Wirtschaft

Lützerath: Wenn Lobbyarbeit eine klimafreundlichere Politik verhindert

Projektplanung, Lützerath, Klima
Adobe Stock/ whiterockcompany
geschrieben von Gerold Wolfarth

Welche wichtige Entscheidung habt ihr vor 15 Jahren getroffen? Welche Pläne und Wünsche hattet ihr? Wie habt ihr euch vor 15 Jahren eure Zukunft vorgestellt? Und: Ist das noch aktuell? Das Beispiel Lützerath offenbart, wie Lobbyarbeit und veraltete Projektplanung eine klimafreundlichere Politik verhindern. 

Würdet ihr euch mit allen euren Ideen von damals heute noch wohlfühlen? 
Also ich sicherlich nicht. Weil es nicht mehr ins Heute passt. Weil es nicht mehr zeitgemäß wäre.

Aber kein Problem, ich habe mich umentschieden. 
Aber warum ist dieses „Umentscheiden“ so schwierig? Wieso muss ein Braunkohle-Abbauprojekt, zu dem sich vor fast 20 Jahren entschieden wurde, heute noch umgesetzt werden?

Projektplanung: Immer schön agil bleiben

Agiles Arbeiten ist seit Jahren ein Hype. Scrum, Sprints, Reviews, Retros: der Inbegriff moderner Arbeitskultur. Bestens geeignet für die Projektentwicklung insbesondere im Tech-Bereich, denn Zwischenschritte werden regelmäßig begutachtet und besprochen.

Sie werden hinterfragt und bei Bedarf können schnell Anpassungen umgesetzt werden. Das Projekt wird agil den neusten Ansprüchen gerecht. Dabei spart der Auftraggeber auch noch Zeit und Geld.

Aber warum wird diese Technik eigentlich fast nur in Projektprozessen angewandt? Warum geht es bei wichtigen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen nicht auch mal ein bisschen agiler zu?

Lützerath: Ein trauriger Anlass

Wie ich zu diesem Thema komme? Die aktuellen Meldungen aus Lützerath reißen nicht ab. Und ich frage mich schon, wieso wir heute, acht Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen, darüber diskutieren müssen, ob ein neues Gebiet für den Braunkohleabbau erschlossen werden soll.

Warum wir fast 20 Jahre, nachdem einmal die Entscheidung getroffen wurde, dass das Braunkohle-Abbaugebiet Garzweiler II erweitert werden und Lützerath umgesiedelt werden soll, vor solchen gewaltvollen Demonstrationsgeschehen stehen.

Und warum nicht im Laufe der vergangenen 20 Jahre mehrfach hinterfragt wurde, ob dies das richtige Vorgehen ist. Hätte da nicht spätestens 2015 die Notbremse gezogen werden müssen?

Projektplanung am Beispiel Lützerath

Mir ist klar, dass hinter diesem Projekt sehr hohe wirtschaftliche sowie energiepolitische Forderungen stehen, die nicht zu vernachlässigen sind. Aber es zeigt eben auch, wie heuchlerisch wir häufig agieren. Klimaschutz ja. Abstriche nein.

Eine langfristige Planung ist wichtig, aber man muss doch regelmäßig und immer wieder die Entwicklungen betrachten, Entscheidungen unter den aktuellen Voraussetzungen bewerten und daraufhin entscheiden, ob die eingeschlagene Richtung noch stimmt.

Und bei Bedarf Teilaspekte oder auch ganze Projekte mit all seinen Zusammenhängen nachjustieren. In der Corona-Zeit, als uns nichts Anderes übrigblieb, haben wir es geschafft!

Wirtschaft vs. Klima? Flexibilität ist gefragt

Ich finde es immer wieder erschreckend wir starr und unflexibel wir agieren. Wie Wasserköpfe in Betrieben uns blockieren und wie Lobbyarbeit eine klimafreundlichere Politik verhindert.

In Lützerath verlieren wir gerade nicht nur eine große die Chance zu unserem Wort zum Klimaschutz zu stehen, sondern bekommen auch deutlich vor Augen geführt, wie wenig agil dieses Land ist. Können wir das in 20 Jahren wirklich unseren Kindern erklären?

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Über den Autor

Gerold Wolfarth

Gerold Wolfarth ist Gründer und CEO der bk Group AG, dem europäischen Marktführer im Ladenbau und technischem Facility Management. Als Familienunternehmer, Startup-Mentor, Serial-Investor, Chairman des Unternehmernetzwerks THE GROW, Geschäftsführer des Ökovation Ventures Fonds und Autor des Buches „Gewinn ist nur ein Nebenprodukt“ ist er Experte für Innovationen und sucht zukunftsträchtige Ideen sowie neue Wege für Unternehmen. So betreibt er mit der bk World selbst die modernsten Ladeparks der Welt in Kooperation mit TESLA.
Gleichzeitig lebt er eine werteorientierte Führungskultur, welche Menschlichkeit und die Familie in den Mittelpunkt stellt.

1 Kommentar

  • Ehrlich, also ich bin ganz anderer Meinung. Wie soll es der Umwelt helfen, wenn wir anstatt hier lokal Kohle abbauen, wahrscheinlich unweltfreundlicher als anderswo auf der Welt im Vergleich zu die Kohle aus Australien, China und & Co zu importieren. Und wenn du jetzt sagst, wir brauchen Kohlestrom nicht, wir hätten vor 15 Jahren schon auf Wind und Solar setzen müssen, viel stärker. Sorry, ist nicht passiert und du musst jetzt auch mit der Situation klarkommen. Dazu wenn man überlegt, daß am 13. Oktober 2021 in Deutschland, an dem Tag, nur 0.3% des Stroms aus erneuerbaren Energien kam, weil bewölkt und Windflaute, dann kannst auch 100x mehr Windräder und Solaranlagen hinsetzen. Das hätte an dem und vielem anderen Tagen nicht geändert, dass 99.7% des Stroms aus Kohle, Atom und Gas gekommen sind. Und jetzt setzen sich da ein paar junge Leute hin, die meinen wenn wir 1.5 Grad nicht erreichen, kippt die Welt. Kein Wissenschaftler gibt genau das an, es wird wärmer, es wird mehr Katastrophen geben, doch das wird ein Prozess und wir werden wahrscheinlich genug Sachen machen um da gegenzusteuern. Doch von, wenn wir bis 2030 nicht die 1.5 Grad erreichen sind wir die letzte Generation zu sprechen ist einfach so falsch. Ich find es ok und einfach schlimm für die Polizisten, für den Staat, der die Kosten tragen muss und der ganze Aufwand der betrieben wird für die paar Idioten.

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