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Überrasch mich – bitte nicht: Netflix killt Zufallswiedergabe

André Gabriel
unsplash.com/ Dima Solomin

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Netflix verbannt die Zufallswiedergabe, weil das Shuffle-Feature zu unattraktiv war. Wie es scheint, brauchen und möchten die meisten User keine Auswahlhilfe. Ein technologischer Nachruf.

Was nicht gut performt, wird entfernt. Nach diesem Motto verfährt Netflix nicht nur mit Serien wie zuletzt „Midnight Club“. Auch Features wie die Zufallswiedergabe rasiert hat der Streamingdienst nun, wenn die Zugriffszahlen nicht zufriedenstellen.

Das war die Zufallswiedergabe von Netflix

Netflix hat die Funktion im Jahr 2021 gelauncht. Der Grundgedanke war simpel: Da es immer mehr Titel gibt, nahm der Anbieter seine suchmüden Abonnent:innen an die Hand. Sinngemäß: Du weißt nicht, was du heute schauen willst? Dann klicke auf diesen Button und entdecke das hier.

Doch die Rechnung ging nicht auf, wie eine Sprecherin von Netflix laut The Wall Street Journal verkündet. Die Zufallswiedergabe ging im Januar 2023 offline, weil sie zu selten genutzt wurde – trotz prominenter Platzierung.

Es heißt, dass die meisten User mit einer klaren Vorstellung zu Netflix kommen, statt sich inspirieren zu lassen.

Überrasch mich: Gute oder schlechte Idee?

Angesichts der vielen Streamingdienste ist die Frage nicht leicht zu beantworten. Denn es gibt zwei gängige Szenarien: Menschen, die über eigene oder geteilte Abos so viele Dienste wie möglich abdecken und andere, die sich bewusst nur für einen oder maximal zwei entscheiden.

Im ersten Fall erscheint ein Feature wie die Netflix-Zufallswiedergabe sinnfrei. Denn normalerweise weiß ich, was ich sehen will, und suche über eine externe Plattform den entsprechenden Anbieter heraus. Wie beim Einkaufen: Geschäft, Regal, Kasse.

Beschränke ich mich bewusst, muss ich wieder mehr stöbern. Denn meine Auswahl ist begrenzt – beispielsweise auf das Angebot von Netflix. Dann kann eine Zufallswiedergabe interessant sein.

Allerdings nur, wenn es ein hochfunktionales KI-Feature ist, das passgenaue Empfehlungen gibt. Doch das widerspricht einem rein auf Zufall ausgerichteten Algorithmus, weshalb die Funktion kaum zukunftsfähig war.

Zufallswiedergabe bei Netflix: Alles dreht sich um das Erlebnis

Ein großes Wort im digitalen Geschäft: Customer Experience. Weil sich der Wettbewerb zunehmend verdichtet, müssen Unternehmen ihren Kund:innen nicht nur Inhalte, sondern großartige Erlebnisse rund um die Nutzung der Inhalte bieten.

Doch der Streaminganbieter war zuletzt wenig kundenfreundlich. Im vergangenen Jahr erhöhte Netflix die Abopreise. Später kam das Abonnement mit Werbung auf den Markt, das Netflix mit ominösen Praktiken an die Nutzer:innen bringen will. Und jetzt will Netflix das Account-Sharing verhindern.

Netflix sucht nach der passenden Position und den richtigen Ideen im weiterhin boomenden Streaming-Markt. Das weiß auch die Sprecherin: „Wir werden weiterhin nach Möglichkeiten suchen, um unseren Mitgliedern mehr Optionen und Wege zu bieten, Inhalte zu entdecken, die sie sehen wollen“.  Der letzte Teil ist bedeutend: „die sie sehen wollen.“

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André Gabriel schreibt seit Januar 2021 für BASIC thinking. Als freier Autor und Lektor arbeitet er mit verschiedenen Magazinen, Unternehmen und Privatpersonen zusammen. So entstehen journalistische Artikel, Ratgeber, Rezensionen und andere Texte – spezialisiert auf Entertainment, Digitalisierung, Freizeit und Ernährung. Nach dem Germanistikstudium begann er als Onlineredakteur und entwickelte sich vor der Selbständigkeit zum Head of Content.