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Statt Amazon Prime: Wiener Linien testen Fahrgäste als Paketboten

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Wiener Linien
geschrieben von Marinela Potor

Vergiss Amazon Prime! Die Wiener Linien testen derzeit, ob Fahrgäste künftig als Paketlieferant:innen eingesetzt werden können. Damit könnte man laut den Berechnungen des Unternehmens immerhin 20 Prozent Treibhausgase einsparen.

Fahrgäste übernehmen die Paketzustellung. Die Idee der Wiener Linien ist so simpel wie unkonventionell. Wieso sollten Dienste wie Amazon Prime mit viel Aufwand und Emissionen Pakete liefern, wenn das auch Fahrgäste aus Bus und Bahn quasi „auf dem Weg“ übernehmen können?

Das würde nicht nur für weniger Staus und Verkehr durch Lieferungen in Österreichs Hauptstadt sorgen, sondern auch das Klima entlasten. Ob das wirklich funktionieren kann, testen die Wiener Linien momentan in einer Machbarkeitsstudie.

Wiener Linien: So könnten Fahrgäste zu Paketboten werden

Funktionieren soll die Öffi-Paketlieferung über eine App. Diese registriert, auf welchen Strecken ein Fahrgast unterwegs ist und macht dann Vorschläge, welche Pakete entlang dieser Route mitgenommen werden können.

Wer mitmachen möchte, meldet sich für eine Lieferung an und holt dann an einer Station das entsprechende Paket in einer dafür vorgesehenen Paketbox ab. Die Paketbox öffnet man über einen QR-Code. Anschließend nimmt man das Paket einfach mit sich in die Bahn und hinterlegt es beim Aussteigen wieder per QR-Code in einer Paketbox.

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Fahrgäste als Paketboten: Warum nicht? (Foto: Wiener Linien)

Kann das funktionieren?

Genau das soll die aktuelle Machbarkeitsstudie zeigen, die die Wiener Linien gemeinsam mit Fraunhofer Austria durchführt. Dafür müssen aber noch einige Fragen geklärt werden. Zum Beispiel:

  • Welche Grenzen soll es für Größen und Gewicht der Pakete geben?
  • Sollten bestimmte Uhrzeiten (etwa: Stoßzeiten) ausgeklammert werden?
  • Welche Gegenleistung sollen Paketboten bekommen?

Und die allerwichtigste Frage ist natürlich: Sind die Wiener:innen überhaupt bereit, Pakete in dieser Form von A nach B zu transportieren? Die Machbarkeitsstudie ist bis März 2022 angesetzt. Danach soll es, wenn alles gut läuft, einen Pilotversuch geben.

Damit wollen das städtische Transportunternehmen und die Stadt Wien, Paketlieferungen klimafreundlicher gestalten.

20 Prozent weniger Emissionen

Die Wiener:innen bestellen jährlich etwa 96 Millionen Pakete pro Jahr. Durch die Pandemie ist dieser Trend verstärkt worden und wird voraussichtlich auch künftig weiter anziehen.

Das ist bequem für Verbraucher:innen, führt aber auch zu einem Anstieg beim Lieferverkehr. Das wiederum sorgt für mehr Autos auf den Straßen, mehr Staus und mehr Emissionen.

Würde man für einen Teil dieser Lieferungen in Wien Fahrgäste als Paketboten einsetzen, könnten so 20 Prozent der durch Pakettransporte entstehenden Treibhausgase eingespart werden. Es sei also durchaus sinnvoll, diese unkonventionelle Idee zu testen, sagt der Wiener Stadtrat Peter Hanke.

„Um den Klimaschutz voranzutreiben, brauchen wir dringend innovative Ideen wie diese. Es freut mich sehr, dass die größte Fahrgemeinschaft Wiens mit vereinten Kräften an der Steigerung der Lebensqualität in unserer Stadt arbeitet und hoffe, dass viele Fahrgäste an der Machbarkeitsstudie mitmachen.“

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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