Wirtschaft

Start-up-Check mal anders: Das ist die Hilfsorganisation Stelp

STELP, Hilfsorganisation
STELP
geschrieben von Christoph Hausel

In der Serie „Start-up-Check!“ nehmen wir eigentlich die Geschäftsmodelle von Start-ups unter die Lupe. Mit dieser Tradition wollen wir ausnahmsweise einmal brechen. Wir werfen heute einen Blick auf den Non-Profit-Sektor. Wie profilieren sich Initiativen, Vereine und Organisationen in diesem Bereich und was macht sie besonders? Dazu betrachten wir – aus gegebenem Anlass – die Hilfsorganisation Stelp.

Hilfsorganisationen: Das klingt zuallererst einmal nach Gutmenschentum. Aber Klischee hin, Klischee her, in der Realität erweisen sich viele Initiativen als überaus innovative und vor allem kreative Organisationen, die sich vor allem durch ein detailliertes Marketing-Know-how auszeichnen.

Unterm Strich zeigen sie, zu was Menschen in der Lage sind, wenn sie zielgerichtet kooperieren. Dabei gibt es unter den zahllosen privaten Organisationen, Vereinen und Initiativen jene, die unserer subjektiven Auffassung nach durch eine bemerkenswerte operative Exzellenz herausragen und aus diesem Grund besonders erfolgreich sind.

Dahinter stehen Menschen, deren Wille im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzt. Fakt ist aber: Jede Hilfe, sei sie privat organisiert oder öffentlich, ist gerade in Krisenzeiten wie diesen extrem wichtig. Davor verneige ich mich voller Respekt und ziehe meinen Hut. Eine dieser Hilfsorganisationen soll hier stellvertretend vorgestellt werden, und zwar: STELP e. V.

Wer steckt hinter der Hilfsorganisation Stelp?

Stelp ist eigenen Angaben zufolge eine „zivile Hilfsorganisation“, die mit einem Netzwerk aus Ehrenamtlichen, Partnern und Sponsoren überall dort unterstützt, wo die Not am größten ist.

Im Kern besteht der Verein aus einem siebenköpfigen Vorstand, an dessen Spitze Vereinsgründer Serkan Eren steht. Als dieser vor mittlerweile gut sechs Jahren zu seinem ersten Hilfseinsatz nach Nord-Mazedonien aufbrach, konnte er nicht erahnen, dass diese, wie er es selbst in einem Linkedin-Post ausdrückt, “etwas naive Aktion”, die Geburtsstunde einer der erfolgreichsten, international tätigen Non-Profit-Organisationen in Stuttgart sein sollte.

Unterstützt wird Eren von Mitgründer Steffen Schuldis sowie von einem Team aus zahllose Volunteers und berufserfahrenen Spezialisten, die die Arbeit für den Verein allesamt ehrenamtlich ausüben. Darunter befinden sich unter anderem Ärzte sowie Marketing- und Finanzprofis.

Was macht Stelp?

Kurz gesagt: Stelp hilft. Die Agenda des eingetragenen Vereins liest sich – und das ist keineswegs despektierlich gemeint – ein bisschen wie die Charta der Vereinten Nationen. Die Hilfsorganisation macht sich stark für eine Welt, in der alle Menschen selbstbestimmt in Würde und Sicherheit leben und die Zukunft aus eigener Kraft und nachhaltig gestalten können, heißt es sinngemäß auf der Vereinshomepage.

Ziel des Vereins ist es, Plattform und Anlaufstelle für all jene zu sein, „die sich mit Freude und innerhalb ihrer Möglichkeiten für soziale und gesellschaftliche Themen einsetzen und einen Beitrag für ein friedliches und faires Miteinander weltweit leisten möchten.“

Stelp versteht sich als Kollektiv, das daran glaubt, im besten Sinne einen Unterschied zu machen. Man will nicht weniger, als die Welt positiv verändern. Die Macher:innen hinter Stelp sind von der Stärke ihrer Gemeinschaft überzeugt. „Weil uns mehr verbindet als uns trennt“, ist auf der Homepage zu lesen. So weit, so gut.

Was macht die Hilfsorganisation Stelp so besonders?

Entscheidend aber ist: Was der Verein in seinen Statuten festgeschrieben hat, das setzt er auch konsequent in die Praxis um. Auffällig dabei: die Macher:innen verfolgen in diesem Punkt offensichtlich eine, ich nenne es mal, kooperative Strategie.

Der Verein spricht gezielt „erfahrene“ Partner-Initiativen, -Stiftungen und -Organisationen an, die im besten Fall bereits Projekte in den verschiedensten Entwicklungsregionen der Welt lanciert haben und aus diesem Grund über entsprechendes Praxis-Know-how sowie über Kontakte vor Ort verfügen.

