Technologie

Dieses verrückte Start-up entwickelt Raketen mit Plastiktreibstoff

Pulsar Fusion, Rakete, Raketenantrieb
Screenshot / Twitter
geschrieben von Marinela Potor

Das britische Raumfahrt-Start-up Pulsar Fusion hat eine Rakete entwickelt, die mit Treibstoff aus Plastik starten kann. Erste Tests verliefen erfolgreich.

Die New-Space-Szene ist voller exzentrischer Charaktere. Da wäre natürlich Elon Musk von SpaceX zu nennen, genauso wie Jeff Bezos mit seinem Projekt Blue Origin oder auch Richard Branson, der hinter Virgin Galactic steckt.

Und hier reiht sich auch der britische Gründer von Pulsar Fusion ein: Richard Dinan. Denn bevor Dinan für die Entwicklung von Raketenmotoren bekannt wurde, war er eine Reality-TV-Persönlichkeit.


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In der Show „Made in Chelsea“ ging es um Blondinen, schnelle Autos und darum, wie die Schönen und Reichen dieser Welt, zu denen auch Dinan gehört, so leben. Doch Dinan möchte kein TV-Star bleiben, sondern mit seinen Geschäftsideen berühmt werden.

Dazu gehört neuerdings auch ein Raketenmotor, der mit Treibstoff aus Plastik zündet. Das Start-up möchte damit in Zukunft Satelliten und Menschen ins All bringen.

Pulsar Fusion testet Plastiktreibstoff erfolgreich

Diesen neuen Treibstoff hat Dinans Start-up Pulsar Fusion nun vor Kurzem öffentlichkeitswirksam vorgeführt. Zunächst gab es zwei erfolgreiche Testzündungen am 18. und 19. November 2021 auf dem britischen Militärstützpunkt Cotec in Salisbury.

Beim Treibstoff handelt es sich um eine Mischung aus Sauerstoff und hochdichtem Polyethylen. Laut Verbraucherzentrale ist Polyethylen der am häufigsten vorkommende Kunststoff. Unter anderem kommt er in Frischhaltefolien, Tragetaschen oder Lebensmittelverpackungen vor.

Um die Sauerstoff-Polyethylen-Mischung zu zünden, verwendet Pulsar Fusion Distickstoffoxid als Oxidationsmittel. Dinan versichert, dieser Treibstoff sei „nicht giftig.“ Zudem lasse er sich einfach produzieren. Das Plastik wird dazu eingeschmolzen und zu Zylinderblöcken geformt. Diese wiederum können dann problemlos zum Zünden in die Rakete geladen werden.

Das Start-up zeigte sich hochzufrieden mit den ersten erfolgreichen Testzündungen. So sagte Dinon: „Es ist ein sehr bedeutsamer Moment und wir sind stolz, dass diese Rakete im Vereinigten Königreich [UK] gebaut wurde. Einen britischen Raketentest auf UK-Boden zu testen, ist eine Neuheit.“

Noch weit vom Ziel entfernt

Allerdings: In den Tests erreichte die Rakete lediglich 5 Kilonewton (kN) Schubkraft. Das nächste Ziel sind 100 kN. Zum Vergleich: Der Merlin-Motor der SpaceX-Rakete Falcon 9 erreicht bis zu 854kN.

Bei einem zweiten Test einige Tage später in der Schweiz war es aber möglich, die Schubkraft nochmals „deutlich“ zu erhöhen, schrieb Pulsar Fusion auf Instagram.

Neben dem Plastiktreibstoff arbeitet Pulsar Fusion ebenfalls an einem Hall Effect Thruster, beziehungsweise an einem Hallantrieb für Raketen. Dafür hat das Start-up Fördergelder von der britischen Regierung bekommen. Auch dieser Antrieb hat erste Tests erfolgreich absolviert.

Angeblich hat Pulsar Fusion aber kein Interesse daran, selbst Raketen zu entwickeln. Richard Dinan hat vielmehr eine Marktlücke bei der Entwicklung von Raketenantrieben entdeckt und will diese füllen. Sein erklärtes Ziel: Dem britischen Markt britische Alternativen zu US-Produkten zu bieten.

Pulsar Fusion arbeitet am Kernfusionsantrieb

So sind der Plastikantrieb und der Hallantrieb eigentlich auch eher Zwischenschritte für das sehr ambitionierte Ziel von Pulsar Fusion. Das Start-up arbeitet nämlich schon seit neun Jahren daran, einen Antrieb mithilfe von Kernfusion zu entwickeln. Der erste Prototyp wird für 2025 erwartet.

An einem solchen Antrieb arbeitet die Wissenschaft schon seit vielen Jahren. Damit könnte man etwa die Reisezeit zum Mars halbieren. In der Entwicklung gibt es aber zahlreiche technische Herausforderungen. Ob Pulsar Fusion hier also wirklich der Durchbruch gelingt, bleibt abzuwarten.

Doch genau darum, möchte sich das Unternehmen auch vorher mit anderen Projekten auf dem Markt positionieren und beweisen, was es kann, sagt Dinan.

Wenn wir sagen können, dass wir Satellitenantriebe gebaut und getestet haben und sie funktionieren… und [dann sagen] jetzt wollen wir einen Kernfusionsantrieb bauen, dann macht uns das glaubhafter.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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