Apple bringt Siri AI auch nach Europa, aber zunächst nur auf den Mac. iPhone- und iPad-Nutzer in der EU gehen vorerst leer aus. Der Grund: Ein eskalierender Streit zwischen Apple und der EU-Kommission über die Auslegung des Digital Markets Act. Doch: Wer trägt die Verantwortung und wann kommt Siri AI doch noch aufs iPhone? Ein Überblick.
Bereits im Zuge der Ankündigung von Apple Intelligence im Jahr 2024 hat Apple die neue Siri als Herzstück seiner KI-Strategie vorgestellt. Ursprünglich sollten die erweiterten Funktionen deutlich früher verfügbar sein, doch die Entwicklung erwies sich als komplexer als erwartet, weshalb Apple den Start mehrfach verschob.
Inzwischen steht Siri AI kurz vor der Einführung. Doch während Nutzer in vielen Regionen die neuen KI-Funktionen in den kommenden Monaten erhalten sollen, erfolgt der Start in Europa nur eingeschränkt.
Auf dem Mac, der Apple Watch und für Vision Pro wird Siri AI direkt zum Start verfügbar sein. Doch Nutzer von iPhone und iPad müssen sich in der EU vorerst weiter gedulden. Hintergrund sind regulatorische Fragen im Zusammenhang mit dem europäischen Digital Markets Act (DMA).
Siri AI startet in Europa zunächst nur auf dem Mac – aber nicht auf dem iPhone
Apple hatte ursprünglich geplant, Siri AI in der EU zeitgleich mit der Veröffentlichung von iOS 27 und iPadOS 27 später in diesem Jahr bereitzustellen. Das scheitert laut dem Konzern jedoch an den Vorgaben des Digital Markets Act (DMA).
Die EU-Regulierungsbehörden hätten in den vergangenen Monaten „keine der von Apple vorgeschlagenen Lösungen akzeptiert“, heißt es in einem Statement von Apple. „Wir sind zutiefst enttäuscht, dass unsere Nutzer in der EU Siri AI auf dem iPhone oder iPad nicht nutzen können, wenn wir im Laufe dieses Jahres unsere neuen Software-Versionen veröffentlichen“, erklärt Craig Federighi, Apples Senior Vice President für Software Engineering.
Ein Sprecher der EU-Kommission wiederum widerspricht dieser Darstellung. „Die Entscheidung, Siri-KI nicht in der EU einzuführen, liegt allein bei Apple, denn absolut nichts im DMA hindert Apple daran, neue Produkte in der EU auf den Markt zu bringen“, erklärt Thomas Regnier, Sprecher der Europäischen Kommission.
Apple habe die Kommission lediglich um eine Ausnahmeregelung für 18 Monate gebeten und nicht versucht, „eine geeignete und regelkonforme Lösung zu finden“, so Regnier bei einem regulären Pressebriefing in Brüssel. Das sei allerdings keine Option, „denn es würde bedeuten, dass kein anderer KI-Agent außer Siri AI – der übrigens von Google betrieben wird – die gleiche Chance hätte, von iPhone-Nutzern ausgewählt zu werden“.
Apple wiederum bezeichnet die Auslegung des DMA durch die EU-Regulierungsbehörden als „extrem“. Regnier erklärt hingegen, EU-Recht sei „nicht verhandelbar“. „Die Kommission wird keine Ausnahmen gewähren – so wenig, wie ein Polizist einen Autofahrer von der Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung befreien würde.“
Siri AI: Welche Rolle spielt der DMA wirklich?
Die unterschiedlichen Entscheidungen für Mac und iPhone lassen sich vor allem durch die Art der Systemintegration und die regulatorische Einordnung der Plattformen erklären. Denn auf dem iPhone ist Siri tief in das mobile Betriebssystem eingebunden und kann weitreichend auf App-Funktionen, Nutzerdaten und Systemprozesse zugreifen.
Genau diese enge Verzahnung ist im Kontext des DMA besonders sensibel, da sie vor allem Fragen zu fairen Zugängen für Drittanbieter aufwirft. Der Mac hingegen gilt in diesem Zusammenhang als weniger strikt regulierte Plattform. Drittanbieter haben hier zahlreiche Zugangspunkte, die Nutzern Alternativen bieten.
Beim iPhone hingegen ist das anders, da Siri AI hier als zentrale Schnittstelle fungieren würde. Denn sie könnte Nutzer mit Nachrichten, Apps, persönlichen Daten und Gerätesteuerungen verbinden und stellt damit keine bloße Funktion dar.
Diese Unterscheidung ist wichtig, um die Entscheidung der Regulierungsbehörden nachvollziehen zu können. Denn wenn KI-Assistenten nicht nur eine reine Software-Funktion sind, sondern sich zu einem primären Zugangstor für Apps, Inhalte, Suchfunktionen und Gerätesteuerungen entwickeln, können sie als Plattform-Infrastruktur eingestuft werden.
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