Wirtschaft

Beweg deinen Hintern und gründe JETZT ein Unternehmen

Start-up, Unternehmensgründung, Unternehmen gründen
unsplash.com/ Med Badr Chemmaoui
geschrieben von Carsten Lexa

Du hast eine gute Geschäftsidee, bist dir aber nicht sicher, ob und wann du gründen solltest? Wie wäre es einfach mit – jetzt? Ja, richtig gelesen: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für eine Unternehmensgründung. Lass mich kurz beschreiben, warum ich dieser Meinung bin.

Vieles spricht derzeit gegen eine Unternehmensgründung

Im ersten Moment hört es sich vielleicht seltsam an: Die Corona-Zahlen steigen, der Krieg zwischen Russland und der Ukraine dauert an und betrifft uns stärker als gedacht und die Aussichten für die Wirtschaft und die Beeinträchtigungen unser aller Leben sind nicht absehbar, eher sogar negativ. Und jetzt soll ein guter Zeitpunkt sein, um ein Unternehmen zu gründen? Genau davon bin ich überzeugt.

Unternehmen gründen: Sag Ja wenn alle anderen Nein sagen

Zum einen bin ich, was Chancen und damit auch was Gründungen angeht, ein sogenannter „Contrarian“. Das sind Menschen, die eine gegenteilige Position einnehmen, insbesondere eine Position gegen die Mehrheit. Wenn ich also überall höre, dass ein Zeitpunkt besonders schlecht für irgendetwas ist, dann bin ich sofort maximal angefixt.


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Denn die Masse liegt oftmals falsch und daraus ergeben sich solide Chancen. Wenn ich also derzeit überall höre, dass die Zeiten schlecht für Gründungen sind, dann ist das ein guter Indikator für einen im Grunde guten Zeitpunkt.

Aber mir ist natürlich klar, dass das eine eher subjektive Meinung ist. Gibt es denn auch objektivere Gründe, die für einen guten Gründungszeitpunkt sprechen?

Interesse an digitalen Lösungen

Wie wäre es als weiteren Grund beispielsweise mit der fortschreitenden Digitalisierung, die Menschen viel offener gemacht hat für neue und insbesondere digitale Lösungen?

Der uns durch die Corona-Pandemie aufgezwungene Abstand zu anderen Menschen hat uns gezeigt, dass wir weiterhin Bedarf haben an Dienstleistungen und Kontakt zu anderen Menschen. Dies aber muss auf eine neue Art geschehen, die den unmittelbaren Kontakt beschränkt, den Zugang aber weiterhin erlaubt.

Was wie ein Widerspruch klingt, ist aber letztendlich eine wunderbare Ausgangslage für beispielsweise Anwendungen im virtuellen Raum, für medizinische und therapeutische Anwendungen ohne direkten Körperkontakt oder für Wissensvermittlung ohne dass der Lehrer oder Dozent direkt anwesend sein muss. Gründungen in diesen Bereichen würden auf großen Bedarf stoßen.

Lust auf Neues durch die Pandemie

Darüber hinaus haben die Menschen nach nun gut zwei Jahren Pandemie allgemein große Lust auf Neues. Das gilt sicherlich zuerst für den Bereich Reisen, Musik- und Sportevents und sonstige Erlebnisse aller Art. Aber ich bin der Ansicht, dass dies grundsätzlich für Neuerungen in allen Lebensbereichen gilt.

Denn in den vergangenen Jahren war das Leben insbesondere in den europäischen Ländern in vielen Bereichen eingeschränkt. Das heißt alle „lechzen“ geradezu nach etwas, das das Leben in eine neue Richtung bringt. Und damit sind die Menschen automatisch offener für neue Geschäftsideen – einfach weil diese „neu“ sind.

Diese müssen dann am Ende natürlich auch halten, was sie versprechen und insbesondere einen Mehrwert und Nutzen bringen. Aber für viele neue Unternehmen ist es ja im Allgemeinen schwierig, überhaupt Interesse zu wecken. Dies sollte jetzt einfacher möglich sein.

Die neue Art zu arbeiten

Dann haben wir alle gesehen, dass die „alte Art zu arbeiten“ nicht unbedingt zwingend notwendig ist. Ich erinnere mich an viele Geschäftspartner und Mandanten, die mir noch vor fünf Jahren gesagt haben, dass ihre Mitarbeiter:innen nicht von zu Hause aus arbeiten können.

