätzung zu den Stärken und Beiträgen anderer auszudrücken und die Bereitschaft von anderen lernen zu wollen.

Demut als gemeinsames Merkmal von erfolgreichen Menschen

In insgesamt drei aufeinander aufbauenden Studien haben die drei Forschenden über zwei Jahre hinweg die Rolle von Demut im Job mit Blick auf den Erfolg von Mitarbeitenden und Managern untersucht.

Dafür haben sie zunächst 38 Interviews in einer qualitativen Untersuchung zur Bedeutung von Demut im Fehlermanagement geführt. Im Anschluss haben sie mit 220 Befragten quantitativ den Zusammenhang von Demut und Selbstwirksamkeit untersucht, um abschließend mit 380 Befragten die Erkenntnisse in der Praxis zu verifizieren oder falsifizieren.

Die Erkenntnis: Demut im Job ist die wichtigste Eigenschaft. Sie kommt bei all jenen Menschen vor, die effektiv aus Fehlern lernen. Das erklärt Studienautor Christoph Seckler exklusiv gegenüber BASIC thinking.

Lange ging die Forschung davon aus, dass Selbstwirksamkeit entscheidend für die Entwicklung eines Fehlermanagement-Mindsets sei. Nun zu sehen, dass Demut so entscheidend ist, ist ein Paradigmenwechsel für Forschung und Unternehmen.

Deshalb fordern Seckler und seine Kolleg:innen auch, dass Unternehmen die Demut als Eigenschaft gezielt fördern müssen, um Innovationen langfristig hervorzubringen.

Demut und Hochmut im Job: In diesen Charaktereigenschaften offenbart es sich

Schon die Herkunft und historische Bedeutung des Begriffs Demut zeigt, dass es sich um keinen einfachen Begriff handelt. Glücklicherweise finden sich viele Charaktereigenschaften, die demütige Menschen haben. Sie zu identifizieren, ist für den eigenen Erfolg entscheidend.

Typische Fähigkeiten sind Bescheidenheit, Genügsamkeit, Zufriedenheit, Duldsamkeit, Hingabe und Nachgiebigkeit. All jene Skills beschreiben einen Menschen oder Manager, der sich von der eigenen Wichtigkeit – oder dem eigenen Ego – befreit hat, und so die Entfaltung anderer ermöglicht und fördert.

Und auch das Gegenteil – also Hochmut – offenbart sich in typischen Charakterzügen. Dazu gehören wiederum Eitelkeit, Respektlosigkeit, Undankbarkeit, Selbstüberschätzung und Affektiertheit. Dabei handelt es sich um Eigenschaften von Menschen, die viele zwischenmenschliche Probleme haben.

Wer keine Zurückhaltung und Demut im Job zulässt, zeigt sich beispielsweise mit Gehaltserhöhungen unzufrieden oder achtet stets nur auf die anderen. Dabei ist es für den beruflichen Erfolg unabdingbar, eine Metaebene einzunehmen, die einen neutralen Blick auf die Ereignisse ermöglicht.

Demut im Job als Chance für beruflichen Aufstieg

Hochmütige und egoistische Menschen in Führungspositionen sind für demütige Charaktere eine großartige Chance für beruflichen Aufstieg. Stolze oder übermäßig überzeugte Menschen sind sich ihrer Überheblichkeit oftmals nicht vollumfänglich bewusst.

Deshalb sind eitle Manager oder Führungskräfte für demütige Menschen auch sehr anfällig. Sie bemerken nicht, dass sie durch Demut manipuliert werden können. Deshalb solltest du für deine Karriere in derartigen Situationen einen unterwürfigen Ton anstimmen.

Versuche nicht, Hochmut mit Hochmut zu konfrontieren. Das funktioniert nicht – insbesondere dann nicht, wenn du in der untergeordneten Rolle bist. Stattdessen solltest du durch gezielte Fragen deinem Chef die richtigen Antworten quasi in den Mund legen. Er wird dann dazu übergehen, deine ursprünglichen Ideen als seine auszugeben.

Du erhältst in diesem Fall zwar nicht die Anerkennung. Allerdings hast du deine Ideen und Vorstellungen durchgesetzt, ohne dass sich dein Chef dessen bewusst ist. Und weil du demütig bist, kannst du den Stolz, dass es eigentlich deine Idee war, sprichwörtlich runterschlucken.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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