Stress, Gründer, Stressfaktoren

5 Stressfaktoren, die Gründer kennen sollten

Carsten Lexa
unsplash.com/ Nik Shuliahin

Das Leben als Gründer:in ist nicht einfach. Zwar sieht die erstellte Planung meistens optimistisch aus und berücksichtigt sogar Unsicherheitsfaktoren. Aber wenn man sie in die Tat umsetzet, dann entsteht Stress – egal wie gut man sich vorbereitet hat. Doch welche Faktoren sollten Gründer:innen im Blick haben?

In diesem Beitrag will ich einen Blick auf Stressfaktoren werfen, die mir immer wieder in meinen Beratungsgesprächen mit Gründer:innen auffallen. Erst kürzlich sagte ein Gründer zu mir, dass ihm das Arbeiten in seinem Start-up wie immer großen Spaß mache, aber seine 7-Tage-Woche manchmal doch etwas heftig sei.

„Aber so ist es halt, wenn man gründet“, meinte er dann. So etwas ist gefährlich. Ich hoffe, nach dem Lesen dieses Beitrags bist du ein wenig sensibilisiert dafür, aus welcher Richtung der Stress kommen könnte.

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1. Allgemeine Unsicherheit

Das ist natürlich der Klassiker, der gleichzeitig so tückisch ist. Denn den meisten Gründer:innen ist klar, dass es immer wieder Situationen gibt, in denen nicht alles nach Plan verläuft. Also fühlen sie sich vorbereitet. Treten diese Situationen dann aber vermehrt ein, dann beginnt das negative Gedankenkarussell.

Denn je häufiger solche Planabweichungen auftreten, insbesondere wenn diese kurzfristig auftreten, desto schwieriger wird es, mit den Folgen umzugehen. Vor allem muss man neue Szenarien aufgrund der geänderten Bedingungen entwerfen, die wiederum neue Unsicherheiten mit sich bringen. Und so beginnt eine Spirale.

Was diese Situation so heikel macht, ist der schleichende Beginn. Denn am Anfang bekommt man die Veränderungen noch in den Griff. Doch dann muss man immer schneller Anpassungen vornehmen, was wieder neue Änderungen und Unsicherheiten mit sich bringt.

Und eh man sich versieht, wird der Blick auf die Zukunft nicht mehr von Optimismus geprägt, sondern von einem ängstlichen Zögern.

2. Zeitdruck

Eine besondere „Spielart“ der allgemeinen Unsicherheit ist dabei der Zeitdruck. Denn für viele Entscheidungen ist nicht unendlich viel Zeit verfügbar. Dies gilt insbesondere dann, wenn die finanziellen Mittel gering sind und Verzögerungen das Budget strapazieren.

Viele Dinge müssen von Gründer:innen oftmals gleichzeitig erledigt werden, was die Fehleranfälligkeit erhöht. Dabei ist nicht immer klar, was die Folgen von solchen Entscheidungen unter Zeitdruck sind. Was ursprünglich mal ein klarer Plan war, wird abgelöst durch Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang. Dies ist jedoch nicht gewährleistet.

3. Arbeitsunterbrechungen

Die meisten Unternehmer:innen, die ich kenne, haben morgens eine Art Plan im Kopf, wie der Tag ablaufen soll. Doch im Laufe des Tages kommen neue Dinge hinzu, um die man sich kümmern muss. Das, was man sich vorgenommen hatte und an dem man deshalb arbeitet, wird immer wieder durch andere Dinge unterbrochen, die oftmals auch noch eilig sind.

Das gilt insbesondere für die „besonders dringlichen“ E-Mails oder die wichtige Kommunikation über Social Media-Kanäle. Doch die fehlende Konzentration auf eine Sache erzeugt Stress, da man sich immer wieder in in die ursprünglich angefangene Sache eindenken muss.

Denn wie in zahlreichen Studien belegt wurde, sind die Multitasking-Fähigkeiten von Menschen begrenzt. In der Folge ist am Tag nicht genug Zeit für das, was man sich vorgenommen hatte. Das muss man dann am nächsten Tag erledigen – jedoch hatte man für den nächsten Tag schon einen anderen Plan. Und schon beginnt die nächste negative Spirale.

