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Aktien verkaufen? Was tun, wenn die Börse bebt?

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Unsplash.com / Ruben Sukatendel
geschrieben von Christian Erxleben

Durch die vierte Welle der Corona-Pandemie sind die Börsen mehrfach drei, vier oder fünf Prozent im Minus. Manche Aktionäre werden dann nervös. Was also tun, wenn die Börse crasht? Aktien verkaufen oder Aktien kaufen? Wir geben einige Tipps. Der Wichtigste: Ruhe!

Omikron-Variante setzt die Börse unter Druck

Die Angst rund um das Coronavirus ist mit Omikron (B.1.1.529) zurück auf den Handelsplätzen dieser Welt. Schon der erste Schock war am Freitag, den 26. November 2021, deutlich ausgefallen. Indizes rund um den Globus bewegten sich zwischen zwei und fünf Prozent im Minus.

Nachdem der Chef des Impfstoff-Herstellers Moderna, Stephane Bancel, in einem Interview von einer geringeren Wirksamkeit der bisherigen Corona-Impfstoffe gegen die Omikron-Variante gewarnt hatte, sind die Börsen auch am 30. November 2021 wieder auf Talfahrt.

Der deutsche Leitindex DAX notiert knapp zwei Stunden nach dem Handelsbeginn in Frankfurt schon rund 300 Punkte im Minus. Das entspricht einem Rückgang um mehr als 1,7 Prozent. Ein weiterer Tag mit einem Minus von zwei oder sogar drei Prozent ist denkbar.

Börse: Crash in Sicht – Aktien verkaufen oder nicht?

Insbesondere an derartigen Tagen werden insbesondere junge Aktionäre nervös. Sie sind (stark) fallende Kurse nicht gewöhnt und verfallen schnell in Panik. Sie wollen dann ihre Aktien verkaufen, um die Verluste gering zu halten.

Das ist natürlich aus dem Impuls heraus nachvollziehbar. Allerdings ist die natürlich Reaktion mittel- und langfristig kontraproduktiv – zumindest, wenn du deine Kaufentscheidungen begründen kannst. Die folgenden Tipps sollen dir eine Handlungsempfehlung geben, wenn die Börse crasht und du Aktien verkaufen willst.

1. Ruhe bewahren

Auch wenn es bei einem Verlust von drei, vier oder fünf Prozent oder 200, 300 oder 500 Euro nicht immer leicht fällt, ist die wichtigste Lektion für alle Anleger:innen an der Börse: Ruhe bewahren.

Deshalb solltest du zuerst dein Smartphone samt Trading-App zur Seite legen oder den Broker deiner Bank im Browser schließen. Stattdessen solltest du dir einen Tee kochen, dir einen Stift und ein Blatt zurechtlegen und nachdenken.

Denn wer aufgrund eines negativen Handelstages seine Aktien verkauft, verbrennt mehr Geld, als wenn er die Aktien behält. Die beste Grundlage, um sich selbst in panischen Situationen zu beruhigen, besteht darin, sich die Gründe für den eigentlichen Kauf vor Augen zu führen.

2. Situation analysieren

Dementsprechend ist es im nächsten Schritt wichtig herauszufinden, warum die Börse crasht. Natürlich besteht dabei die Gefahr, Gründe für einen Absturz zu suchen, die überhaupt nicht existieren, oder eine falsche Kausalität herzustellen.

Allerdings stimmt das Sprichwort, dass an der Börse die Zukunft gehandelt wird. Wenn also beispielsweise die Omikron-Variante auftritt und die Gefahr besteht, dass die bisherigen Impfstoffe schlechter wirken, reagiert die Börse mit fallenden Kursen.

Das liegt daran, dass beispielsweise durch steigende Infektionen, wieder Auslandsreisen verboten, Veranstaltungen verschoben und die Kontakte beschränkt werden müssen. Das „preist“ die Börse bereits tagesaktuell ein.

