Meta Klage Instagram Sucht Mark Zuckerberg

Macht Zuckerberg süchtig? Klage könnte Meta zum Einsturz bringen

Fabian Peters
Bild: BASIC thinking / mit ChatGPT generiert (KI)

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Meta-Chef Mark Zuckerberg musste sich vor Gericht verantworten. Eine 20-Jährige wirft dem Unternehmen vor, Instagram bewusst so gestaltet zu haben, dass es süchtig macht. Der Prozess könnte die Tech-Branche erheblich erschüttern und weitere Klagen folgen lassen. Eine kommentierende Analyse.

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Social-Media-Sucht: Mark Zuckerberg als Kronzeuge verhört

  • Im Rahmen eines beispiellosen Prozesses stand Meta-CEO Mark Zuckerberg am 18. Februar als Kronzeuge vor Gericht unter Beschuss. Die zentrale Frage: Machen Plattformen wie Instagram Kinder und Jugendliche gezielt abhängig? Das behauptet zumindest eine 20-jährige Klägerin, die in den Gerichtsdokumenten „Kaley“ oder „K.G.N“ genannt wird. Sie macht Meta für ihren jahrelangen exzessiven Instagram-Konsum verantwortlich, der bei ihr Depressionen und Angstzustände ausgelöst habe.
  • Berichten zufolge nutzte Kaley bereits mit sechs Jahren YouTube. Als Teenagerin verbrachte sie laut ihrem Anwalt Mark Lanier bis zu 16 Stunden täglich auf Instagram. Er argumentiert, dass Meta und Google ihre Plattformen systematisch so aufgebaut hätten, dass Nutzer nicht mehr aufhören können zu scrollen. Dieses Phänomen ist auch unter dem Begriff Doomscrolling bekannt. Endlose Feeds, Push-Benachrichtigungen und Inhalte, die ein Algorithmus bestimmt, befeuern diesen Vorgang, um Nutzer möglichst lange auf den Plattformen zu halten.
  • Mark Zuckerberg räumte Schwächen bei der Alterskontrolle auf Instagram und Facebook ein. Minderjährige unter 13 Jahren hätten oftmals zu einfach Zugang zu den Plattformen erhalten, obwohl dies den Nutzungsrichtlinien widerspricht. Zuckerberg betonte jedoch, dass Meta Accounts löschen würde, sobald die Altersbeschränkung umgangen wird. Kritiker bemängeln dieses Vorgehen als ungenügend. Als der Facebook-Gründer auf die AGB verwies, keilte Kläger-Anwalt Mark Lanier zurück: „Glauben Sie, ein 9-Jähriger liest Geschäftsbedingungen?“

Das krumme Geschäftsmodell von Meta

Das Verhalten von Mark Zuckerberg gleicht dem eines Teenagers – mit dem Unterschied, dass er zahlreiche Gleichaltrige durch die Algorithmen und Endlosschleifen auf seinen Plattformen gepeinigt hat. Der Prozess gegen Meta ist jedoch mehr als nur ein Gerichtsverfahren. Er ist ein Spiegel. Denn: Er zeigt ein Geschäftsmodell auf, das Aufmerksamkeit als Ware sieht und vermarktet.

Dabei geht es aber nicht nur um Klickzahlen und Werbeeinnahmen, sondern es steht vor allem die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auf dem Spiel. Das scheinbare Motto: Profit statt Prävention. Mark Zuckerberg steht dabei als eine Art lebende Allegorie für ein System, das Menschen ausschließlich als Statistiken behandelt.

Der Prozess ist sogar durchaus mit Big Tobacco vergleichbar. Denn auch die großen Zigarettenhersteller beteuerten jahrzehntelang, dass ihre Produkte bei verantwortungsvoller Nutzung sicher seien – bis Studien das Gegenteil bewiesen. Meta agiert wie ein digitaler Zwilling.

Die Frage, die über allem steht, ist deshalb größer als der Gerichtssaal in Los Angeles. Denn: Kann ein Geschäftsmodell, das Sucht erzeugt, um Profit daraus zu ziehen, jemals ethisch vertretbar sein?

