OpenAI hat mit ChatGPT Translate einen eigenen Übersetzer an den Start gebracht. Neben klassischen Übersetzungen ermöglicht das Tool auch Umformulierungen für bestimmte Zielgruppen wie Kinder oder ein akademisches Publikum. Der Übersetzer hat allerdings noch einige Schwachstellen. Eine kommentierende Analyse.
ChatGPT bekommt eigenen Übersetzer
- ChatGPT Translate kann OpenAI zufolge Tonfall, Redewendungen und Kontexte in Texten erkennen, um präzise Übersetzungen zu liefern. Auch umgangssprachliche und regionale Ausdrucksweisen sollen für das Tool kein Problem sein.
- Der OpenAI-Übersetzer soll wie Google Translate oder DeepL die Ausgangssprache automatisch erkennen können. Auch die Benutzeroberfläche ähnelt denen der Konkurrenz. Aktuell unterstützt ChatGPT Translate rund 50 verschiedene Sprachen. Darunter: Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch.
- Laut OpenAI geht ChatGPT Translate über einen klassischen Übersetzer hinaus. Das Tool soll per Mausklick etwa auch spezielle Textanpassungen ermöglichen. Darunter: flüssigere Formulierung, Umformulierung in einen sachlichen, geschäftlichen Stil, Übersetzung zum Verständnis für ein Kind und Übersetzungen für ein akademisches Publikum.
ChatGPT Translate: Noch nicht ganz ausgereift
Normalerweise hängt OpenAI jede noch so kleine Funktion an die ganz große Glocke. Bislang gibt es ungewöhnlicherweise jedoch keine offiziellen Statements zu ChatGPT Translate (Stand: 15. Januar 2026). Das Tool stellt dennoch ein direktes Konkurrenz-Angebot zu etablierten Übersetzern wie DeepL oder Google Translate dar.
Es war zwar zuvor bereits möglich, Texte mit ChatGPT zu übersetzen. Mit ChatGPT Translate hat OpenAI aber eine gesonderte Übersetzungs-Oberfläche geschaffen, die den Angeboten der Konkurrenz nicht zufällig ähnelt, sondern ein vertrautes Gefühl schaffen soll.
Der eigentliche Mehrwert von ChatGPT Translate könnte in der Nachbearbeitung von Übersetzungen liegen. Unterhalb der Übersetzung gibt es dazu klickbare Optionen. Über die Auswahl landet man allerdings auf der normalen ChatGPT-Oberfläche.
Ganz ausgereift scheint der Übersetzer daher nicht. Das Angebot, Texten einen akademischen Tonfall einzuhauchen, entbehrt zudem nicht einer gewissen Ironie. Denn Studien zufolge haben KI-Übersetzer vor allem mit technischen und wissenschaftlichen Begriffen so ihre Probleme.
Stimmen
- Laut Franziska Neziri, Vizepräsidentin des Schweizer Verbands der Übersetzer, Terminologen und Dolmetscher (ASTTI), ist KI ausserstande, menschliche Erfahrungen zu machen, und kann somit den erhaltenen Input auch nicht mit früheren Erfahrungen abgleichen, was wir Menschen dagegen tagtäglich tun. Sie kann also z. B. keine Emotionen empfinden und diese folglich auch nicht nachvollziehen.
- Oliver Czulo, Professor für Übersetzungswissenschaft am Geisteswissenschaftlichen Zentrum (GWZ) der Universität Leipzig, in einem Interview: „Die Maschine hat kein Verständnis davon, was Geschlecht ist und was Stereotype sind. Übersetzungsmodelle sind nichts anderes als statistische Modelle, die aber keinerlei Verständnis von der Welt haben. Wie gut Modelle funktionieren, hängt von Daten ab. Es gibt bestimmte Sprachenpaare wie Englisch–Deutsch oder Englisch–Französisch, bei denen die Maschine schon teilweise wirklich gute Vorübersetzungen leisten kann.“
- Dolmetscher Nathan Chacón zu den Auswirkungen von KI-Übersetzern auf seinen Job: „Es gibt viele Übersetzer da draußen und sie haben meine Bedenken bestätigt. Ich sehe, wie KI-Tools die Kontrolle übernehmen“. Chacón müsse derzeit vor allem KI-Übersetzungen korrigieren, da Künstliche Intelligenz Redewendungen wie „it’s raining cats and dogs“ – (zu Deutsch: „Es regnet in Strömen“) – nicht erkennen könne.
KI-Übersetzer: OpenAI hinkt der Konkurrenz hinterher
Ob sich ChatGPT Translate als feste Alternative zu Google Translate und DeepL etablieren kann, bleibt abzuwarten. Denn: Bislang hinkt OpenAI der Konkurrenz bei der Sprachauswahl deutlich hinterher. Die Veröffentlichung eines hauseigenen dezidierten Übersetzers zeigt aber, dass sich das Unternehmen künftig stärker in diesem Bereich positionieren will.
Weitere Sprachen, Funktionen und vor allem mehr Marketing dürften deshalb die logische Folge sein. Zwar befindet sich OpenAI noch nicht auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Doch mit weiteren Upgrades sowie der Popularität von ChatGPT könnte das Unternehmen schnell Boden gutmachen.
Im privaten und zwischenmenschlichen Alltag dürfte das Tool deshalb schnell zum praktischen Begleiter werden. Für professionelle Übersetzer und Dolmetscher werden KI-Übersetzer dennoch keine direkte Gefahr darstellen.
Ihr Berufsbild dürfte sich allerdings weiter verschieben: weg von direkten Übersetzungen und hin zu mehr Korrekturen. Denn Halluzinationen, kulturelle Fehlgriffe oder falsch verstandene Metaphern sind keine KI-nderkrankheiten, sondern Nebenwirkungen statischer Sprachmodelle.
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