Deshalb fallen beispielsweise im Fall des Coronavirus davon betroffene Branchen wie der Reise- und der Event-Sektor stark. Zugleich steigen Profiteure der neuen Situation. Am Beispiel der Omikron-Variante sind das beispielsweise Lieferdienste oder Online-Versandhändler.

3. Aktien-Analyse: Warum hast du eine Aktie gekauft?

Wenn du die Situation am Markt analysiert hast, ist der Drang vermutlich schon geringer, dass du deine Aktien verkaufen willst. Deshalb kannst du nun in die nächste Ebene der Analyse einsteigen – die Aktien-Analyse.

Oder anders ausgedrückt: Bei jeder Aktie, die du verkaufen willst, solltest du dir eine Reihe an Fragen stellen:

  • Warum hast du dir die Aktie gekauft?
  • Wie sehen die fundamentalen Daten des Unternehmens aus?
  • Ist das Geschäftsmodell durch den Auslöser des Crashs dauerhaft gefährdet? Sinkt der Gewinn womöglich langfristig?

Falls du dich vor dem Kauf einer Aktie wirklich intensiv mit ihr auseinandergesetzt hast, wirst du feststellen, dass ein einzelner Tag mit einem größeren Minus nichts am Geschäftsmodell, am Gewinn, an den Produkten oder der Ausrichtung ändert.

Das heißt: Wenn du beispielsweise davon überzeugt bist, dass Volkswagen auch weiterhin Autos verkaufen wird, kannst du einen Rücksetzer an einem solchen Tag eher ausnutzen, um deine Position aufzustocken. Wenn dir das Risiko zu groß ist, solltest du nichts machen und abwarten.

4. Logisch denken

Im nächsten Schritt solltest du einfach dein Gehirn einschalten und mit Logik an das Problem herangehen. Das heißt: Überlege dir, welche Konsequenzen ein negativer Börsen-Tag im Alltag hat.

Werden weiterhin Autos verkauft? Ja! Werden die Menschen weiterhin Strom beziehen? Ja! Werden die Menschen weiterhin Versicherungen abschließen, um sich zu schützen? Ja! Werden die Menschen weiterhin Nahrungsmittel und Konsumgüter kaufen? Ja!

Diese Liste lässt sich unendlich fortsetzen. Sie macht eines klar: Nur aufgrund eines schlechten Tages oder einer schlechten Woche ändern sich die Ausgangsbedingungen nicht oder nur sehr selten grundlegend.

Unternehmen wie Volkswagen, die Allianz, EON, Amazon, Unilever, Nestlé und Co. werden auch in und nach der Krise weiterhin ihre Produkte verkaufen. Dementsprechend behalten die beispielhaft genannten Aktien auch bei einem Minus von fünf oder zehn Prozent ihre Daseinsberechtigung.

Der Ausbruch der Corona-Krise als Beispiel, warum du keine Aktien verkaufen solltest

Als beispielsweise der Kurs der Volkswagen-Aktie am 20. März 2020 innerhalb eines Tages um 50 Prozent auf rund 90 Euro gefallen ist, war das dem ersten Corona-Schock geschuldet. Zwischenzeitlich erreichte die VW-Aktie nur wenige Monate später sogar ein neues Hoch bei 250 Euro.

Das gleiche Szenario gilt auch für die Allianz. Die Aktie des Versicherers stürzte von über 200 Euro auf 120 Euro innerhalb eines Tages. Knapp drei Monate später stand der Kurs schon wieder bei 190 Euro.

Auch diese Liste lässt sich ergänzen. Sie verdeutlicht: An manchen Tagen werden alle Unternehmen an der Börse pauschal abgestraft. Manchmal fällt der Kursverlust größer aus, manchmal kleiner. Fest steht jedoch: Am eigentlichen Wert des Unternehmens hat sich nichts geändert.

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5. Aktien und ETFs sind Langzeit-Geldanlagen

Falls du nach der bisherigen Analyse immer noch Aktien verkaufen statt Aktien nachkaufen willst, ist es hilfreich, einen Schritt zurückzutreten und einen Blick auf die Historie zu werfen.

