Social Media Wirtschaft

Wie abhängig sind wir eigentlich von Facebook?

Facebook-Icon, Smartphone, Wie abhängig sind wir von Facebook?
unsplash.com/ Souvik Banerjee
geschrieben von Fabian Peters

Kein Facebook, kein WhatsApp und kein Instagram: Am Montagabend waren alle drei Netzwerke stundenlang down. Der Vorfall steht sinnbildlich für die aktuelle Krise des Zuckerberg-Konzerns. Aber er wirft auch Fragen auf: Wie abhängig sind wir von Facebook?

Facebook-Störung: Eine Krise in der Krise?

Es herrschte fast schon so etwas wie Weltuntergangsstimmung, als Facebook, Instagram und WhatsApp am Montagabend nicht mehr erreichbar waren. Ein interner Konfigurationsfehler legte alle drei Netzwerke stundenlang komplett lahm.

Der Vorfall steht sinnbildlich für die aktuelle Krise, in der sich Mutterkonzern Facebook befindet. Denn bereits seit einigen Wochen belasten interne Dokumente das Unternehmen schwer. Vor wenigen Tagen gab sich zudem Whistleblowerin Frances Haugen zu erkennen und packte aus.


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Doch auch die mittlerweile behobene Störung lässt tief blicken. Denn nicht nur Facebook steckt in der Krise. Sobald der Internet-Riese ins Wanken gerät, sind auch zahlreiche Nutzer:innen und Unternehmen wirtschaftlich betroffen. Eine Krise in der Krise sozusagen. 

Das wirft Fragen auf: Wie abhängig sind wir von Facebook? Ist das Unternehmen zu mächtig geworden? Oder sollte der Konzern gar zerschlagen werden? 

Wie abhängig sind wir von Facebook?

Facebook hat sich mittlerweile in einem offiziellen Blogbeitrag bei seinen Nutzer:innen für die Störung entschuldigt.

Menschen und Unternehmen auf der ganzen Welt verlassen sich jeden Tag auf uns, um in Verbindung zu bleiben. Wir verstehen die Auswirkungen solcher Ausfälle auf das Leben der Menschen und unsere Verantwortung, die Menschen über Unterbrechungen unserer Dienste auf dem Laufenden zu halten.

Und genau da liegt das Problem. Zahlreiche Nutzer:innen sind mittlerweile abhängig von Facebook – und das nicht nur auf kommunikativer Ebene. Denn Vorfälle wie die jüngsten technischen Störungen ziehen für viele auch wirtschaftliche Verluste mit sich.

Vor allem zahlreiche Unternehmen nutzen Facebook für ihre Außendarstellung. Für viele dient das Netzwerk als Informationsplattform, Werbefläche und Einnahmequelle zugleich. Im schlimmsten Fall bedeuten technische Störungen dabei letztlich sogar: weniger Kunden, weniger Kooperationen und weniger Umsatz.

Facebook-Störung löst Dominoeffekt aus

Die jüngste Facebook-Störung hat einen regelrechten Dominoeffekt ausgelöst. Denn über Facebook hinaus hatten nicht nur Instagram- und WhatsApp-User Probleme. Zahlreiche Nutzer:innen, die ihren Facebook-Account mit anderen Apps und Dienstleistern verknüpft haben, konnten sich dort nicht anmelden.

Wer sich beispielsweise ausschließlich via Facebook bei Spotify einloggt, kam nicht rein. Gleiches gilt für zahlreiche Shopping-Webseiten. Im Umkehrschluss bedeutet das für die Unternehmen, die ihren Kund:innen einen Login via Facebook anbieten, vor allem eins: Verluste.

Monopolstellung: Sollte Facebook zerschlagen werden?

Auch Facebook leidet in finanzieller Hinsicht unter den aktuellen Ereignissen. Die Aktie des Konzerns brach zwischenzeitlich um bis zu fünf Prozent ein. Für Facebook-CEO Mark Zuckerberg bedeutet das ein Minus von rund sechs Milliarden US-Dollar.

Viel größer als die finanziellen Einbußen dürfte jedoch der Imageschaden sein. Auch die etwaige Monopolstellung des Unternehmens rückt erneut in den Fokus. Sollte Facebook also zerschlagen werden?

Vieles spräche dafür. Schließlich offenbaren die aktuellen technischen Störungen, wie abhängig zahlreiche Unternehmen von Facebook sind. Der Markt scheint die Macht des Unternehmens dabei nicht mehr regulieren zu können. Bestes Beispiel: Frühere Konkurrenten wie Instagram und WhatsApp wurden schlichtweg geschluckt.

