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Warum sehen wir keine Druckluftautos auf der Straße?

Druckluftautos, Airpod, Zero Pollution Motors
Screenshot / Zero Pollution Motors
geschrieben von Marinela Potor

Druckluftautos benötigen lediglich komprimierte Luft als Antrieb. Außerdem sind sie lokal emissionsfrei. Das klingt einfach und nachhaltig. Doch: Warum fährt dann niemand diese Autos?

Einige glauben, Druckluftautos seien eine Technologie der Zukunft. Andere halten die Fahrzeuge lediglich für heiße Luft. Doch wie genau funktionieren Druckluftautos und warum sehen wir nie welche auf der Straße?

Was sind Druckluftautos?

Druckluftautos werden manchmal auch Pressluftautos genannt. Im Englischen sind sie als Compact Air Cars bekannt. Wie der Name schon sagt, funktionieren die Autos mit komprimierter Luft als Antrieb. Dabei ähneln sich in ihrem Prinzip dem Ottomotor.


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In Benzinern funktioniert der Antrieb nämlich, vereinfacht gesagt, indem ein Gemisch aus Benzin und Luft durch eine Zündkerze zur Explosion gebracht wird. Diese Explosion wiederum bewegt einen Kolben, der letztlich eine Kurbelwelle auslöst, die den Wagen antreibt.

Druckluftautos funktionieren genauso. Nur: Anstatt Benzin verwendet man Druckluft. Die komprimierte Luft dehnt sich im Zylinder aus und das wiederum drückt den Kolben nach unten und löst letztlich die gleiche Kurbelwelle aus, die das Fahrzeug bewegt. Aus dem Auspuff kommt am Ende nur kalte Luft heraus.

Damit wären Druckluftautos lokal emissionsfrei. Ein weiterer Vorteil: Die kalte Luft, die herauskommt, hat keine nachteiligen Auswirkungen auf die Erhitzung von Städten.

Erste Druckluftautos schon im 19. Jahrhundert

Die Idee zu Druckluftautos ist nicht neu. Erste Entwicklungen gab es schon im 19. Jahrhundert. So stellten Adraud und Tessié du Motay 1840 in Paris ihr erstes Modell vor. In der französischen Stadt Nantes setzte man die Technologie erstmals 1879 im Schienenverkehr ein.

Besonders bekannt sind die Versuche der französischen Firma Motor Development International (MDI) aus den 1990er Jahren – angeleitet vom Konstrukteur Guy Nègre.

Viele Versuche, wenig Erfolg

Die Anstrengungen von Guy Nègre führten 2008 zu einer Zusammenarbeit zwischen MDI und dem indischen Autogiganten Tata. Gemeinsam wollten sie ein revolutionäres Fahrzeug entwickeln, das sogar auf dem Genfer Autosalon vorgestellt wurde. Doch der „One Cat“ hat es, trotz mehrerer Versprechen von Tata, bislang noch nicht auf die Straßen geschafft.

Die französischen Autobauer Peugeot und Citroën gaben 2013 ebenfalls bekannt, an einem hybriden Druckluftauto (halb Druckluft, halb Benzin) zu arbeiten. Doch nur zwei Jahre später kündigten die Unternehmen an, dass das Projekt aus Kostengründen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt sei.

Auch das Unternehmen Zero Pollution Motors stellte ein Druckluftauto medienwirksam in der US-Show „Shark Tank“ vor. Das Konzept begeisterte die Investor:innen. Doch das Fahrzeug erreichte nie Marktreife. Nach Informationen des Magazins Shark Tank Tales ist das Unternehmen mittlerweile sogar insolvent.

Wo liegt das Problem der Druckluftautos?

Wie man daran schon erkennen kann, reizt die Druckluft-Technologie Ingenieur:innen und Unternehmen seit über hundert Jahren. Doch bislang gibt es einige technische Probleme, die noch nicht gelöst sind, damit Druckluftfahrzeuge wirklich marktreif sein können.

So ist es gar nicht so leicht, Druckluftmotoren zu verbauen. Denn wenn Druckluft entlassen wird, kühlt das den Motor ab. Entsprechend muss irgendwie von außen Wärme zugeführt werden, damit die Leistung nicht reduziert wird. Das ist sowohl komplex als auch nicht sehr effizient. Ist es draußen zudem kühl – wie etwa im Winter – wird dieses Problem noch verstärkt.

Auch sind Pressluftautos weder sonderlich schnell noch bieten sie eine gute Reichweite. Ein Modell versprach etwa eine Spitzengeschwindigkeit von 110 Kilometern pro Stunde und eine Reichweite von 70 Kilometern. Gleichzeitig hat man bei den Druckluftautos ein Transportproblem.

Denn die Fahrzeuge müssen für ihren Antrieb Drucklufttanks mitführen. Diese sind noch größer und schwerer als Akkus. Das ist schwierig zu verbauen. Auch ist der Treibstoff sehr teuer. Und dann gibt es noch das Klimaproblem.

Klimabilanz von Druckluftautos nicht gut

Denn obwohl Druckluftautos im Betrieb keine Emissionen ausstoßen, gibt es in der Produktion der Druckluft eine negative Klimabilanz.

Luft zu komprimieren, erfordert nämlich viel Energie. Gleichzeitig wird dabei sehr viel Wärme freigesetzt, die in der Regel ungenutzt verpufft. Damit ist die Energiebilanz nicht sonderlich gut.

Sind Druckluftautos zukunftsfähig?

Das lässt sich schwer beantworten. Denn sollte es möglich sein, die Effizienz der Fahrzeuge zu steigern und eine bessere Klimabilanz zu erzielen, könnten Druckluftautos durchaus eine interessante Option sein.

Gleichzeitig scheint es derzeit, bis auf möglicherweise Tata, keinen größeren Autohersteller zu geben, der ernsthaft an der Technologie arbeitet. Vielmehr konzentrieren sich Autokonzerne momentan überwiegend auf die Entwicklung von Elektroautos.

Entsprechend wenig Forschung und Investition wird in Druckluftautos gesteckt. Aktuell scheinen die Fahrzeuge also eher eine Luftikus-Idee zu sein. Doch, für alle, die an der Technologie einen Gefallen finden, gibt es immerhin eine markttaugliche Option.

Das Unternehmen Stomp Rocket aus den USA bietet derzeit Rennwagen mit Drucklufttechnologie an – allerdings nur in einer Spielzeugvariante.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

2 Kommentare

    • Die Luft ist natürlich kostenlos, aber Druckluft (der eigentl. Treibstoff) herzustellen ist ein teures Verfahren, weil du Strom dafür benötigst, was teurer ist als etwa Benzin. Hinzu kommen hohe Wärmeverluste beim Komprimieren.

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