Schlechte Bewertung auf Lieferplattform: Pizza-Bäcker entführt Kunden

Jürgen Vielmeier

Er bestellte etwas bei einem Pizzadienst und litt nach dem Verzehr der Speise zehn Stunden lang an Brechdurchfall. Doch was dann kam, war für einen Göttinger Kunden noch schlimmer. Nachdem er dem Lieferdienst auf Pizza.de eine schlechte Bewertung ausgestellt hatte, lauerte der Besitzer des Restaurants ihm auf. Er wurde zur Zahlung von 800 Euro Schadensersatz gedrängt und mehrere Stunden lang gefangen gehalten.

Was schier unglaublich klingt, darüber hat jetzt das Amtsgericht Göttingen entschieden. Der Kunde habe sich etwas gegen seinen Durchfall gekauft, als plötzlich der aufgebrachte Besitzer des Lieferdienstes im Auto neben ihm gehalten hatte. Zusammen mit einem Mitarbeiter nötigten sie den Kunden, mit in die Pizzeria zu kommen. Dort angekommen, forderten sie von ihm 800 Euro Schadenersatz, weil die Zahl der Bestellungen angeblich maßgeblich zurückgegangen sei.

Hoher Druck auf Lieferdienste

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In der Pizzeria nahm man dem Kunden Handy und Portmonee ab, bespuckte und beschimpfte ihn und sperrte ihn in einen Lagerraum. Die versuchte Flucht in ein benachbartes Fitnessstudio misslang: der Inhaber der Pizzeria holte ihn mit Gewalt zurück. Erst nachdem der Kunde seine Mutter anrufen durfte, die ihm die 800 Euro leihen wollte, ließ man den Mann unter der Prämisse gehen, das Geld am nächsten Tag vorbeizubringen. Der Kunde allerdings ging statt dessen zur Polizei. Das Amtsgericht befand den Besitzer der Pizzeria für schuldig und verurteilte ihn zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung. Der Mitarbeiter der Pizzeria, der dem Besitzer geholfen hatte, wurde zu einer milden Strafe verurteilt.

Die kuriose Nachricht zeigt, welchen Stellenwert Lieferportale im Netz inzwischen haben. Dienste wie Pizza.de, Lieferheld, Lieferando oder auch Qype als Bewertungsplattform werden offenbar so rege befüllt und befragt, dass eine schlechte Bewertung tatsächlich zu Umsatzeinbußen führen kann. Die Restaurant-Besitzer stehen offensichtlich unter einem hohen Druck – was aber natürlich keine Nötigung rechtfertigt. Gerade im Falle schlechter Bewertungen auf Ebay gibt es zahlreiche Urteile. Oft sind die Anbieter die Gelackmeierten, weil sie sich gegen überkritische Bewertungen nur schwer wehren können. In diesem Falle aber dürfte die Sachlage ziemlich eindeutig sein. Guten Appetit!

(Jürgen Vielmeier, Foto: Rob Rob 2010 (CC))

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.