Cybermobbing, Hate Speech, Social Media

Bis zum Suizid: Cybermobbing wird in Deutschland zur (Lebens-)Gefahr

Fabian Peters
unsplash.com/ Mag Pole

Immer mehr Menschen im deutschsprachigen Raum leiden unter den Folgen von Cybermobbing. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Vereins Bündnis gegen Cybermobbing. Allein in Deutschland sei die Zahl der Opfer in den vergangenen drei Jahren um bis zu 25 Prozent gestiegen. 

Cybermobbing betrifft vor allem junge Menschen

Laut einer Studie des Bündnis gegen Cybermobbing e.V. werden immer mehr Menschen aus dem deutschsprachigen Raum im Internet beleidigt, verleumdet oder bedroht. Vor allem junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren sind demnach betroffen.

Die aktuelle Umfrage sei laut den Autor:innen dabei als Folgestudie zweier ähnlicher Analysen aus den Jahren 2014 und 2018 zu verstehen. Sie verdeutliche vor allem die Veränderungen in den vergangenen drei Jahren. Neben Deutschland beziehen sich die Ergebnisse zudem auf Österreich und die Schweiz.

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Die Erhebung selbst wurde dabei im Rahmen einer standardisierten Online-Befragung durchgeführt. Von den insgesamt 4.000 Teilnehmer:innen im Alter von 18 bis 65 Jahren kamen 2.000 aus Deutschland und jeweils 1.000 aus Österreich und der Schweiz.

11,5 Prozent der Deutschen werden regelmäßig im Internet gemobbt

Laut den Autor:innen der Studie könne die gezielte Ausgrenzung und Demütigung von Menschen im Internet und sozialen Medien dabei zu mitunter schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen. Für die Betroffenen ziehe dies wiederum eine erhebliche Einschränkung ihrer Lebensqualität mit sich.

Den aktuellen Umfrage-Ergebnissen zufolge sind dabei rund 11,5 Prozent der Menschen in Deutschland regelmäßig von Cybermobbing betroffen. Insgesamt wären sogar über 32 Prozent der Befragten hierzulande bereits einmal Opfer von Hass und Hetze im Netz geworden.

Das Cybermobbing sei damit ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Aufgrund der Anonymität im Internet müssten die Täter:innen zudem selten mit Konsequenzen rechnen. Das wiederum führe zu einer niedrigen Hemmschwelle und stellt einen Mitgrund für den Anstieg dar.

Wenn Opfer zu Tätern werden

Den Studienergebnissen zufolge sind vor allem junge Erwachsene von Cybermobbing betroffen. Denn im Vergleich zum Jahr 2018 verzeichnen die Autor:innen den größten Anstieg in der Altersklasse von 18 bis 24 Jahren. Die weiteren Ergebnisse der Umfrage:

  • Im Vergleich zum Jahr 2018 (13,6 Prozent) hat sich der Anstieg beim Cybermobbing mit rund 25 Prozent fast verdoppelt.
  • 80 Prozent der Täter:innen sind zuvor bereits selbst einmal Opfer von Mobbing oder Cybermobbing geworden.
  • Mit rund 38 Prozent erstrecken sich die meisten Vorfälle von (Cyber-)Mobbing über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr.
  • Im Arbeitsumfeld ist die Kündigungsbereitschaft von Mobbing-Opfern um bis zu 40 Prozent höher.
  • Täter:innen stören sich vor allem an den Werten und Überzeugungen ihrer Opfer.
  • Die Corona-Pandemie treibt das Cybermobbing weiter voran. Eltern, die aufgrund der Schließung von Schulen und Betreuungseinrichtungen nicht zu Arbeit gehen konnten, wurden von ihren Vorgesetzten vermehrt unter Druck gesetzt.

Cybermobbing: Schwerwiegende Folgen für die Opfer

Aufgrund der Anonymität im Internet gilt die strafrechtliche Verfolgung von Täter:innen oftmals als kompliziert bis unmöglich. Zahlreiche Opfer fühlen sich deshalb häufig hilflos und überfordert. Das wiederum zieht erhebliche Einschränkungen ihrer Lebensqualität mit sich.

So gelten vor allem Depressionen, ein mangelndes Selbstbewusstsein und Persönlichkeitsveränderungen zu den am häufigsten auftretenden Folgen von Cybermobbing. Beleidigungen, Verleumdungen und Hetze im Netz können jedoch auch zu körperlichen Beschwerden wie Magen-Darm-Problemen führen.

Bei ungefähr 15 bis 20 Prozent der Betroffenen von (Cyber-)Mobbing hätten die Studien-Autor:innen zudem ein erhöhtes Suchtpotenzial festgestellt. Das betrifft Medikamente, harte Drogen und Alkohol. 15 Prozent der Befragten Mobbing-Opfer stufen sich zudem selbst als suizidgefährdet ein.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).