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Kann man in einigen Monaten das Programmieren lernen? Ja, aber …

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geschrieben von Marinela Potor

Coder sind momentan sehr gefragt. Die Anfrage nach Bildungsangeboten ist entsprechend hoch. Einige Bildungseinrichtungen versprechen daher schnellen Erfolg in Online-Bootcamps, um in wenigen Monaten Programmieren zu lernen. Kann das funktionieren?

Eine krisensichere Stelle, ein kreatives Arbeitsumfeld, flexibles Arbeiten im Home Office und ein hohes Gehalt: Es gibt viele gute Gründe, warum so viele junge Menschen das Programmieren lernen wollen. Coder als Berufswunsch ist derzeit so beliebt wie selten zuvor.

Insbesondere das vergangene Pandemie-Jahr hat gezeigt, wie wichtig und begehrt Programmierer:innen sind. Doch der traditionelle Weg zum ausgebildeten Coder über ein Studium oder eine Ausbildung dauert teilweise mehrere Jahre.


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In wenigen Monaten zum Coder

Daher haben sich vor allem in den USA Universitäten aber auch technische Bildungsinstitute etwas Neues ausgedacht, um die hohe Anfrage zu decken: Online-Bootcamps, um das Programmieren zu lernen.

Diese Bootcamp-Kurse sind so ausgelegt, dass Studierende schon nach wenigen Monaten eine Ausbildung absolvieren können. Die kurze, aber intensive Ausbildung findet in der Regel online statt und verspricht Teilnehmenden eine hohe Erfolgsquote und gute Gehälter.

Doch die Realität sieht anders aus. Das liegt nicht allein daran, dass die Ausbildungszeit sehr kurz ist. Es liegt auch daran, wie das Programmieren unterrichtet wird.

Fokus auf Programmiersprachen

Denn in diesen Bootcamps konzentrieren sich Lehrkräfte vor allem auf die momentan beliebtesten Programmiersprachen. Insbesondere derzeit angesagte Sprachen wie C+ sollen Studierende anlocken.

Nun kann man sich natürlich darüber streiten, welche Programmiersprachen wichtiger sind. Einige Expert:innen glauben, dass Javascript den Studierenden einen schöneren, saubereren und fehlerfreieren Code beibringt.

Andere wiederum finden, dass C den Studierenden tiefere Einblicke und ein besseres allgemeines Verständnis fürs Programmieren vermittelt.

Doch die Problematik der Bootcamps bleibt die Gleiche – unabhängig davon, welche Sprache man unterrichtet. Die Bootcamps konzentrieren sich darauf, die wichtigsten Grundlagen zu unterrichten. Das ist angesichts der kurzen Zeitspanne verständlich. Was Studierende in dieser Zeit nicht lernen können, ist ein taktisches Verständnis für den Markt.

Programmieren lernen sollte ganzheitlich sein

Nach Ansicht von Max de Lavenne, CEO der Softwareentwicklungsfirma Buildable, ist das ein Fehler. Denn im Arbeitsalltag besteht der Job der Programmierer:innen seiner Meinung nach lediglich zu 40 Prozent aus Programmieren.

Der Rest bestehe darin, seine Fähigkeiten zu vermarkten und auch überhaupt zu verstehen, was aktuell auf dem Markt gesucht sei. Lavenne fordert daher eine ganzheitlichere Ausbildung.

Praxiserfahrung fehlt

Gleichzeitig fehle es aber auch an Spezialisierungsmöglichkeiten in den Bootcamps. Dabei sei dies wichtig für den Berufseinstieg. Denn insbesondere bestimmte Fähigkeiten – wie etwa Kenntnisse zu Cloud-Plattformen – seien in Unternehmen momentan sehr gefragt.

Im Endeffekt fehlt es den Teilnehmenden in den Bootcamps sowohl an ganzheitlichen Lernerfahrungen als auch an Spezialisierungen.

Auch haben Studierende kaum die Möglichkeit, Praxiserfahrung zu sammeln. Das ist zwar ein generelles Problem für Absolvent:innen. Doch hier liegt beim Programmieren lernen der Fokus oftmals zu sehr auf der Theorie – nicht nur in Bootcamps, sondern auch in Universitäten.

Hilfreicher wäre es, wenn Studierende über Projektarbeit oder auch Praktika mehr Praxiserfahrung sammeln könnten. Dies ließe sich auch in den kürzeren Bootcamps umsetzen. Doch oftmals ist dies gar nicht Teil des Lehrplans.

Lehrpläne zu alt

Das liegt auch daran, dass Lehrkräfte ihre Kurrikula zu selten überarbeiten. Insbesondere in einem Bereich wie dem Coding, in dem sich so schnell so viel verändert, müssten Lehrpläne viel häufiger überarbeitet werden.

Es ist also nicht unmöglich, das Programmieren in Bootcamps zu lernen. Doch der Fokus müsste hierbei neu ausgerichtet werden und nicht nur die Grundlagen unterrichten, sondern mehr Branchen- und Praxiskenntnisse vermitteln.

Denn andernfalls starten Absolvent:innen mit völlig falschen Erwartungen in die Berufswelt.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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