Bohrloch-Batterie

Alte Öllöcher als Akku: Bohrloch-Batterie soll Energie speichern

Felix Baumann
Bild: Geo2watts

Stromspitzen bei den erneuerbaren Energien stellen die Stromnetze vor Herausforderungen. Ein neuer Ansatz nutzt nun stillgelegte Öl- und Gasbohrlöcher als thermische Großspeicher für überschüssigen Strom aus Photovoltaikanlagen. Das Verfahren soll ungenutzte Infrastrukturen in regulierbare grüne Leistung für Zeiten hoher Nachfrage umwandeln. 

Eine Analyse von Phil Cruver, Chef des US-Unternehmens Geo2Watts, beleuchte das Potenzial sogenannter Bohrloch-Batterien vor dem Hintergrund des Lazard LCOE+ Reports 2026. Inzwischen speisen große Photovoltaikanlagen preiswerten Strom im Preisbereich zwischen 40 und 61 US-Dollar pro Megawattstunde ins Netz ein. Allerdings geht an sonnenreichen Tagen mit geringer Netzkapazität oft wertvolle Energie verloren, weil Anlagen abgeregelt werden müssen.

Hier setzt das Prinzip der Bohrloch-Batterie an. Das System funktioniert im Grunde wie eine gigantische unterirdische Thermoskanne für elektrische Energie. Wenn ein Überangebot an Solarstrom herrscht, treibt der überschüssige Strom eine Hochtemperatur-Wärmepumpe an. Dabei leitet ein Kompressor die Energie in Wärme um. Ein geschlossenes Wassersystem leitet die erzeugte Hitze dann in tiefe, nicht mehr genutzte Bohrlöcher der Erdöl- und Erdgasindustrie ab. Die Speichertemperatur in den umgenutzten Bohrlöchern ist dabei auf etwa 200 Grad Celsius begrenzt.

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So funktioniert die Rückverstromung in der Bohrloch-Batterie

Ein verbreiteter Irrtum betrifft die Herkunft der Energie. Das System nutzt keine natürliche Erdwärme aus dem tiefen Boden, sondern verwendet nach eigenen Angaben die Bohrlöcher ausschließlich als künstliche thermische Speicherbehälter. Steigt die Stromnachfrage im Netz oder sinkt die Sonneneinstrahlung am Abend, treibt die gespeicherte Wärme einen Generator an.

Dieser erzeugt direkt verfügbaren, sauberen Strom. Der Prozess wandelt somit die Hitze wieder in synchronen Wechselstrom um, der im Anschluss von Betreibern in das Stromnetz eingespeist werden kann. Diese Umwandlung soll die Rolle der Solarenergie grundsätzlich verändern. Aus fluktuierendem Überschussstrom wird eine garantierte und planbare Leistung für das Stromnetz.

Der ökonomische Wert von Solarstrom misst sich dadurch nicht mehr allein an niedrigen Produktionskosten, sondern am Zeitpunkt und der Flexibilität der Bereitstellung. Ein von Geo2Watts entwickeltes Konzept namens GridValue spiegelt diesen wirtschaftlichen Nutzen wider.

Chancen und wirtschaftliche Hürden für den neuen Energiespeicher

Ein entscheidender Vorteil des Konzepts liegt in der Wiederverwendung bestehender Infrastruktur. Die Nachnutzung inaktiver Öl- und Gasbohrungen ermöglicht die Nutzung bestehender elektrischer Infrastruktur. Zudem greifen Entwickler auf weitgehend erprobte Standardkomponenten wie Wechselstrom-Motoren, Kompressoren und Wärmetauscher zurück.

Dennoch stehen der Technologie noch Hürden bevor. Der Lazard-Bericht zeigt bisher keinen definitiven Nachweis, dass eine solche thermische Speicherlösung kostengünstiger arbeitet als konventionelle elektrochemische Batteriespeichersysteme.

Allerdings besteht für alternative Energiespeicher in diesen Jahren einiges an Potenzial, da die Kosten für Batteriespeicher nach vorherigen Rückgängen wieder angestiegen sind. Ob sich die Bohrloch-Batterie auf dem Markt durchsetzt, hängt letztlich stark von den lokalen Gegebenheiten, der Speicherdauer und netzbedingten Regulierungen ab.

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Felix Baumann ist seit März 2022 Redakteur bei BASIC thinking. Bereits vorher schrieb er 4 Jahre für den Online-Blog Mobilegeeks, der 2022 in BASIC thinking aufging. Nebenher arbeitet Felix in einem IT-Unternehmen und beschäftigt sich daher nicht nur beim Schreiben mit zukunftsfähigen Technologien.