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Lordstown Motors: Vom gehypten Tesla-Konkurrenten zum Skandalkind

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Screenshot / Facebook
geschrieben von Marinela Potor

Lordstown Motors galt als vielversprechendes Wunderkind unter den US-Elektroautobauern – bis ein Betrugsskandal das Start-up fast in die Pleite trieb. Jetzt scheint die Firma gerettet. Vorerst. Was genau ist passiert? Wie konnte es so weit kommen? Und was steckt hinter dem Unternehmen? 

Alles begann so vielversprechend für Lordstown Motors, als es im Jahr 2019 eine ehemalige Fabrik von General Motors in der Stadt Lordstown im US-Bundesstaat Ohio übernahm. Hier, zwischen den Industriestädten Cleveland und Pittsburgh, sollte eine neue Wirkungsstätte für Elektroautos entstehen.

Große Versprechungen und viel Hoffnung

Auch das erste Modell klang hoffnungsvoll. Lordstown Motors wollte sich an einen elektrischen Pickup-Truck wagen – ähnlich wie Konkurrent Rivian.


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Mit „Endurance“ wollte Lordstown Motors allerdings noch einen Schritt weiter als Rivian gehen und den weltweit ersten kommerziellen E-Pickup-Truck herausbringen – also ein Fahrzeug, das sich auch auf Baustellen oder anderen Industrieanlagen einsetzen lässt.

Der Einstiegspreis lag bei 55.000 US-Dollar (etwa: 46.400 Euro) und mit einer Ladung bot Endurance angeblich eine Reichweite von über 400 Kilometern.

Lordstown Motors als Tesla-Konkurrenz gehypt

Bis hierhin hatte Gründer Steve Burns also alles richtig gemacht. Burns gründete Lordstown Motors 2018. Bevor er sein eigenes Unternehmen gründete, war Burns CEO bei der Workhorse Group, einem Konzern, der sich auf die Herstellung von Elektronutz- und -lieferfahrzeugen spezialisiert hat.

Von der Workhouse Group erstand Burns die Rechte für geistiges Eigentum an einem der Pickup-Trucks der Gruppe für zwölf Millionen US-Dollar (rund zehn Millionen Euro). Darauf sollte Endurance basieren.

Es lief also sprichwörtlich alles wie am Schnürchen für Lordstown Motors. Einige sahen das Start-up bereits als großen Konkurrenten für andere US-Elektroautobauer wie Tesla, Nikola oder Rivian.

Börsengang und Expansion von Lordstown Motors

So war es nicht überraschend, dass Lordstown Motors im Oktober 2020 über einen SPAC-Merger mit Diamond Peak Holdings an die Tech-Börse Nasdaq ging, bevor das Unternehmen jemals ein Elektroauto vom Band hatte laufen lassen.

Der Wert des Start-ups wurde nach dem Börsengang auf 1,6 Milliarden US-Dollar (1,35 Milliarden Euro) geschätzt.

Noch im Januar 2021 eröffnete Lordstown ein Kundenzentrum im US-Bundesstaat Kalifornien. Hier sind die staatlichen Förderungen für Elektroautos besonders hoch, sodass das Unternehmen sich hier einen größeren Kundenmarkt versprach als im Mittleren Westen.

Schwere Betrugsvorwürfe gegen E-Autobauer

Doch dann kam das Drama! Im März 2021 kam eine Recherche der Firma Hindenburg Research heraus, die Lordstown Motors Betrug vorwarf.

Der Bericht mit dem dramatischen Titel „Fake-Bestellungen, verheimlichte Produktionshürden und ein Prototyp-Inferno“ listet auf, wie Lordstown angeblich Investoren bewusst in die irre geführt habe, indem das Unternehmen sowohl die Nachfrage nach Endurance als auch die eigenen Produktionskapazitäten deutlich übertrieben habe.

Alles fake bei Lordstown Motors?

Der Bericht legt nahe, dass so gut wie alles bei Lordstown Motors fake ist.

Zum einen hatte Hindenburg Research herausgefunden, dass die vermeintlich 100.000 Vorbestellungen des Pickups nicht bindend waren. Denn, anders als üblich, hatten Interessierte keine Vorauszahlungen getätigt. Vorauszahlungen sichern Unternehmen und Investoren finanziell ab, bevor sie die Produktion starten.

Einige der angeblichen Bestellungen wurden außerdem von Firmen getätigt, die es gar nicht gibt, oder jedenfalls sehr fragwürdig sind, heißt es im Artikel.

14.000 Fahrzeuge für ein Ein-Mann-Unternehmen

Für eine Firma etwa, die angeblich über 14.000 Fahrzeuge geordert hatte, habe man unter der Firmenanschrift lediglich einen kleinen Betrieb gefunden, der aus einer Wohnung operiere und definitiv keine Fahrzeugflotte betreibe.

Zudem habe Steve Burns noch in seiner Zeit als CEO bei Workhorse Berater für Endurance-Vorbestellungen bezahlt. Damit habe er Glaubwürdigkeit vor Investoren vortäuschen wollen.

All das sah Hindenburg Research als bewusste Täuschung von Investoren. Darüber hinaus gab es wohl auch verheimlichte Produktionsprobleme bei dem E-Autobauer.

Lordstown-CEO tritt zurück – Aktie bricht ein

Am Tag nach der Veröffentlichung des Berichts fiel die Lordstown-Aktie um 17 Prozent und die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC leitete später eine Untersuchung ein.

So musste das Unternehmen schließlich im Juni 2021 gegenüber der SEC zugeben, dass es nicht genügend Mittel hatte, um die versprochenen Fahrzeuge zu produzieren und Lordstown Motors kurz vor dem Bankrott stehe. Nicht überraschend traten noch im gleichen Monat CEO Steve Burns und Finanzchef Julio Rodriguez zurück.

Gibt es noch Hoffnung für Lordstown?

Damit stand Lordstown Motors eigentlich so gut wie vor dem Aus. Bis am 23. Juli schließlich die Investmentfirma Yorkville Advisors versprach, über einen Zeitraum von drei Jahren Lordstown-Aktien im Wert von 400 Millionen US-Dollar (338 Millionen Euro) zu kaufen.

Sollten Anleger den Deal akzeptieren, könnte das Unternehmen mit dem Kapital die Elektroautos doch noch bauen. Lordstown Motors hätte somit noch eine Überlebenschance.

In der Zwischenzeit hat Lordstown angekündigt, am 11. August 2021 seine Quartalszahlen für das zweite Quartal 2021 zu veröffentlichen. Diese dürften sowohl Anleger als auch Investoren und Branchenbeobachter mit Spannung erwarten.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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