Es wäre die größte Fusion der Wirtschaftsgeschichte. Berichten zufolge laufen derzeit Gespräche über einen Zusammenschluss von Tesla und SpaceX; beide Unternehmen werden von Elon Musk geführt. Was das bedeuten und wie der Tech-Milliardär davon profitieren würde – und welche politische Dimension das Ganze hat. Eine kommentierende Analyse.
Ja, Tesla und SpaceX könnten tatsächlich fusionieren
- In einer Videokonferenz zu den Quartalszahlen seiner Weltraumfirma hat Elon Musk über einen möglichen Zusammenschluss der US-Konzerne Tesla und SpaceX gesprochen. Angeblich würde die Option gerade geprüft werden. Dafür seien spezielle Ausschüsse gegründet worden. Musk selbst könne aufgrund von Interessenkonflikten nicht an den Gesprächen teilnehmen. Als Großaktionär beider Firmen bilden die Anteile an Tesla und SpaceX die Basis seines enormen Vermögens, das ihn aktuell zum reichsten Menschen der Welt macht.
- Der Gedanke über eine mögliche Fusion kursiert seit Monaten. Doch mit den jüngsten Äußerungen erhält die Idee mehr Substanz: „Sowohl SpaceX als auch Tesla haben auf Wunsch der Aktionäre Sonderausschüsse eingerichtet, um die Idee zu erörtern“, wie Musk per Video mitteilt. Zwar betont er, dass er eine Fusion befürworten würde, doch noch gäbe es keine konkreten Verhandlungen, geschweige denn einen Deal. Zudem weist er darauf hin, dass mindestens 50 Prozent aller Tesla-Aktionäre zustimmen müssten, was eine „ziemlich hohe Hürde“ sei.
- Tesla wurde 2003 gegründet und entwickelte sich vom Elektroautopionier zu einem Technologiekonzern mit E-Autos, Batteriespeichern, Solartechnik und Software. SpaceX entstand 2002 mit dem Ziel, die Raumfahrt günstiger zu machen. Heute setzt das Unternehmen vor allem auf wiederverwendbare Raketen, Raumfahrtdienste und den Satelliten-Internetdienst Starlink. Beide Firmen bedienen nicht nur bestehende Märkte, sondern zielen mit Technologien wie autonomem Fahren, Robotik, Energiespeicherung, Satellitenkommunikation und Raumfahrt auch auf große Zukunftsmärkte.
Macht und Synergien: Was Elon Musk von einer Fusion hätte
Wer Macht hat, will sie oft ausbauen. Doch was Musk hier anpeilt, ist eine Riesenfusion, die ihresgleichen suchen würde. Dabei gab es in diesem Jahr schon einen nennenswerten Zusammenschluss in der Villa Musk, als SpaceX das KI-Unternehmen xAI geschluckt hat. Wie strategisch das alles ist, zeigen frühere Firmenverschmelzungen. 2016 hat Tesla beispielsweise den von seinen Cousins gegründeten Solaranlagenanbieter SolarCity übernommen.
Wie würde sich der Einfluss von Musk bei einer Fusion von Tesla und SpaceX verändern? Bei SpaceX hat er dank einer Dual-Class-Aktienstruktur die Kontrolle: Seine Aktien verleihen ihm rund 85 Prozent der Stimmrechte. Doch bei Tesla sieht das anders aus. Hier hält Musk nur knapp 20 Prozent des Unternehmens – und verfügt nicht über Aktien mit Sonderstimmrechten. Durch die Zusammenlegung mit SpaceX könnte Musk seine Stimmrechtsposition deutlich stärken.
Darüber hinaus würde das Imperium von Musk zu einem Tech-Giganten wachsen, dessen vereinte Geschäftsbereiche von der Erde bis ins Weltall reichen – mitsamt den derzeit prominenten Feldern wie Elektromobilität, Robotik, KI und Raumfahrt. Und das mit einer geschätzten Gesamtbewertung von 3,5 Billionen Dollar.
Zudem gibt es schon jetzt Überschneidungen von Tesla und SpaceX bei Automatisierung, KI-Chips, Energieversorgung und Satellitenkommunikation. Ein zentrales Management würde die Entscheidungsprozesse vereinfachen, auch angesichts weiterer Synergiepläne wie des Megaprojekts „Terafab“ und der Nutzung von SpaceX-Kaltgastriebwerken im neuen Tesla Roadster.
