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Bloggerpitching II.: Was wäre wenn

Walmart/Edelman und das in die Krise geratene Bloggerprogramm – man kann es drehen und wenden wie man will – hat für einiges Echo in der Blogosphere gesorgt. Zumindest unter denen, die sich um die konkrete Ausgestaltung Gedanken machen, wie Unternehmen mit Bloggern bzw. überhaupt mit Kunden iA besser über das Web kommunizieren können. Denn es ist leicht zu sagen, daß es toll ist, ein Corporate Blog zu haben, aber es fällt anscheinend schwer, eines kontinuierlich zu betreiben. Das past auch in das Weltbild vieler hinein, die Corporate Blogs von vornherein ablehnen. Diese Gruppe ist der Meinung, man wolle ja doch nur etwas verkaufen, Leute um den Finger wickeln, sich auf eine perfide und sehr persönliche = bloggische Art ein positiveres Image verschaffen, kurz gesagt: Aus Scheisse Gold machen. Diese Sichtweise hat allerdings einen Denkfehler. Er führt einerseits dazu, daß sich Unternehmen nach wie vor zurückhalten (Blogs = Anarchie, da die Anti-Fans am lautesten schreien) und andererseits bekommen diese Unternehmen keine Chance, sich zu verändern. Immer dann, wenn Du Dich mit einer neuen Kultur auseinandersetzt, wird ein Teil Deiner bisherigen Kultur mit der neuen verschmelzen. Was nun wen assimiliert steht auf einem anderen Stern. Kulturen vermischen sich. Sie beeinflussen sich.

Blogs werden Unternehmen beeinflussen. Ob die das nun wollen oder nicht. Ob die das Spiel mitmachen oder kein Spiel spielen. Mich interessiert es dabei nicht, daß es 10-20 Jahre dauern wird. So what. Es braucht seine Zeit, bis sich die Unternehmenskommunikation an neue, kulturelle Änderungen anpasst. Je größer die Firma umso länger der Änderungsprozess. Walmart wird sicherlich lange brauchen 🙂 Es ist für mich also keine Frage, ob Corporate Weblogs böse sind, sondern wie lange es dauern wird, bis sich die Kommunikationskultur über die Nutzung von Weblogs ändern wird.

Anyway, worauf ich im Kern hinauswollte: Walmart hat in Zusammenarbeit mit Edelman mE einen großen Fehler begangen. Das Anpitchen zahlreicher Blogger mit anschließender Versorgung „exklusiver“ Informationen ist nicht mehr Grauzone. Im Kern geht es um den Aufbau persönlicher Beziehungen – in dem Falle per Mail (s.u. Link) – zwischen Edelman, die für Walmart arbeiten und den betreffenden Bloggern. Das ist ein No Go. Denn bei Walmart geht es ums Geschäft und ein gutes Image, das durch verschiedene Aktivitäten privater Organisationen schwer unter Beschuss steht. Viele Kunden und auch Blogger-Fans aber neigen dazu, Walmart persönlich gut zu heissen. Da Walmart zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen hat und viele Amerikaner auch stolz auf das größte Unternehmen Amerikas sind. Dagegen ist ja nichts einzuwenden. Aber?

Es gibt jedoch eine schöne Analogie, das den persönlichen Beziehungsaufbau betrifft: Ärzte und Krankenschwestern werden immer und stets wie der Teufel das Weihwasser einen persönlichen Kontakt zu ihren Patienten vermeiden. Man betreibt dort eine „geschäftsmäßige Intimität“. Alles andere wäre Kumpanei. Kumpanei erzeugt Nähe, zwischenmenschliche Nähe. Überall da aber, wo es ums Geschäft geht, muss man die Dinge sauber trennen: Kumpanei ist ein No Go.

Walmart möchte Geld verdienen. Walmart möchte sein gutes Image wiederherstellen. Es gibt wie oben bereits gesagt genug Fans. Edelman möchte eine Beziehung in die Bloggerwelt knüpfen. Walmart auch. Nichts dagegen einzuwenden. Kumpanei aber führt zu dem Verdacht, sich Blogger-Hunde anzudressieren, die nach Belieben Männchen machen. Das oberste Gebot ist Transparenz in den Absichten, Transparenz in der Handlungsweise und Vermeidung von Kumpanei (eben das Beispiel Beziehungsaufbau per Mail über längere Zeit hinweg).

Stellt ein Blog auf, versorgt die Blogger-Fans mit Infos. Schreibt sie von mir wegen einmalig an, wenn das Blog steht. Echte Fans werden von sich aus diese Infos aufgreifen. Pro-Argumente liefern. Es steht jedem frei, sich darauf zu beziehen. Ohne Mittelsmann. Ohne Kumpanei. Offene Karten.

Und der viel besagte, öffentlich gemachte E-Mail Verkehr (.pdf) zwischen einem Edelman Mitarbeiter, der im Auftrag von Walmart Blogger auf seine Seite gezogen hat und dem Empfänger, einem guten, gläubigen, rechtsherz schlagenen Blogger-Amerikaner.

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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

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