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Facebook ist sich der toxischen Wirkung von Instagram (sehr) bewusst

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Unsplash.com / Kate Torline
geschrieben von Maria Gramsch

Kinder und Jugendliche sind im Internet vielen Gefahren ausgesetzt. Auch die Scheinwelt bei Instagram kann sich negativ auf das Wohlbefinden der jüngsten User auswirken. Interne Dokumente belegen, dass Facebook die toxische Wirkung von Instagram durchaus bekannt ist.

Bei Instagram ist nicht alles Gold, was glänzt. Das versuchen auch solche Trends wie „Instagram vs. Reality“ zur Schau zu stellen. Trotzdem ist es für besonders junge Nutzer:innen in der Welt von Filtern und Fotobearbeitung oft nicht leicht, zwischen Fake und Realität zu unterscheiden.

Mehr Bildschirmzeit, mehr depressive Symptome

Das kann sich vor allem auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen negativ auswirken. Zu dem Ergebnis kam auch eine Langzeitstudie der Universität Montreal. Die Forscher:innen haben rund 4.000 Jugendliche über vier Jahre lang begleitet und beobachtet.

Am Ende stand ein eindeutiges Ergebnis: Je mehr Zeit die Jugendlichen vor Bildschirmen und in sozialen Netzwerken verbracht haben, desto stärker waren depressive Symptome bei ihnen ausgeprägt.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie der Universitäten Arkansas und Pittsburgh. Hier wurden rund 1.300 Proband:innen im Alter von 18 bis 30 Jahren für sechs Monate beobachtet.

Das Ergebnis: Im Vergleich zu dem Viertel der Probanden mit der wenigsten Nutzung sozialer Medien hatte das Viertel, das soziale Netzwerke am meisten nutzte, ein 2,8-fach größeres Risiko, eine Depression zu entwickeln.

Facebook kennt die toxische Wirkung von Instagram ganz genau

Bei den sehr jungen Nutzer:innen sind soziale Netzwerke wie Instagram oder Tik Tok besonders beliebt. Laut dem Wall Street Journal sind mehr als 40 Prozent der Instagram-Nutzer:innen 22 Jahre alt oder jünger.

Doch gerade bei dieser Nutzergruppe kann es schnell zur Reizüberflutung, einer Sucht nach Likes oder einem verschobenen Selbstbild kommen. Diese toxischen Folgen für Kinder und Jugendliche sind auch der Instagram-Mutter Facebook bekannt, wie das Wall Street Journal berichtet.

Die Zeitung zitiert interne Facebook-Studien der vergangenen drei Jahre, in denen der Konzern untersucht hat, welche Wirkung Instagram auf die besonders jungen Nutzer:innen hat.

Das Ergebnis ist erschreckend: Laut dem Wall Street Journal ist Facebook bekannt, dass Instagram für einen erheblichen Prozentsatz an Teenagern schädlich ist. Insbesondere seien Mädchen im Teenager-Alter betroffen. Dennoch verfolgt Facebook weiter seine Pläne, ein Instagram für Kinder unter 13 Jahren zu veröffentlichen.

Die Details aus den Facebook-Dokumenten

Das Wall Street Journal zitiert aus einer internen Facebook-Präsentation. Demnach hätten 13 Prozent der britischen und sechs Prozent der US-Nutzer:innen mit Suizidgedanken ihre Probleme auf Instagram zurückgeführt.

„32 Prozent der Mädchen im Teenager-Alter sagten, dass sie sich durch Instagram noch schlechter fühlten, wenn sie sich bereits unwohl in ihren Körpern gefühlt haben“, zitiert das Magazin die Forscher:innen.

Auch seien Mädchen stärker betroffen. Doch auch 14 Prozent der Jungen in den USA haben angegeben, sich durch Instagram schlechter zu fühlen.

Die Forscher:innen hätten Facebook auch darauf hingewiesen, dass Kinder und Jugendliche über den Explore Tab zu schädlichen Inhalten gelangen könnten. „Aspekte von Instagram verschärfen sich gegenseitig, um einen perfekten Sturm zu erzeugen“, heißt es in der Studie weiter.

So äußert sich Instagram zu der Recherche

PR-Chefin Karina Newton schreibt in einem Blog-Post, die Story im Wall Street Journal sei auf eine begrenzte Anzahl negativer Erkenntnisse fokussiert.

Instagram stehe jedoch zu seiner Forschung: „Es zeigt unser Engagement, komplexe und schwierige Sachverhalte zu verstehen, mit denen junge Menschen möglicherweise zu kämpfen haben, und zeigt unsere Arbeit, um denjenigen zu helfen, die diese Probleme haben.“

Instagram sei bemüht, Wege zu finden, um Nutzer:innen von schädlichem Content fernzuhalten – insbesondere, wenn sie länger bei den immer gleichen Inhalten verweilen.

Wir sind vorsichtig optimistisch, dass wir so dazu beitragen können, Menschen auf inspirierende und erbauliche Inhalte hinzuweisen und im Großen und Ganzen den Teil der Instagram-Kultur zu verändern, der sich auf das Aussehen von Menschen konzentriert.

Für die Zukunft kündigt Newton an, transparenter mit der eigenen Forschung umgehen zu wollen. Instagram wolle weiterhin intern und auch mit externen Forscher:innen an unabhängigen Studien arbeiten.

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Über den Autor

Maria Gramsch

Maria ist freie Journalistin und seit 2021 freie Autorin bei BASIC thinking. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig. Neben dem Studium hat sie als CvD, Moderatorin und VJ bei dem Regionalsender Leipzig Fernsehen und als Content-Uschi bei der Bastei-Lübbe-App oolipo gearbeitet. Im letzten Studienjahr war sie Mitgründerin, CvD und Autorin der Leipzig-Seite der taz. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet unter anderem für turi2.de und die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm.

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