Wirtschaft

Warum abwesende Führungskräfte das größte Problem sind

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Unsplash.com / Laura Davidson
geschrieben von Christian Erxleben

Wer als Führungskraft seine Mitarbeitenden anlügt, bloßstellt oder ignoriert, wird schnell als destruktiver Boss identifiziert. Die weitaus größere Gefahr sind jedoch abwesende Führungskräfte. Doch wie erkennst du sie? Und welche Folgen hat abwesende Führung?

Die Corona-Pandemie hat Führungskräfte in Deutschland und der Welt vor die größten Herausforderungen der vergangenen Jahre gestellt. Insbesondere die dezentrale Führung von Mitarbeitenden hat einigen Chef:innen große Probleme bereitet.

Konstruktive Führung und destruktive Führung

Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen zwei Formen der Führung: konstruktive Führung und destruktive Führung.


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Die konstruktive Führung ist gekennzeichnet durch positive Attribute. So spielen beispielsweise die Ambitionen der Mitarbeitenden und das soziale Miteinander dabei eine große Rolle. Die Arbeitsbeziehung zwischen Angestellten und Führungskraft ist positiv und von gegenseitiger Wertschätzung und Unterstützung geprägt.

Dem gegenüber steht destruktive Führung. Sie ist innerhalb eines Unternehmens schnell zu erkennen. Die entsprechenden Führungskräfte legen destruktives Verhalten an den Tag. Das heißt: Sie lügen, werden laut oder stellen einzelne Mitarbeitende vor der Gruppe bloß.

Laut einer Studie der Job-Plattform Kununu gibt es in 85 Prozent aller Firmen mindestens eine destruktive Führungskraft. Der Vorteil: Nach den Erkenntnissen einer Untersuchung der Personalberatung Hogan Assessments verlassen destruktive Führungskräfte ihre Position in der Regel nach sechs Monaten – freiwillig oder unfreiwillig.

Die wahre Gefahr: abwesende Führungskräfte

Destruktive Führungskräfte richten folglich kurzfristigen Schaden innerhalb eines Unternehmens an. Da ihr Verhalten jedoch schnell identifiziert werden kann, lässt sich das Problem auch schnell in den Griff bekommen.

Deutlich komplizierter ist die Situation, wenn es abwesende Führungskräfte gibt. Sie zeichnen sich durch mentale und psychologische Abwesenheit aus, genießen laut Hogan „die Privilegien und Vorrechte ihrer Führungsrolle, vermeiden jedoch eine sinnvolle Einbindung in ihre Teams.“

Da sie sprichwörtlich unter dem Radar der Geschäftsführung fliegen, sind jedoch abwesende Führungskräfte deutlich schwieriger zu identifizieren. Die größte Gefahr besteht darin, wenn der Geschäftsführer selbst abwesend ist. Dementsprechend sind die Konsequenzen ihres Nicht-Handelns auch von mittel- oder sogar langfristiger Natur.

Wodurch zeichnen sich abwesende Führungskräfte aus?

Selbstverständlich gibt es trotzdem Anzeichen, die auf fehlende oder abwesende Führung in einer Abteilung oder einem kompletten Unternehmen hinweisen. Zu den typischen Charakteristika gehören:

  • mangelnde Orientierung für Mitarbeitende
  • langsame und verzögerte Antworten und Entscheidungen
  • nicht vorhandenes oder mangelndes Feedback für die Mitarbeitenden
  • fehlende finanzielle Anreize
  • ausbleibende Motivation für die Mitarbeitenden

Letztendlich kämpfen die einzelnen Teammitglieder also individuell um Anerkennung und Respekt. Zugleich wissen sie nicht, woran sie sind. Sie müssen aktiv nach Aufgaben, Reflektion und auch Gehaltserhöhungen fragen. All das führt tendenziell dazu, dass Mitarbeitende eher dazu geneigt sind, das Unternehmen zu verlassen.

Die Konsequenzen von abwesender Führung

Dementsprechend ist es wenig überraschend, dass abwesende oder fehlende Führung noch weitere negative Konsequenzen nach sich zieht.

Allerdings – und das muss an dieser Stelle herausgehoben werden – ist die Abwanderung von Mitarbeitenden für Unternehmen auch schon eine sehr große Gefahr. Laut der Studie von Hogan Assessments bleibt es jedoch nicht dabei. Weitere Konsequenzen sind:

  • unklare Rollenverteilung und daraus entstehende Konflikte unter Mitarbeitenden
  • Mobbing am Arbeitsplatz
  • Burnout aufgrund fehlender Strukturen und Vorgaben

Oder anders ausgedrückt: Fehlende Führungskräfte führen zu einer erhöhten psychologischen Belastung von Mitarbeitenden. Dass daraus Kündigungen resultieren, erscheint dabei fast selbstverständlich.

Bin ich eine abwesende Führungskraft?

Es ist natürlich grundsätzlich erst einmal fraglich, ob sich abwesende Führungskräfte diese Frage überhaupt stellen würden. Allerdings kann es im Lauf der Zeit auch passieren, dass ehemals konstruktive Führungskräfte aus der Bahn kommen. Somit zeigt sich wieder einmal, dass Selbstreflexion zu den wichtigen Eigenschaften gehört.

Ob du für deine Mitarbeitenden abwesend bist, findest du am ehesten durch eine Analyse deiner Kommunikation heraus. Bist du in Meetings und auch im Slack-Chat aktiv oder lässt du nur einmal am Tag von dir hören?

Weißt du, was deine Mitarbeitenden aktuell persönlich beschäftigt? Vor welchen Problemen stehen sie beruflich und privat? Wenn du diese und ähnliche Fragen nicht beantworten kannst, hast du vermutlich den Kontakt zu deinen Angestellten verloren.

Spätestens dann solltest du dich wieder verstärkt kommunikativ einbringen und das Gespräch suchen. Das gilt insbesondere auch für Führungskräfte, die sich primär an Leistungskennzahlen orientieren und das Zwischenmenschliche als Randfaktor abstempeln.

Fazit

Führungskräfte dürfen den Kontakt zu ihren Mitarbeitenden nicht verlieren. Zwischenmenschliche Interaktionen bringen zwar auf den ersten Blick keine wirtschaftlichen Vorteile.

Allerdings sind die Konsequenzen von abwesender Führung – Mobbing, Burnout und Kündigungen – wesentlich schlimmer. Diese wiederum haben nämlich auch wirtschaftliche Auswirkungen auf ein Unternehmen. Somit sind Chef:innen gut darin beraten, sich aktiv einzubringen. Das gilt insbesondere im Home Office.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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