Auf diese Weise sucht Stelp nach Anknüpfungspunkten und Betätigungsfeldern, die sich für ein Engagement bzw. eine finanzielle Unterstützung eignen. Arbeitsbasis des Vereins bildet das potente Spender-Netzwerk. Es versetzt Stelp in die Lage, ausreichend finanzielle Mittel zu akquirieren, um verschiedene Hilfsprojekte auf der ganzen Welt zu unterstützen. Ausschlaggebend dafür ist eine herausragende Spenderkommunikation.

Social Media, Podcasts, Press und Co.

Und exakt an diesem Punkt merkt man Stelp an, dass hier echte Marketing-Profis am Werk sind. Der ausnahmslos spendenfinanzierte Verein versteht es, die gesamte Marketingklaviatur zu bedienen.

Dazu nutzt er alle zur Verfügung stehenden Kommunikationskanäle wie Homepage, soziale Medien, Podcast , Presse und Medien sowie die jährlich stattfindende Spendengala, um das Netzwerk unaufhörlich zu vergrößern und darüber gleichzeitig seine Botschaft zu multiplizieren.

Mit durchschlagendem Erfolg: Im vergangenen Jahr durchbrach Stelpvdie Spendenschallmauer von einer Million Euro. Als weitere Einnahmequelle eröffnete der Verein im vergangenen Jahr in Stuttgart mit dem Café Natan ein gemeinnützige Gastronomie, die durch die große Unterstützung von Sponsoren sowie die unermüdliche Arbeit zahlreicher Ehrenamtlicher auf die Beine gestellt wurde.

Bewirtschaftet wird das Café ebenfalls von einer Crew aus Volunteers, so dass alle Einnahmen direkt in Stelp-Hilfsprojekte fließen können. Dadurch stabilisiert der Verein seine finanzielle Basis.

Gibt es Kritikpunkte?

Es läuft bei Stelp. Durch eine kontinuierliche Medienberichterstattung in Funk, Presse und TV sowie die vereinseigene Öffentlichkeitsarbeit verbucht der Verein aus Stuttgart eine wachsende Prominenz, die zwischenzeitlich weit über die Stadt-Grenzen der Hauptstadt Baden-Württembergs hinausreicht.

Dazu muss sich der derzeitige „Star unter den Hilfsorganisationen“ aber auch immer wieder neu erfinden. Und genau darin dürfte die Herausforderung der Zukunft liegen. Denn auch unter Hilfsorganisationen besteht bei aller Gemeinnützigkeit ein Wettbewerb – um die Aufmerksamkeit der Unterstützer und um: Geld.

Die Konkurrenz ist groß. An diesem Punkt knüpft Stelp noch mit seiner sympathischen Story an, die insbesondere auf den Gründer Serkan Eren zurückgeht und zuletzt mit dem Cafe Natan fortgesetzt wurde. Darüber gelingt es, einen glaubwürdigen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft herbeizuführen und die Menschen von Stelp zu überzeugen.

Fazit: Die Hilfsorganisation Stelp

Dabei ragt Stelp auch durch schnelle und unkomplizierte Hilfsaktionen heraus, die der Verein selbst durchführt. Damit schärft die Initiative ihr Profil. Das stößt bei den Stakeholdern – Spender wie Volunteers – bis dato auf positive Resonanz.

Einziger Haken: Der personelle Einsatz dabei ist enorm. Entscheidend für die Zukunft des Vereins wird sein, inwieweit das organisatorische Wachstum und die intrinsische Motivation der Volunteers deckungsgleich konserviert und effektiv organisiert werden kann. Dazu wird eine fortschreitende sukzessive Professionalisierung der Schlüsselfunktionen im Verein auf lange Sicht unvermeidlich sein.

Und das erfordert möglicherweise die Installation neuer Geschäftsmodelle, welche die finanzielle Grundausstattung weiter stabilisieren und konkrete Arbeitsstellen im Verein finanzieren. Mit dem Café ist ein erster Schritt getan. Eine weitere finanzielle Ressource könnte etwa das Merchandising werden.

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mittwald

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Über den Autor

Christoph Hausel

Co-Owner & Managing Director von ELEMENT C

Christoph Hausel, studierter Jurist und erfahrener Kommunikationsprofi, steht zahlreichen Acceleratoren / Inkubatoren und VCs als Mentor und Experte zur Seite: next media accelerator, initiiert von der dpa, MediaLab Bayern, Münchner Ideen-Inkubator für den digitalen Journalismus, Wayra, der Startup-Track von Telefónica und den STARTUP TEENS.

2002 gründete er die Kommunikationsagentur ELEMENT C. Damals als reine PR-Agentur konzipiert, fokussiert sich ELEMENT C seit 2005 auf die interdisziplinäre Verknüpfung von PR und Design, um ein langfristiges Markenbewusstsein zu schaffen.

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