„Das geht halt bei uns nicht“ wurde mir oft gesagt, insbesondere wenn ich dann erzählt habe, dass ich meinen Mitarbeiter:innen schon vor mehr als zehn Jahren freigestellt habe, ob sie von zu Hause oder im Büro arbeiten wollen. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass viele Tätigkeiten nicht unbedingt im Büro erbracht werden müssen.

Daraus ergeben sich tolle Chancen, um ein eigenes Unternehmen zu gründen. Denn die neue Art zu arbeiten braucht auch neue Abläufe, neue Prozesse und ein neues Denken in Unternehmen. Und darüber hinaus werden auch neue Tools erforderlich, um weiterhin produktiv zu sein. Die sich daraus ergebenden Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos.

Und noch einen Punkt solltest du bedenken: Wenn aufgrund der bestehenden Umstände die verfügbaren Optionen immer mehr eingeschränkt werden, dann gibt es immer mehr kreative Lösungen. Und die stoßen dann auf immer mehr Interesse.

Unternehmen gründen: Günstige Infrastruktur für Wagemutige

Schließlich ist eine Krise auch immer eine Chance. Denn in einer Krise fällt der Bedarf an Räumlichkeiten, an Mitarbeiter:innen und an sonstigen Mitteln wie Maschinen und ähnlichem. Das bedeutet aber im Gegenzug, dass Gründer:innen günstiger an Produktionsmittel und Manpower kommen, als wenn die Wirtschaft auf dem absoluten Maximum läuft.

Und ja, mir ist klar, dass diese Aussage vielleicht mit Blick auf Deutschland nicht überall passt. Denn beispielsweise die Mieten und die Energiekosten steigen derzeit. Aber ich schaue auch nicht nur auf Deutschland. Das ist ja insbesondere die großartige Leistung der Europäischen Union, dass unternehmerische Aktivitäten nicht mehr auf ein Land beschränkt sind.

Aber auch viele andere Länder als die der europäischen Union haben erkannt, dass ihr Land attraktiver wird, wenn es günstige Bedingungen für wirtschaftliche Aktivitäten bietet. So können heutzutage ortsunabhängige Unternehmen in vielen Ländern schneller und leichter gegründet werden als in Deutschland.

Ein Blick ins Ausland

„In“ diesen können dann Mitarbeiter:innen arbeiten, die sich in völlig anderen Ländern aufhalten. Und sogar die Gründer können sich überall auf der Welt aufhalten. Ich selbst habe erst vor ein paar Tagen Gründer beraten, von denen keiner sich in Deutschland befunden hat.

Wenn der Blick über die Grenzen Deutschlands hinaus gerichtet wird, dann kann man erkennen, dass sehr gut ausgebildete Angestellte in vielen Ländern zu guten Konditionen zur Verfügung stehen. Und auch Räumlichkeiten, logistische Drehkreuze und sonstige Produktionsfaktoren stehen zu attraktiven Bedingungen.

Die Corona-Pandemie war auch hier wieder ein großer Auslöser von Veränderungen, denn es wurde klar, dass ortsunabhängiges Arbeiten viel weniger Aufwand bedeutet als oftmals angenommen. Und die Pandemie hat die Welt für wirtschaftliche Aktivitäten größer gemacht.

Gehe raus und gründe 

Sicherlich ist es schwer, sich mit einer Unternehmensgründung zu befassen, wenn alle Zeichen vordergründig dagegen sprechen, es insbesondere nur wenige Fürsprecher für eine Gründung gibt und jeder nur von den kommenden Schwierigkeiten redet. Ich dagegen finde, es gibt keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, um seine Geschäftsidee umzusetzen.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es die meisten Chancen in Krisenzeiten gibt – und die Nacht ist bekanntlich immer am dunkelsten vor der Dämmerung. Deshalb genug der Worte. Geh raus und gründe ein Unternehmen. Die Zeit dafür ist jetzt!

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Über den Autor

Carsten Lexa

RA Carsten Lexa berät seit über 10 Jahren deutsche und internationale Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschaftsrechtlicher Art, z.B. bei Gründungen, Strukturierungen oder Vertragsgestaltungen aber auch zu rechtlich-strategischen Fragen. Darüber hinaus war er Weltpräsident der G20 Young Entrepreneurs´ Alliance (G20 YEA), Mitglied der B20 Taskforces und Rechtsbeistand der Wirtschaftsjunioren Deutschland. Er ist Mitinitiator der Gründerinitiative Gründen@Würzburg und Botschafter der Oskar-Patzelt-Stiftung für die Auszeichnung „Großer Preis des Mittelstands“. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und unternehmensrechtlichen Fragen.

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