Gender Pay Gap KI Künstliche Intelligenz Forschung

Gender Pay Gap bei Künstlicher Intelligenz: Weibliche KI wird schlechter bezahlt

Maria Gramsch
Bild: Mit KI erstellt (ChatGPT)

Selbst bei Künstlicher Intelligenz können Geschlechterstereotype das Verhalten von Menschen beeinflussen. In einem Experiment wurde eine weiblich präsentierte KI im Schnitt deutlich geringer finanziell belohnt als eine männlich präsentierte. Technisch waren beide KIs identisch.

Der Gender Pay Gap macht geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Bezahlung in der Arbeitswelt sichtbar. Seit 2019 sind die Werte in Deutschland zwar gesunken, lagen im Jahr 2025 jedoch noch immer bei 16 Prozent.

Wie tief geschlechtsspezifische Rollenbilder in der Arbeitswelt verankert sein können, zeigt eine neue Studie der University of Limerick in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich und der SKEMA Business School. Demnach wirken sich diese Muster nicht nur auf Menschen aus, sondern auch auf den Umgang mit Künstlicher Intelligenz.

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Entscheidend ist dabei laut den Forschungsergebnissen nicht, was ein KI-System tatsächlich leistet. Denn in der Untersuchung wurde eine weiblich präsentierte KI von den Testpersonen finanziell schlechter belohnt als eine technisch identische männliche Variante.

Gender Pay Gap betrifft auch Interaktionen mit KI

Für ihre Untersuchung haben die Forscher 189 Arbeitnehmer in ein virtuelles Büro versetzt. Die Testpersonen sollten in diesem Umfeld arbeitsbezogene Aufgaben mithilfe verschiedener KI-Assistenten erledigen.

Dabei wurde die KI in vier unterschiedlichen Varianten eingesetzt. Die Testpersonen konnten mit einem textbasierten Chatbot, einem Schreibtischroboter sowie zwei menschenähnlichen virtuellen Agenten mit männlicher oder weiblicher Präsentation arbeiten.

Nach der Erledigung der Aufgaben, bei denen die Testpersonen von den verschiedenen KIs unterstützt wurden, konnten sie diese mit echtem Geld entlohnen. Dabei sollten sie einen festen Betrag zwischen sich selbst und dem KI-Assistenten aufteilen.

Die Forscher wollten so eine reale Transaktion nachbilden und gleichzeitig untersuchen, wie viel die Menschen bereit waren, der KI für ihre Arbeit zu zahlen. Da die verglichenen Assistenten technisch gleich leistungsfähig waren, stand dabei allein die Wirkung ihrer Gestaltung und sozialen Wahrnehmung im Mittelpunkt.

„Wir betrachten KI oft als neutral, doch die Art und Weise, wie wir diese Systeme gestalten und präsentieren, kann genau jene Annahmen und Vorurteile aktivieren, die auch unsere Interaktionen mit anderen Menschen prägen“, erklärt Dr. Mary Hausfeld von der Kemmy Business School der University of Limerick. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass das auch auf die Gender Pay Gap zutrifft.

Mehr Vertrauen für menschliche KI-Assistenten

Die Testpersonen zahlten ihrem männlich wirkenden KI-Agenten „Johan“ deutlich mehr als der weiblich wirkenden „Johanna“. Für die Erledigung derselben Arbeit erhielt Johanna im Schnitt 10,25 Prozent weniger Geld als Johan.

„Bemerkenswert an unseren Ergebnissen ist, dass die Technologie hinter diesen KI-Agenten absolut identisch war, die Menschen sie jedoch unterschiedlich behandelten“, so Hausfeld. Geschlechtsspezifische Vorurteile, wie man sie aus der menschlichen Arbeitswelt kennt, könnten sich demnach auch bei Interaktion mit KI manifestieren.

Daher müsse laut Hausfeld bei dem Einsatz von KI in der Arbeitswelt genau überlegt werden, welche Eigenschaften diese erhalten und „welche Verhaltensweisen diese Entscheidungen möglicherweise fördern“. Es müsse verhindert werden, dass „unbeabsichtigt bestehende Ungleichheiten in einem neuen technologischen Umfeld“ reproduziert werden.

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Maria ist freie Journalistin und technische Mitarbeiterin an der Universität Leipzig. Seit 2021 arbeitet sie als freie Autorin für BASIC thinking. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet hier unter anderem für die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig.
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