Stimmen
- Elon Musk sieht in der „Zusammenlegung der Unternehmen viele Vorteile. (…) Es gibt viel zu gewinnen, wenn wir bei der Entwicklung von Software für Super Intelligence, beimfusion Chipdesign, beim Terafab-Projekt, natürlich bei der Robotik, beim Transport von Masse ins Weltall und bei der Konnektivität durch die Starmind-Satellitenkonstellation zusammenarbeiten.“ Letztlich würde die Entscheidung aber bei den Sonderausschüssen der Unternehmen liegen, die jetzt einen Vorschlag ausarbeiten müssten, über den die Aktionäre dann abstimmen könnten.
- Gene Munster ist Managing Partner bei Deepwater Asset Management, einem Investor von Tesla. Laut Reuters soll er den potenziellen Deal auf X (ehemals Twitter) befürwortet haben: „Der Hauptgrund, warum das so viel Sinn ergibt: Das, was Tesla macht, braucht SpaceX, und das, was SpaceX macht, braucht Tesla.“ Außerdem würden beide Unternehmen eine gemeinsame große Vision verfolgen: „Elon will ein echtes vertikales KI-Unternehmen aufbauen.“
- Josh Gilbert, leitender Analyst für den asiatisch-pazifischen Raum bei eToro, sieht den möglichen Zusammenschluss kritischer: „Ein Deal, bei dem ein einziger Mann beide Seiten leitet, wird harte Fragen zur Governance aufwerfen.“ Auch aus dem demokratischen Lager kommt Kritik: „Sollte Elon Musk mit der Fusion von Tesla und SpaceX vorankommen, würde der Deal echte Risiken mit sich bringen, die Kartellbehörden weltweit genau unter die Lupe nehmen würden“, sagt der US-Senator Cory Booker.
Warum Geopolitik, China und Regulierung die größten Hürden sind
Die Sorgen der Demokraten zeigen, wie aufgeladen das Thema ist. Laut Booker würde ein konkret geplanter Deal im Vorfeld der US-Zwischenwahlen, die am 3. November 2026 stattfinden, zu einem politischen Brennpunkt werden. Er sei bereit, jede Transaktion einer Kontrolle zu unterziehen: „Wenn eine einzige Person die Infrastruktur kontrolliert, auf die Regierungen und Streitkräfte angewiesen sind, werden ihre geschäftlichen Entscheidungen auch zu Entscheidungen der nationalen Sicherheit.“
Demnach sind die größten Hürden für eine Fusion wohl Geopolitik und Regulierung. Denn SpaceX ist ein wichtiger Auftragnehmer des US-Militärs, der Geheimdienste und der NASA – und damit eng in die amerikanische Sicherheitsinfrastruktur eingebunden. Brisant: Tesla ist mit seiner Gigafactory in Shanghai wiederum stark in China engagiert. Vor allem der Umgang mit vertraulichen Daten und sensibler Technologie könnte in dem Kontext heikel werden. Die Geschäftsbereiche müssten organisatorisch und technisch strikt getrennt sein.
Eine mögliche Lösung wäre, Teslas Chinageschäft vom übrigen Konzern zu trennen oder es ganz auszugliedern. Von entsprechenden Überlegungen berichtete das Wall Street Journal (€) bereits im Sommer 2026. Musk sprach damals von einer Falschmeldung. Tatsächlich wäre eine Loslösung kompliziert, weil das Werk in Shanghai ein bedeutender Produktionsstandort für Tesla ist.
Hinzu kämen Prüfungen durch Wettbewerbs- und Regulierungsbehörden. Und zwar nicht nur in den USA und durch die Regierung in Peking, sondern weltweit, um branchenspezifische Auswirkungen und mögliche unlautere Vorteile zu bewerten – von künstlicher Intelligenz über die Automobilindustrie bis hin zu Halbleitern und zur Satellitenkommunikation.
Indes liegt Musk sicherlich viel daran, dass hier Tempo aufgenommen wird. Denn solange Donald Trump noch US-Präsident ist, sollte die Regierung grundsätzlich offener für eine Fusion sein.
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