Wirtschaft

Was bedeutet der digitale Wandel für uns Menschen?

Deine Wahl, Your Choice, Christopher Peterka
Carsten Lexa
geschrieben von Carsten Lexa

Was bedeutet der digitale Wandel für uns als Menschen? In öffentlichen Diskussionen wird diese Frage immer wieder angerissen. Das Buch „Deine Wahl“ von Christopher Peterka will eine Antwort geben. Ich habe das Buch gelesen und sage dir, ob du es auch lesen solltest.

Die Ausgangssituation

Die Ausgangssituation ist einfach und wurde schon so oft genannt, dass man es eigentlich nicht mehr hören kann: Der digitale Wandel, den wir gerade erleben, ist radikal und umfassend. Was wir aber selten hören, sind sinnvolle und durchdachte Antworten auf die Frage, was dieser radikale und umfassende Wandel für uns Menschen bedeutet.

Christopher Peterka hat mit seinem Buch „Deine Wahl“ eine Antwort. Wir sollen viel mehr hinterfragen anstatt die Veränderungen hinzunehmen. Oder schlimmer noch: Mit unseren unbedachten Handlungen den Wandel ohne Einflussmöglichkeit mitzugestalten.

Der Einstieg in das Buch

Ich muss vorab sagen, dass mir der Einstieg in das Buch nicht leicht gefallen ist. So geht es gleich los mit der Aussage, dass der Autor überall Angst erlebt. Dem will er abhelfen, denn „dieses Buch entstammt einer Liebe für die Menschheit.“ Oh man – und kurz darauf wird der Leser angesprochen, dass er „großartig“ sei.

Das kommt mir alles bekannt vor. Insbesondere wenn ich dann lese, dass ich ein Vollidiot bin, der Mark Zuckerberg meine Daten anvertraut. Also wieder nur ein Buch, dass die üblichen Gegner zum Ziel hat?

So dachte ich zumindest und habe konsequenterweise das Buch nach dem Lesen von ein paar Seiten erst einmal beiseite gelegt. Der nächste Versuch hat dann ein paar Monate gedauert. Doch er hat sich gelohnt.

Denn wenn man erst einmal den Einstieg hinter sich gelassen und sich auf die menschliche Sichtweise des Autors eingelassen hat, dann schafft das Buch genau das, was vom Autor beabsichtigt ist: Es regt zum Nachdenken an, und zwar extrem!

Der Inhalt des Buches

Christopher Peterka zeigt dabei nicht nur auf, wo wir als Menschen derzeit in der digitalen Entwicklung stehen, sondern weshalb unsere Wahrnehmung von diesem Stand unzutreffend ist. Er zeigt auch auf, dass wir bei der Nutzung digitaler Werkzeuge weit unter Potential bleiben.

Und er zeigt zuletzt auf, inwieweit wir unsere Perspektive ändern müssen – weg von der einseitigen in die mehrseitige Blickrichtung. Wir sind beispielsweise einerseits gestresst, andererseits umgeben von unglaublichen, aber selten bewusst genutzten Möglichkeiten.

Dabei reißt der Autor sehr interessante Ideen an, die vielleicht für sich alleine nicht neu sind, aber im Gesamtkontext des Buches ein umfassendes Bild geben.

So beschreibt er beispielsweise die Fehlentwicklungen bei der Produktion von Gütern, weil dabei die Umweltauswirkungen nicht berücksichtigt werden. Wenn dies jedoch passieren würde, würden sich unweigerlich Preise erhöhen. Und er fragt dann: „Ja und?“

Das Problem: Wir akzeptieren Konsequenzen

Dabei geht es dem Autor nicht um das schlechte Gewissen, sondern um Vernunft und Konsequenz. Viele Entwicklungen konnten deshalb entstehen, weil bestimmte Konsequenzen einfach hingenommen wurden.

So bringt er als anderes Beispiel, dass Dienste wie Google Maps oder Facebook zwar zunächst kostenlos sind. Letztendlich bezahlen die User die Dienste allerdings mit ihren Daten – und zwar mit einer Menge an Daten, die nicht einfach nur gesammelt, sondern auch verknüpft, ausgewertet und verwertet werden.

