Wirtschaft

Studie: Gehaltsunterschiede liegen an Arbeitszeiten – nicht an Löhnen

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unsplash.com/ Towfiqu barbhuiya
geschrieben von Maria Gramsch

Die Ungleichheit der Einkommen hat in Deutschland seit 1993 enorm zugenommen. Eine neue Studie hat nun gezeigt, dass diese Entwicklung „fast gar nicht“ am Stundenlohn liegt, sondern an der Arbeitszeit.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat für die vorliegende Studie Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet. Ziel war es dabei, den Grund für den Anstieg der Ungleichheit von Erwerbseinkommen seit 1993 zu ergründen.

Einkommensunterschiede: Über die DIW-Studie

Für die Betrachtung der Studie müssen vor allem die Abhängigkeiten der einzelnen Faktoren betrachtet werden. Denn die Ungleichheit der Erwerbseinkommen hängt von der Verteilung der Stundenlöhne, der Arbeitszeiten sowie der Korrelation dieser beiden Faktoren ab.


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Daher wurde zunächst untersucht, wie sich Einkommensunterschiede langfristig in Deutschland zwischen 1993 und 2018 entwickelt haben. Aber auch Änderungen in der Verteilung von Arbeitszeiten und Stundenlöhnen wurde betrachtet.

Die Studie nimmt dafür vier Beschäftigtengruppen unter die Lupe. Sie unterscheidet zwischen erwerbstätigen Frauen und Männern, die jeweils im und außerhalb des Dienstleistungssektors arbeiten.

Wovon ist die Ungleichheit der Einkommen abhängig?

Zwischen 1993 bis 2018 ist die Ungleichheit der Einkommen laut den Studienergebnissen stark angestiegen. Dieses Phänomen habe sich besonders bis zum Jahr 2003 entwickelt. Seit 2008 stagniere der Faktor auf einem hohem Niveau.

Dabei liegen rund 15 Prozent des Anstiegs an der zunehmenden Ungleichheit der Stundenlöhne. 40 Prozent gehen auf die zunehmende Ungleichheit der Arbeitszeiten zurück. Fast die Hälfte hänge mit der wachsenden Korrelation von Stundenlöhnen und Arbeitszeiten zusammen.

Im Vergleich zu 1993 waren im Jahr 2018 niedrige Stundenlöhne mit weniger und höhere Löhne mit mehr Arbeitsstunden verbunden.

Dieser Effekt habe sich seit Beginn der 2000er Jahre noch weiter verstärkt. Denn Beschäftigte mit hohen Stundenlöhnen seien auch die mit den längeren Arbeitszeiten. Dadurch vergrößere sich die Ungleichheit der Einkommen noch weiter.

Arbeiten Beschäftigte mit niedrigen Stundenlöhnen weniger Stunden als Beschäftigte mit hohen Stundenlöhnen, sind die monatlichen Erwerbseinkommen ungleicher verteilt als die Stundenlöhne.

Was muss sich ändern, um die Ungleichheit der Einkommen zu reduzieren?

Doch wie kann die Arbeitswelt diesem Phänomen begegnen? Auch dafür gibt die DIW-Studie Lösungsansätze. Demnach würde sich die Ungleichheit der Einkommen abschwächen, wenn Beschäftigte die von ihnen gewünschte Arbeitszeit hätten.

Das liege daran, dass sich Beschäftigte im oberen Lohnsegment vermehrt eine geringere Arbeitszeit wünschen. Bei den Beschäftigten im unteren Lohnsegment ist es umgekehrt.

Jedoch könnte die Einführung flexiblerer Arbeitszeitmodelle für viele Unternehmen Mehrkosten durch einen erhöhten Verwaltungsaufwand bedeuten. Jedoch sollten Unternehmen diese möglichen zusätzlichen Kosten abwägen, da die Beschäftigten „zufriedener und (damit) motivierter“ sein könnten.

Auch könnte die Abschaffung der Minijob-Regelung Abhilfe schaffen. Denn beispielsweise die Anhebung des Mindestlohns verschärfe das Problem, dass nicht im gewünschten (höheren) Umfang gearbeitet werden könne.

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Über den Autor

Maria Gramsch

Maria ist freie Journalistin und technische Mitarbeiterin an der Universität Leipzig. Seit 2021 arbeitet sie als freie Autorin für BASIC thinking. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet hier unter anderem für die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig. Neben dem Studium hat sie als CvD, Moderatorin und VJ beim Regionalsender Leipzig Fernsehen und als Content-Uschi bei der Bastei-Lübbe-App oolipo gearbeitet. Im letzten Studienjahr war sie Mitgründerin, CvD und Autorin der Leipzig-Seite der taz.

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