Wahl-O-Mat, Politik, Bundestagswahl, Wahl-Tool

Wahl-O-Mat: Wie funktioniert er, und solltest du ihm trauen?

Fabian Peters
Screenshot: wahl-o-mat.de

Seit heute, dem 02. September 2021, ist der Wahl-O-Mat am Start. Er soll Unentschlossenen dabei helfen, eine Wahlentscheidung zu treffen. Doch wie genau funktioniert das, was sagen Kritiker:innen und welche Alternativen gibt es?

Rund drei Wochen vor der Bundestagswahl am 26. September 2021 ist der Wahl-O-Mat online gegangen. Er soll Unentschlossenen dabei helfen, ihre politischen Überzeugungen mit den Wahlprogrammen aller zur Bundestagswahl zugelassenen Parteien zu vergleichen. Am Ende steht im Idealfall eine Wahlentscheidung. Doch auch immer wieder gibt es Kritik an dem beliebten Wahlhilfe-Tool.

Eine kurze Geschichte zum Wahl-O-Mat

Seit 2002 gibt es den Wahl-O-Mat. Unter der Schirmherrschaft der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) kam er erstmals bei der damaligen Bundestagswahl zum Einsatz. Seither wird er ständig weiterentwickelt.

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Damals konnten Nutzer:innen 27 Fragen beantworten, um ihren Standpunkt mit den politischen Überzeugungen der berücksichtigten Parteien zu vergleichen. Im Jahr 2002 waren jedoch lediglich alle bereits im Parlament vertretenen Parteien oder diejenigen, die in Umfragen mehr als drei Prozent erreichten, Teil des Wahl-O-Mats.

Mittlerweile berücksichtigen die Entwickler:innen in der Regel alle Parteien, die mit einer Liste zu den entsprechenden Wahlen zugelassen wurden. Das Wahlhilfe-Tool kommt zudem auch bei Landtagswahlen und Wahlen zum Europäischen Parlament zum Einsatz.

Aus einst 27 Fragen wurden zudem standardmäßig 38 Fragen beziehungsweise Thesen. Und seit 2009 fließen nicht mehr nur die Wahlprogramme in den Wahl-O-Mat mit ein. Die Parteien haben zusätzlich die Möglichkeit, ihre Positionen zu erläutern.

Insgesamt wurde der Wahl-O-Mat im Vorfeld von Wahlen über 85 Millionen Mal genutzt. Seit 2011 gibt zudem eine App für iOS und Android-Geräte.

Wie funktioniert der Wahl-O-Mat?

Der Wahl-O-Mat ist ein Frage-Antwort-Tool. Nutzer:innen können dabei die eigenen Überzeugungen mit den Standpunkten der zu einer Wahl zugelassenen Parteien vergleichen.

Im Ergebnis ermittelt der Wahl-O-Mat die prozentuale Übereinstimmung mit den Programmen der ausgewählten Parteien. Für die Auswertung wiederum können User sowohl nur für sie interessanten Parteien oder alle Parteien gleichzeitig auswählen.

Zuvor müssen jedoch 38 Fragen beziehungsweise Thesen beantwortet werden. Zur Option stehen die Antwortmöglichkeiten „stimme zu“, „stimme nicht zu“ und „neutral“. Die Thesen können zudem übersprungen werden.

Wer alle Thesen beantwortet hat, kann einzelne Thesen für die Auswertung zudem optional doppelt gewichten. Der gesamte Prozess kann beliebig oft wiederholt werden. User haben außerdem die Möglichkeit, lediglich die Parteiauswahl zu ändern, ohne alle Fragen erneut zu beantworten.

Die inhaltliche Grundlage für den Wahl-O-Mat bilden die Wahlprogramme der Parteien. Die jeweiligen Thesen erarbeitet ein Team, bestehend aus den Verantwortlichen der bpb, unabhängigen Expert:innen und Wissenschaftler:innen sowie einer Redaktion aus Jung- und Erstwähler:innen, für die man sich bewerben kann.

Über Kritik und Alternativen

Kritiker:innen bemängeln oftmals die fehlende Ausgewogenheit des Tools. Letztlich müssen komplexe Themen häufig deutlich verkürzt und zugespitzt wiedergegeben werden. Vermeintlich einfache und populistische Thesen würden so in den Vordergrund rücken.

Zudem haben die Parteien im Gegensatz zu den Usern, soweit bekannt ist, nicht die Möglichkeit Fragen doppelt zu gewichten.

Neben dem Wahl-O-Mat gibt es mittlerweile zahlreiche weitere Wahlhilfe-Tools, die Unentschlossenen bei ihrer Entscheidung behilflich sein sollen. Zu den bekanntesten zählen der Wahl-Kompass, Wahlswiper und Deinwal.

Während der Wahl-Kompass, der von der Universität Münster entwickelt wurde, vor allem auf einen wissenschaftlichen Hintergrund setzt, verfolgt Deinwal einen gänzlich anderen Ansatz. So fußt das Open-Source-Tool auf dem tatsächlichen Abstimmungsverhalten der Parteien im Bundestag, mit dem User ihren Standpunkt vergleichen können.

Der Wahlswiper wiederum hat sich die Funktionsweise der Datin-App Tinder zu eigen gemacht. Per Wischbewegung können Nutzer:innen so ihre Meinung zu verschiedenen Thesen kundtun. Im Gegensatz zum Wahl-O-Mat sind jedoch nicht alle Parteien vertreten. Zudem können User sich nicht „neutral“ äußern.

Trotz aller Kritik und Alternativen ist der Wahl-O-Mat nach wie vor das beliebteste und wohl auch aufwendigste Wahlhilfe-Tool, das eine Vielzahl an Faktoren berücksichtigt.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).