Jeder Mensch kann etwas verändern

Und basierend auf diesem klaren und unverstellten Blick auf die digitale Realität, mit all ihren eher ungünstigen Dimensionen und Auswirkungen, präsentiert der Autor neue und konsequentere Denkansätze, die nicht immer bequem sind.

Ich habe oben schon von den sich erhöhenden Preisen gesprochen und den nur vermeintlich kostenlosen sozialen Netzwerken.

Dabei, und das gefällt mir, basieren seine Gedankengänge und Vorschläge auf dem Ausgangspunkt, dass jeder einzelne nicht machtlos ist, sondern einen Unterschied machen kann.

Allerdings setzt das eine neue Art des Denkens voraus: fürsorglich, inklusiv, vernetzt und neugierig. Wir alle sind in ein System eingebunden, auf das wir Auswirkungen haben. Und genau diese Auswirkungen sind es, die wir bewusst steuern sollten.

Mein Fazit zu „Deine Wahl“

Was mir gefallen hat

Was mir am Buch gefällt, ist die Art, wie das „große Bild“ entwickelt wird. Wie ich schon geschrieben habe, sind die präsentierten Ideen nicht sonderlich neu. Aber die Art, wie die Ideen ineinandergreifen und einen größeren Kontext ergeben, hat mir außerordentlich gut gefallen.

Wenn der Autor präzise aufzeigt, warum nicht die Realität, sondern das Narrativ, entscheidend ist und das exponentielle Wachstum für uns eine immens große Rolle spielen wird, die Folgen uns aber gar nicht klar sind, und dies dann nutzt um zu zeigen, dass wir gar keine andere Wahl mehr haben als endlich eine Wahl zu treffen, dann fällt es schwer, dagegen zu argumentieren.

Und es wird auch nichts beschönigt: Die zu treffende Wahl wird uns aus unserer Komfortzone herausbringen. Doch das ist nicht schlimm.

Wo es Nachholbedarf gibt

Was mir nicht so gut gefallen hat, waren die Schlussfolgerungen am Ende von „Deine Wahl“. Ich hätte mir gewünscht, dass die Empfehlungen etwas konkreter wären.

So hatte ich am Ende den Eindruck, dass es dem Autor gereicht hat zu zeigen, dass man sich als Leser endlich mit der eigenen Wahl beschäftigen muss und warum dies erforderlich ist.

Aber die Empfehlungen, in welche Richtung die Wahl zu treffen ist und warum eine Entscheidung besser ist als die andere, bleiben etwas dürftig. An dieser Stelle fühlt man sich dann etwas alleine gelassen.

Der Haken mit dem Wendebuch

Und noch etwas: Das Buch ist ein „Wendebuch“, das von beiden Seiten gelesen werden kann. Einmal kann man es dann auf Englisch und einmal auf Deutsch lesen. Allerdings sind die Inhalte identisch, was bedeutet, dass es wohl nur wenige Leser geben wird, die sich einfach nur beide Sprachversionen antun wollen.

Eine Empfehlung für „deine Wahl“

Dadurch wird dann im Endeffekt die Hälfte des Umfangs des Buches verschwendet. Es ist ein nettes Gimmick, aber den Nutzen finde ich fraglich.

Nichtsdestotrotz empfehle ich dieses Buch jedem, insbesondere Gründern. Da es immer wichtiger wird, einem zu gründenden Unternehmen einen übergeordneten Sinn zu geben, kann dieses Buch helfen, sich tiefergehende Gedanken über diesen Sinn zu machen. Und das ist dann wieder genau im Sinne des Autors.

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Über den Autor

Carsten Lexa

RA Carsten Lexa berät seit über 10 Jahren deutsche und internationale Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschaftsrechtlicher Art, z.B. bei Gründungen, Strukturierungen oder Vertragsgestaltungen aber auch zu rechtlich-strategischen Fragen. Darüber hinaus war er Weltpräsident der G20 Young Entrepreneurs´ Alliance (G20 YEA), Mitglied der B20 Taskforces und Rechtsbeistand der Wirtschaftsjunioren Deutschland. Er ist Mitinitiator der Gründerinitiative Gründen@Würzburg und Botschafter der Oskar-Patzelt-Stiftung für die Auszeichnung „Großer Preis des Mittelstands“. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und unternehmensrechtlichen Fragen.

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