Technologie Wirtschaft

Digitale Berufe: Was macht eigentlich eine Cloud-Architektin?

Malgorzata Ilczyk, Cloud-Architektin, Capgemini
Capgemini
geschrieben von Fabian Peters

Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt von Grund auf. Deshalb entstehen neue Berufsbil- der. Doch was versteckt sich hinter den Bezeichnungen? Das möchten wir in „Und was machst du so?“ greifbar machen. Heute: Malgorzata Ilczyk, Cloud-Architektin bei Capgemini.

BASIC thinking: Hallo Malgorzata, du arbeitest als Cloud-Architektin bei Capgemini. Beschreibe uns doch einmal in vier Sätzen, wie du deinen Beruf neuen Freunden erklärst.

Als Cloud-Architektin helfe ich Kunden dabei, klassische IT-Systeme in eine neue und moderne Welt zu überführen. Ich vergleiche meine Arbeit auch gerne mit dem eines Hausbau: Das neue Haus muss geplant, gebaut und bezugsbereit gemacht werden, bevor man die Mietwohnung verlässt.

Wir nutzen dabei die Flexibilität und die neuste Technologie, die die Cloud bietet, um Innovationen in einem Unternehmen voranzutreiben. Eine intelligente Cloud-Architektur zeichnet sich vor allem durch einen hohen Automatisierungsgrad und massive Skalierungseffekte aus und ist für Unternehmen, die die digitale Transformation anstreben, ein Schlüsselthema.

Der Start in den Tag als Cloud-Architektin

Wie sieht ein normaler Tag in deinem Beruf aus?

Im Laufe eines Projekts nehme ich als Cloud-Architektin unterschiedliche Rollen ein. Daher stehen je nach Projektphase auch unterschiedliche To-Do’s auf meiner Liste. Mal finden diese beim Kunden direkt vor Ort statt, manchmal sogar im Ausland, aber auch gemütlich von zu Hause aus oder von un- terwegs.

Dabei geht es zumeist um Angebotserstellungen, Anforderungsanalysen bis hin zum technischen Solution Design sowie der vollen Implementierung und Operationalisierung einer Datenplatt- form. Aktuell arbeite ich auf einem internationalen Projekt bei dem ich unter anderem an unterschiedlichen Standorten präsent sein muss.

Ein schöner Nebeneffekt: Ich kann viele spannende Orte besichtigen. Zu Beginn eines jeden Projektes bespreche ich zunächst die Kundenvision sowie, welche Anforderungen und Aufgaben die gewünschte Datenplattform erfüllen soll.

Anschließend stellen wir das Team zusammen, das für das technische Design und die Umsetzung des Projekts benötigt wird. Bei meinem aktuellen Projekt leite ich ein rund 60-köpfiges Team, das über verschiedene Länder hinweg arbeitet.

Womit startest du in den Tag?

Ich starte meistens klassisch mit einer Tasse Kaffee oder im Sommer mit einem knackigen drei Kilometer Lauf an der Elbe entlang. Im Anschluss um 9:00 Uhr tausche ich mich im Morning Daily Call eine halbe Stunde mit meinem Team aus. Wir besprechen den aktuellen Stand des Projekts und planen den Tag.

Meistens beenden wir auch gemeinsam den Arbeitstag mit einem Battle-Call. Battle-Call nennen wir die Abendrunde deswegen, weil wir gemeinsam den Tag gerockt haben. Da wir uns auch privat sehr gut verstehen, sprechen wir in unseren Abendcalls nicht nur über laufende Projekte, sondern tauschen uns über Themen abseits der Arbeit aus.

Die Aufgaben als Cloud-Architektin

Welche Aufgaben fallen in deinen Bereich?

Als Cloud-Architektin liegt der Fokus nicht auf einem bestimmten Produkt, sondern auf den Kunden als Ganzes. Entsprechend gestalten sich die Aufgaben und man braucht einen ganzheitlichen Blick auf die Themen und Hintergründe, um innovative Lösungsideen zu entwickeln.

Ich stelle mir täglich bei der Entwicklung von Lösungen folgende Fragen: Wie soll die User Experience auf der Plattform
gestaltet sein? Wie sollen die Daten bereitgestellt und konsumiert werden? Welche Teile der Lösung automatisieren wir, um schneller zu entwickeln? Neben dem Design und der operationalen Umset- zung fallen aber auch als Führungskraft Teamleading und das Projektmanagement in meinen Aufgabenbereich.

Wie definierst und interpretierst du deinen Job als Cloud-Architektin persönlich?

Ich verstehe mich in gewisser Weise als Zukunftsgestalterin, da ich modernste Technologie in die Un- ternehmen bringe, sodass diese wiederum in ihren Transformationsprozessen einen großen Schritt nach vorne machen.

Cloud Computing hebt die Arbeit unsere Kunden auf ein neues Level, da bestimmte Prozesse eine höhere Geschwindigkeit erreichen und gewisse Kosten und Einschränkungen, die bei einer klassischen IT-Architektur bestehen, wegfallen.

Außerdem weiß ich, dass die Karriereoptionen mit meinem Berufsprofil sehr spannend und vielfältig sind. Ich persönlich habe mich auf Azure-Data-Architektur spezialisiert und mich damit als Expertin für diese Technologie etabliert.

Eingliederung in die Unternehmensstruktur

Wie ist deine Stelle in die Unternehmensstruktur eingegliedert? Sprich: An wen berichtest du und mit wem arbeitest du zusammen?