So hat der S&P 500 – das ist der Index, der die 500 größten, börsennotierten Unternehmen aus den USA umfasst – im Zeitraum zwischen 1950 und 2009 eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7,0 Prozent erzielt. Auch der DAX kommt mit Blick auf die Historie auf ein vergleichbares Wachstum.

Was bedeutet das? Wer in der Krise verkauft, wirft letztendlich sein Geld aus dem Fenster. Denn: Bessere Zeiten kommen immer – manchmal dauert es drei Monate, manchmal ein Jahr. Allerdings ist die Börse nach einem Crash bislang immer stärker gewesen als zuvor.

Wer also beispielsweise einen gesamten Index wie den S&P 500 per Sparplan bespart, wird auf Jahrzehnte hinweg definitiv Gewinn machen. Gerade dann ist es entscheidend, in der Krise nicht zu verkaufen, sondern zumindest zu halten.

6. Aktien verkaufen: Wann ist es wirklich sinnvoll?

Natürlich gibt es zahlreiche – also mindestens die fünf von uns aufgeführten – Gründe, seine Aktien nicht zu verkaufen, sondern sie entweder zu behalten oder sogar die Momente der Schwäche an der Börse dafür zu nutzen, um die eigene Position zu vergrößern und aufzustocken.

Doch selbstverständlich gibt es auch Gründe und Situationen, in denen du Aktien verkaufen solltest. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn du in Unternehmen investiert hast, die im Rückblick womöglich kein Investment wert gewesen sind. Oder anders ausgedrückt: Wenn du keine ausführliche Analyse durchgeführt hast.

So kommt es insbesondere bei jungen oder unerfahrenen Anleger:innen häufig dazu, dass sie Aktien aufgrund von Empfehlungen oder Artikeln in sozialen Netzwerken kaufen. Doch: Nicht alles, was in Facebook-Gruppen oder Reddit-Threads als „Buy“ angepriesen wird, ist ein Kauf.

Wenn du eine Aktie also aufgrund von FOMO (Fear Of Missing Out) gekauft hast, ist es sinnvoll, Gewinne bei einem Kurssturz noch rechtzeitig mitzunehmen oder die Verluste gering zu halten. Das heikle Spiel um die Gamestop-Aktie im letzten Jahr hat gezeigt, dass bei großen Zockereien wenige Menschen viel Gewinn machen und die große Masse mit Verlusten von der Börse geht.

Fazit: Aktien (nach)kaufen oder nichts tun, keine Aktien verkaufen

Natürlich gibt es immer wieder einzelne Unternehmen, die Insolvenz anmelden müssen, deren Geschäftsmodell aus der Zeit fällt oder die Betrüger sind. Allerdings fallen dir derartige Entwicklungen mit Ausnahme des Betrugs bei der Aktien-Analyse auf.

Wenn du – provokativ gesagt – in Pferdekutschen investierst, obwohl das Auto gerade die Welt erobert, kann es sein, dass du einen Verlust einfährst. Dieser Verlust deutet sich jedoch durch sinkende Gewinne, steigende Verluste und geringere Marktanteile deutlich an.

Dementsprechend ist es an den Tagen, an denen die Börse bebt, die wichtigste Lektion, die Ruhe zu bewahren. Bevor du Aktien verkaufen willst, sollest du dir eine halbe Stunde Zeit nehmen und deine Analysen durchführen.

In einem Großteil der Fälle wirst du feststellen, dass die anfängliche Panik schnell verfliegt. Stattdessen entdeckt du bei deiner Analyse womöglich sogar einige Aktien, die du nochmals kaufen willst, um deine Position zu stärken.

Alle genannten Unternehmen und die dazugehörigen Aktien stellen explizit keine Anlageempfehlung dar.

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mittwald

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben arbeitet als freier Redakteur für BASIC thinking. Von Ende 2017 bis Ende 2021 war er Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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