Stimmen

  • Instagram-Chef Adam Mosseri bei seiner Vernehmung vor Gericht: „Ich bin mir sicher, dass ich gesagt habe, ich sei süchtig nach einer Netflix-Serie, als ich sie eines Nachts bis spät in die Nacht gebingewatcht habe, aber ich glaube nicht, dass das dasselbe ist wie eine klinische Sucht. Es ist also eine persönliche Sache, aber ja, ich glaube, es ist möglich, Instagram mehr zu nutzen, als es einem guttut. Generell sollten wir uns auf den Schutz von Minderjährigen konzentrieren.“
  • Meta-Chef Mark Zuckerberg wies die Vorwürfe vor Gericht zurück: „Ich sorge mich um das Wohlergehen von Teenagern und Kindern, die unsere Dienste nutzen.“ Mark Lanier, Anwalt der Anklage, zeichnete ein anderes Bild. In einer Instagram-Präsentation aus dem Jahr 2018 hieß es: „Wenn wir bei Teenagern Erfolg haben wollen, müssen wir sie als Tweens reinholen.“ Auf eine E-Mail aus dem Jahr 2015 entgegnete Lanier: „Sir, Sie sind der Entscheidungsträger für Ihr gesamtes Unternehmen. Wenn es eine E-Mail mit dem Titel ‚Unternehmensziele‘ gibt und Sie sagen, dass die Verweildauer in drei Jahren um 12 Prozent und in fünf Jahren um 10 Prozent steigen soll, glauben Sie nicht, dass die Leute das als Unternehmensziele interpretieren?“
  • John DeMay, der bereits 2024 bei einer Anhörung des Senats anwesend war, weil sein Sohn 2022 mit 17 Jahren Selbstmord beging, nachdem er wenige Stunden zuvor auf Instagram sexuell erpresst worden war, in einem Statement: „Seine Entschuldigung – wenn man es so nennen will – war größtenteils leer. Er sagte im Grunde genommen, dass sie alles tun, um solche Vorfälle zu verhindern, aber leider ist das einfach nicht der Fall. Ich bin zuversichtlich, dass dieser Fall gewonnen wird, aber selbst wenn nicht, haben wir trotzdem gewonnen, weil wir der Welt – mit offiziellen Beweisen – gezeigt haben, dass sie das eine tun und das andere sagen.“

Muss Meta seine Algorithmen umschreiben?

Falls die Klägerseite erfolgreich sein sollte, könnte sie einen Dominoeffekt auslösen, der weit über den verhandelten Einzelfall hinausgeht. Denn dann stünden die Endlosschleife und Algorithmen sämtlicher digitaler Medien auf der Anklagebank. Die Tech-Branche müsste sich zwangsläufig fragen, ob Gewinn noch über Ethik geht.

Denn: Es stehen bereits rund 1.600 ähnliche Klagen in der Pipeline. Weitere dürften folgen, sollte Meta den Prozess verlieren. Der Tabak-Vergleich ist zudem nicht überspitzt. Es geht in bestimmten Fällen um dokumentierte Suchtmechanismen, die offenbaren, dass Profit nicht passiv, sondern aktiv erzeugt wird – und zwar unter Inkaufnahme von Gesundheitsrisiken.

Plattformen wie die von Meta könnten deshalb gezwungen werden, ihre Algorithmen umzuschreiben. Ausgeklügelte Geschäftsmodelle würden damit bröckeln – vor allem auf dem Aktienmarkt. Doch selbst wenn Meta die Schlacht gewinnt, wird der Krieg anhalten.

Denn immer mehr Eltern, Erziehungsberechtigte, Gesetzgeber und die öffentliche Meinung stellen die Praktiken der Social-Media-Konzerne kritisch in Frage. Die Zukunft entscheidet sich deshalb nicht unbedingt in einem einzelnen Gerichtssaal, sondern in einem Spannungsfeld zwischen Profitgier, Ethik und der nächsten Social-Media-Generation, die bereits aufwächst.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
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