4. Verantwortlichkeiten

Gründer:innen müssen viel machen und viel können. Das Level an Kompetenz, der erforderlich ist, ist enorm. Das Produkt muss entwickelt oder verbessert werden, Marketing und Vertrieb sind aufzubauen, Investoren müssen begeistert werden und die Angestellten brauchen eine klare Marschroute mit ausreichend Eigenverantwortung.

Oftmals jedoch fehlt es den Gründer:innen an bestimmten Kompetenzen. Das ist grundsätzlich nicht schlimm, denn ergänzende Kompetenzen können eingekauft werden. Was aber ist zu tun, wenn die Entscheidung, welche Kompetenzen nun ergänzt werden sollen, nicht so einfach getroffen werden können?

Wenn die Folgen einer Entscheidung nicht absehbar sind? Oder wenn gar nicht klar ist, welche Kompetenzen genau fehlen, aber die Gründer:innen spüren, das irgendetwas fehlt? Den Gründer:innen fehlt oftmals neben bestimmten Kompetenzen die Erfahrung, wie man mit eigenen Unzulänglichkeiten, fehlendem Wissen und Co. umgeht.

Wenn dann die Angst, eine Fehlentscheidung zu treffen, oder die Angst, welche Entscheidung man bei der Fülle von Wahlmöglichkeiten nun treffen sollte, zu einer Entscheidungsblockade führt, dann wird es im Laufe der Zeit immer schwerer, ausreichend Verantwortung zu übernehmen.

5. Begeisterung

Begeisterung ist sicherlich ein Faktor, der auf den ersten Blick nicht nach Stress klingt. Und natürlich ist das auch so, denn Begeisterung ist grundsätzlich gut. Gründer:innen brauchen viel Begeisterung, denn sie müssen ja nicht nur sich selbst immer wieder motivieren, sondern auch alle anderen in ihrem Umfeld, die für ihr Start-up eine Rolle spielen.

Gefährlich wird es dann, wenn die Begeisterung zu viel wird, insbesondere wenn dieses Gefühl oder dieser Gemütszustand eigentlich nicht zur aktuellen Gefühlslage passt. Wenn man sich selbst ständig von kommenden positiven Ergebnissen überzeugen muss, auch wenn die Realität einen andere Sprache spricht, dann steigt der Druck auf einen selbst.

Gleiches gilt für Gespräche mit Kund:innen und Investor:innen, denn auch diese wollen bei Laune gehalten werden, auch wenn es mal nicht gut läuft. All das erfordert eine hohe mentale Stärke und Präsenz, deren Aufrechterhaltung viel Kraft kostet. Das kann zu einer extremen Belastung werden.

Fazit: Stressfaktoren, die Gründer kennen sollten

Ich bin der Meinung, dass man ein Problem nur angehen kann, wenn man weiß, aus welcher Richtung das Problem kommen könnte. Die obigen fünf Faktoren erkenne ich bei Gründer:innen immer wieder. Natürlich heißt deren Vorliegen nicht, dass die Situation automatisch hoffnungslos ist oder zu soviel Stress führen wird, dass das Start-up scheitert. Aber wenn ich einen dieser Faktoren sehe, dass weiß ich, dass Gefahr droht.

Spannend ist nun die Frage, wie Gründer:innen reagieren können oder sogar sollten, wenn die ersten Anzeichen von Stress erkennbar werden. Und noch wichtiger ist die Frage, wie Gründer:innen vorbeugen können, damit Stressfaktoren erst gar nicht entstehen. Darum geht es in meiner Kolumne in der kommenden Woche. Und wenn du noch einen Stressfaktor kennst oder erlebt hast, dann schreibe mir gerne einen Kommentar.

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Rechtsanwalt Carsten Lexa berät seit 20 Jahren Unternehmen im Wirtschafts-, Gesellschafts- und Vertragsrecht. Er ist Lehrbeauftragter für Wirtschaftsrecht, BWL und Digitale Transformation sowie Buchautor. Lexa ist Gründer von vier Unternehmen, war Mitinitiator der Würzburger Start-up-Initiative „Gründen@Würzburg”, Mitglied der B20 Taskforces Digitalisierung/ SMEs und engagiert sich als Botschafter des „Großer Preis des Mittelstands” sowie als Mitglied im Expertengremium des Internationalen Wirtschaftsrats. Er leitete als Weltpräsident die G20 Young Entrepreneurs´Alliance (G20 YEA). Bei BASIC thinking schreibt Lexa über Themen an der Schnittstelle von Recht, Wirtschaft und Digitalisierung.