Deutschland will seine KI-Kapazitäten bis 2030 massiv ausbauen. Doch ausgerechnet das Stromnetz könnte zum Flaschenhals werden. Denn schon heute stoßen Netzbetreiber bei neuen Rechenzentren an ihre Grenzen, während die Zahl der Anschlussanfragen weiter steigt.
Der Ausbau von Künstlicher Intelligenz in Deutschland soll in den kommenden Jahren deutlich an Tempo zunehmen. Dafür soll bis zum Jahr 2030 vor allem die nötige Recheninfrastruktur geschaffen werden.
Im März 2026 hat die Bundesregierung hierfür die Nationale Rechenzentrumsstrategie verabschiedet. Demnach sollen die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland bis 2030 mindestens verdoppelt werden. Die Kapazitäten für High-Performance-Computing und KI sollen im gleichen Zeitraum sogar mindestens vervierfacht werden.
Die Bundesregierung will damit die digitale Souveränität stärken und Deutschland als Standort für leistungsfähige Rechenzentren und KI-Anwendungen attraktiver machen. Doch für den Ausbau werden neben den Rechenzentren selbst vor allem genügend Strom und verfügbare Netzanschlüsse benötigt.
Doch genau hier könnte es in den kommenden Jahren zum Engpass kommen. Denn in vielen Regionen übersteigt bereits heute die Nachfrage neuer Großverbraucher die verfügbaren Netzkapazitäten. Besonders Rechenzentren konkurrieren damit zunehmend um knappe Anschlussleistung und könnten so den geplanten KI-Ausbau ausbremsen.
Scheitert der KI-Ausbau am Stromnetz?
In Frankfurt am Main, einem der größten Rechenzentrumsstandorte in Europa, könnte es nach Angaben des örtlichen Verteilnetzbetreibers NRM Netzdienste Rhein-Main bis Mitte der 2030er-Jahre zu Einschränkungen kommen. Große Anschlussanfragen ab 3,5 Megawatt werden hier bereits über ein sogenanntes Pro-Rata-Verfahren verteilt.
Dabei wird die verfügbare Netzanschlussleistung nicht nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ vergeben. Stattdessen verteilt der Netzbetreiber die begrenzte Kapazität anteilig auf die berechtigten Anschlussanfragen. Das kann dazu führen, dass Unternehmen dadurch unter Umständen nur einen Teil der ursprünglich gewünschten Leistung erhalten oder länger auf zusätzliche Kapazitäten warten müssen.
Gleichzeitig wird am Standort Frankfurt am Main massiv am Ausbau der Versorgungskapazität gearbeitet. Der Energieversorger Mainova will nach eigenen Angaben die Stromversorgungskapazitäten in den nächsten Jahren um rund 1.000 Megawatt erhöhen, was in etwa einer Verdopplung der heutigen Kapazität entspricht.
KI-Ausbau: Auch an anderen Standorten geraten Stromnetze unter Druck
Frankfurt am Main ist mit dieser Problematik jedoch kein Einzelfall. Auch in anderen Regionen übersteigt die Nachfrage nach neuen Netzanschlüssen die derzeit verfügbaren Kapazitäten teils deutlich.
In Berlin beispielsweise erhielt der Netzbetreiber Stromnetz Berlin im Jahr 2025 insgesamt 70 Anfragen von Großverbrauchern für Anschlüsse mit einer Gesamtleistung von rund 2.300 Megavoltampere (MVA). Zur Verfügung standen in den betroffenen Netzgebieten jedoch lediglich 365 MVA.
Damit war die Nachfrage mehr als sechsmal so hoch wie die verfügbare Anschlussleistung. Auch in diesem Gebiet wird die vorhandene Leistung deshalb mittels eines Zuteilungsverfahrens verteilt.
Auch im Netzgebiet von MITNETZ Strom in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen sieht es ähnlich aus. Ende 2025 lagen in diesem Gebiet allein 90 Anschlussanfragen für Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von 16,8 Gigawatt vor. Verbindlich reserviert waren davon zu diesem Zeitpunkt neun Projekte mit zusammen rund 1,4 Gigawatt.
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