Andererseits würde ein Aufsplittern in die drei unabhängigen Netzwerke Facebook, Instagram und WhatsApp das Problem vermutlich nicht lösen. Denn auf das zerschlagene Monopol würde vermutlich nur das nächste Monopol folgen. Dennoch täte Facebook etwas mehr Konkurrenz gut. Zumindest mit Tik Tok hat sich neben Twitter mittlerweile ein weiterer Big Player etabliert.

Fazit: Wie abhängig sind wir von Facebook?

Die jüngsten Ereignisse rund um Facebook zeigen, wie viel Macht der Konzern hat – aber auch, wie brüchig sie ist. Sie verdeutlichen, wie fehleranfällig eine digitale Infrastruktur sein kann und wie schnell dadurch auch andere Wirtschaftszweige aus dem Gleichgewicht geraten.

Da Facebook, Tik Tok, Twitter und Co. vermutlich auch künftig unseren Alltag und unsere Arbeitswelt prägen, bedarf es vor allem mehr Regulierungen und generationsübergreifende Medienkompetenz. Allerdings sollten auch die User selbst Verantwortung übernehmen. Alle sollten sich im Klaren darüber sein, wie sehr sie sich den Mechanismen der digitalen Welt hingeben.

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Über den Autor

Fabian Peters

Schreibt seit Januar 2021 für BASIC thinking. Studierte Germanistik & Politikwissenschaft and der Universität Kassel (Bachelor), Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master). Hat bereits für die Frankfurter Rundschau sowie die Magazine Pressesprecher und Politik&Kommunikation geschrieben.

3 Kommentare

  • Hallo Herr Peters,

    Haben Sie schon mal überlegt, daß Sie als Journalist mit eigener Meinung dem Leser auch mal eine Empfehlung geben könnten, sich nicht auf Facebook und seine Töchter einzulassen oder zumindest nicht abhängig machen zu lassen?

    Ein Großteil meines Bekanntenkreises hat/hatte noch nie einen Facebook Account, nur ein paar davon sind häufiger auf Instagram und nutzen für Kurzmitteilungen eine bessere Alternative zu WhatsApp, nämlich Signal – manche zusätzlich zu WhatsApp und manche sogar primär Signal. Und so mache ich es auch. Man kommt wunderbar durchs Leben ohne Facebook/Instagram/WhatsApp. Man muß sich einfach nur konsequenterweise von diesem Teufelskonzern verabschieden.

    • Hallo Herr Wunderl,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Bei dem Artikel handelt es sich ganz bewusst nicht um einen (reinen) Meinungsbeitrag. Eine Meinung habe ich zu dem Thema derweil schon. Ziel des Beitrags war es allerdings einige Aspekte aufzugreifen, anhand derer sich die Leser:innen selbst eine Meinung bilden können.

      Herzliche Grüße & ein schönes Wochenende
      Fabian Peters

  • Hallo Herr Peters,

    Ich bedanke mich für Ihren Kommentar, wußte aber bereits vorher, daß Sie den Artikel auf die freie Meinungsbildung ausgelegt haben. Das ist an sich nichts Schlechtes oder was man prinzipiell kritisieren sollte.

    Es geht mir überhaupt nicht um ihr Person und schon gar nicht, daß ich mich auf sie einschieße. Aus meiner Sicht stehen Sie für viele Journalisten in diesem Land, die größtenteils zu neutral sind und zu wenig persönlich ihre Meinung und ihre Vorschläge einbringen. Adressat könnte als fast jeder Journalist in Deutschland sein.

    Ich finde, sie persönlich, aber genauso gut viele andere Journalisten sollten ein bißchen mehr den alternativen Pfad aufzeigen: ganz sachlich, gut formuliert und begründet. Es steht mir nicht zu, andere Leser als unmündig zu bezeichnen, aber wir beide wissen, daß sich manche sehr schwer tun, eine eigene Meinung zu bilden.

    Diese Personen denken, daß ihr Artikel „ganz nett“ ist. Ja, und das ist er auch. Aber diese Personen brauchen einen Idee, die sie ihn schon vorschlagen können.

    Leider passiert es andererseits viel zu häufig, daß Leser in eine bestimmte Richtung gedrängt werden, aber damit meine ich die andere Medaille der Medien, die sich um Verschwörungstheoretiker, Impfgegner, Corona-Maßnahmen-Gegner etc. kümmern.

    Ich hoffe, daß ihnen nun klar ist, worauf ich hinaus will: Bitte treten Sie einen Schritt hervor aus der Masse, sagen Sie ihren Lesern, was sie denken und was die Leser überdenken sollen – in diesem Fall: es gibt Alternativen zu Facebook, Instagram und vor allem zu WhatsApp – die darf man ruhig aufzeigen.

    Mit freundlichen Grüßen

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