Die Hierarchien bei Capgemini sind flach, wir tauschen uns alle auf Augenhöhe aus. Ich sage gerne, dass unsere Projekte in einem guten Eco-System umgesetzt werden, in dem wir innerhalb von Capgemini in verschiedenen Bereichen und Länder eng miteinander vernetzt sind, aber auch mit unseren Kunden und den externen Dienstleistern im ständigen Austausch stehen.
Selbstverständlich wird die Rolle der Cloud-Architektin in jedem Unternehmen unterschiedlich aus- gelegt.

Welche Perspektiven kommen bei dir zu kurz, die grundsätzlich zum Berufsbild gehören?

Bei Capgemini arbeiten wir an sehr vielen innovativen Projekten und betreuen große Kunden aus den verschiedensten Branchen, beispielsweise aus den Bereichen Automotive, Health Care oder auch Public Sector. Das heißt für mich, dass ich diverse Erfahrung sammeln kann und mich weiterentwickeln kann.

Was ich bei meiner Arbeit aber immer mitdenken muss: Ich bin nicht ganz frei in dem was ich entwickle. Unsere Kunden entscheiden über die Umsetzung und die Richtung des Projekts. Ich kenne also die Möglichkeiten, aber auch die Herausforderung, den Ansprüchen des Kunden ge- recht zu werden.

Das macht wiederum den Reiz meines Jobs aus: Mir zu überlegen, wie die Puzzleteile zwischen Cloud-Architektur und Kundenanforderungen zusammenspielen.

Spaß und Dankbarkeit im Beruf

Was macht dir an deinem Job am meisten Spaß?

Gemeinsam im Team die Herausforderungen der Kunden rund um Business Intelligence und Advan- ced Analytics zu lösen und die Zukunft mitzugestalten ist unheimlich motivierend und macht mich auch stolz. Darüber hinaus genieße ich es sehr, dass ich immer wieder Neues lerne und mir Capgemini die Möglichkeit gibt, mich weiterzubilden.

Ich vertiefe mein Wissen immer wieder besonders im Cloud Umfeld und habe schon diverse Zertifizierungen erworben, unter anderem. die zum Azure Data Scientist. Ich habe außerdem gemeinsam mit einem Kollegen, die Insights & Data Architects Community gestartet, um unseren Datenarchitekt:innen eine Möglichkeit zu geben, im Dialog zu bleiben.

Da sich unsere Welt sehr schnell dreht, sowohl was die Anforderungen der Kunden angeht als auch von der technischen Seite her, sind wir auf einen regelmäßigen Austausch untereinander angewiesen. Aus diesem Grund vernetzen wir unsere Kolleg:innen über regelmäßige Calls und einen Newsletter miteinander.

Außerdem unterstützen wir die Kolleg:innen – mit Coachings und Mentorships – beim Erreichen von internen und externen Trainings und Architekturzertifizierungen (zum Beispiel TOGAF9, IAF).

Wofür bist du besonders dankbar?

Ich weiß es sehr zu schätzen, dass ich bei Capgemini die Freiheit habe, meinen Karriereweg selbst zu gestalten und dabei auch viel Unterstützung erhalte. Diverse Mentor*innen – auch z.B. auf Vice President-Ebene – haben mich in den Themen vorangebracht, die mich interessieren sowie intensiv gecoached, um meinen Karriereplan bestmöglich aufzusetzen.

Wir können uns außerdem mit eigenen Ideen in soziale Projekte einbringen, zum Beispiel über unser internes „Architects of Positive Futures“-Programm. Daraus sind schon tolle Initiativen entstanden, etwa FARM (Financial and Agricultural Recommendation Models).

Hier entwickeln wir eine intelligente Datenplattform zur Bekämpfung der weltweiten Knappheit an Nahrungsmitteln.

Wie wird man eigentlich Cloud-Architektin?

In der Digital-Branche gibt es häufig nicht mehr die klassische Ausbildung. Wie bist du zu deiner Stelle gekommen?

Ich habe zunächst einen Wirtschaftsinformatik-Bachelor in Polen absolviert und anschließend den Master in International Management mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik in Deutschland gemacht.

Anschließend habe ich mich bei Capgemini beworben, da mir das Unternehmen als Global Player in der IT-Branche schon ein Begriff war und ich die beruflichen Möglichkeiten spannend fand. Der Bewerbungsprozess verlief sehr schnell und unkompliziert. Dieser Umgang und die große Wertschätzung hat mir wirklich imponiert, sodass meine Wahl auf Capgemini fiel.

Welchen Tipp würdest du Neueinsteigern oder interessierten Quereinsteigern geben, die auch Cloud-Architektin werden wollen?

Cloud Architekt*innen benötigen schon gewisse Vorkenntnisse aus dem Datenumfeld. Wer sich in Richtung Data entwickeln will, fängt meistens als Data Engineer oder Developer an. Die wichtigsten Skills verfestigen sich „on the job“ in den Projekten. Wer Informatik studiert hat, bringt die meisten der nötigen Voraussetzungen bereits mit.

Auch erste praktische Erfahrung ist vorteilhaft. Aber am wichtigsten sind Begeisterung für Daten und Lernbereitschaft. Immerhin brauchen wir ein möglichst umfassendes Verständnis von Lösungen und Prozessen. Es werden online viele kostenlose Schulungen mit dem Schwertpunkt Cloud-Architektur angeboten, diese Chance sollte man auch wahrnehmen.

Letztendlich geht es auch ohne Informatikstudium, sofern die Motivation da ist, sich weiterzubilden. Bei uns gibt es beispielsweise auch Archäolog:innen, die jetzt als Cloud-Architekt:innen arbeiten. Also, alles ist möglich.

Vielen Dank, Malgorzata!

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Über den Autor

Fabian Peters

Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).

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