Social Media

Bytedance soll sich massenhaft bei Instagram, Snapchat und Co. bedient haben

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Unsplash.com / Markus Spiske, Montage: BASIC thinking
geschrieben von Maria Gramsch

TikTok-Mutterkonzern Bytedance hat sich für einen Vorgänger der beliebten Kurzvideo-App offenbar bei den Inhalten der Konkurrenz bedient. Das berichtet BuzzFeed News unter Berufung auf vier ehemalige Angestellte sowie interne Dokumente.

Copycats sind in bei den großen sozialen Netzwerken eigentlich gang und gäbe – spätestens seitdem sich Facebook mit seinen Töchtern Instagram und WhatsApp gnadenlos bei den Funktionen von Snapchat, TikTok und Co. bedient hat.

Doch wie BuzzFedd News jetzt berichtet, beziehen sich diese Praktiken nicht nur auf die Funktionen wie Stories oder Reels. Auch an den Inhalten der Nutzer:innen wird sich offenbar fleißig bedient.


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So geschehen bei TikTok-Mutterkonzern Bytedance. BuzzFeed News bezieht sich in seinem Bericht auf vier ehemalige Mitarbeiter:innen sowie interne Dokumente.

Was genau wird Bytedance vorgeworfen?

Demnach soll der Konzern für die Plattform Flipagram massenhaft Inhalte von Instagram und Snapchat abgeschöpft haben. Diese Daten tauchten dann auf gefälschten Konten auf der Bytedance-Plattform auf.

Darunter waren jedoch nicht nur die gepusteten Inhalte. Es seien auch Benutzernamen, Profilbilder und Profilbeschreibungen von Instagram, Snapchat und weiteren Plattformen kopiert und bei Flipagram hochgeladen worden. Dies sei ohne das Wissen der eigentlichen Nutzer:innen geschehen.

Laut den vier ehemaligen Mitarbeiter:innen von Flipagram sowie internen Dokumenten soll das sogenannte Scraping bereits kurz nach der Übernahme durch Bytedance begonnen haben.

Durchgeführt wurde das Scraping von einem Team in China. Diese Vorgehensweise ist laut der Ex-Angestellten einer von mehreren „Wachstums-Hacks“ gewesen. Auch seien Like- und Video-View-Statistiken manipuliert worden.

Einer der ehemaligen Mitarbeiter sagte, dass das Scraping Hunderttausende von Konten betraf, und in einem von BuzzFeed News eingesehenen Dokument wurden Pläne zum „Crawlen von Videos > 10k/Tag in P0-Ländern“ beschrieben – dem ehemaligen Mitarbeiter zufolge bedeutete dies, dass das Ziel des Teams darin bestand, mehr als 10.000 Videos pro Tag in den Ländern mit der höchsten Priorität zu scrapen.

Was könnte Bytedance mit den Inhalten gewollt haben?

Laut zwei der ehemaligen Flipagram-Angestellten hat Bytedance die geklauten Inhalte für seinen Algorithmus „For You“ benutzt. Dieser Algorithmus steht kommt heute unter anderem bei TikTok zum Einsatz.

Der chinesische Konzern Bytedance habe den Algorithmus mit den gescrapten Inhalten auf US-amerikanischen Inhalte trainieren wollen.

In den von BuzzFeed News eingesehenen internen Dokumente werden unter anderem die Gründe für die Nutzung „gefälschter Konten“ und gescrapter Inhalte genannt. Mit diesen könne die Plattform „testen, welche Inhalte auf der Plattform am besten ankommen“.

BuzzFeed News zitiert weiter aus den internen Dokumenten, dass das Scraping 2017 angefangen haben soll. Dabei sei auch Wert darauf gelegt worden, dass die Inhalte „nicht zu chinesisch“ sind, damit sie bei US-Nutzer:innen gut ankommen.

Der Inhalte-Diebstahl blieb nicht unerkannt

Einigen Nutzer:innen ist unterdessen nicht entgangen, dass ihre Inhalte eins zu eins auf einer anderen Plattform aufgetaucht sind.

Bei Flipagram seien E-Mails von Urheber:innen eingegangen, die ihre Inhalte auf der Plattform entdeckt hatten, wie die vier ehemaligen Mitarbeiter beschreiben.

Auch habe es Anfragen von Eltern gegeben, die von Flipagram wissen wollten, warum die Inhalte ihrer Kinder auf der Plattform zu sehen seien.

Die Mitarbeiter:innen seien in solchen Fällen angewiesen worden, die entsprechenden Konten zu löschen. Auch sei es vorgekommen, dass den Nutzer:innen das Konto übergeben wurde.

Flipagram habe in solchen Fällen darauf hingewiesen, dass die Plattform nicht verhindern könne, wenn ein:e Nutzer:in oder ein Fan fremde Inhalte auf der Plattform hochlade.

Was hat Flipagram mit TikTok zu tun?

Das im Jahr 2013 gegründete Flipagram galt dereinst als ernstzunehmender Instagram-Konkurrent. Die Plattform für Fotocollagen und Kurzvideos ging im Jahr 2017 an die Bytedance-Tochter Toutiao über.

Die Nachrichtenaggregator-App Toutiao benannte die App später in Vigo Video um, bevor Bytedance diese dann endgültig ins eigene Portfolio übernahm.

Im gleichen Jahr übernahm Bytedance auch die App Musical.ly. Laut dem Bericht von BuzzFeed News haben die Teams der beiden konkurrierenden Apps „eine Zeit lang nebeneinander im Großraumbüro von Flipagram in Los Angeles“ zusammengearbeitet.

Ist Flipagram jetzt TikTok?

Die Konkurrenz zwischen den beiden Plattformen soll „zu einer unangenehmen und sehr unkollaborativen Energie am Arbeitsplatz“ geführt haben. Im Jahr nach der Übernahme entließ Bytedance dann Teile des Flipagram-Teams in LA. Aus Musical.ly wurde schließlich TikTok.

Laut Bytedance hat das ehemalige Flipagram nichts mit dem heutigen TikTok zu tun. Bytedance-Sprecherin Jennifer Banks schrieb gegenüber BuzzFeed News, „Flipagram und Vigo haben ihren Betrieb vor Jahren eingestellt und stehen in keinem Zusammenhang mit aktuellen ByteDance-Produkten“.

Flipagram-Gründer Farhad Mohit Flipagram sieht das wohl anders. Seinem LinkedIn-Profil ist zu entnehmen, Flipagram sei „jetzt TikTok“.

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Über den Autor

Maria Gramsch

Maria ist freie Journalistin und seit 2021 freie Autorin bei BASIC thinking. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig. Neben dem Studium hat sie als CvD, Moderatorin und VJ bei dem Regionalsender Leipzig Fernsehen und als Content-Uschi bei der Bastei-Lübbe-App oolipo gearbeitet. Im letzten Studienjahr war sie Mitgründerin, CvD und Autorin der Leipzig-Seite der taz. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet unter anderem für turi2.de und die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm.

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